Im Moment kann die Wirtschaftskammer wenig richtig machen. Und das liegt nicht nur daran, dass sie auch wenig richtig macht. Die Stimmung in der Unternehmerschaft befindet sich derzeit auch ohne Wirtschaftskammer im freien Fall. Ein zusätzlicher, recht patscherter Sündenbock kommt da sehr gelegen.
Und wie in einem guten Kabarett jagt auch bei der Wirtschaftskammer ein Gag den nächsten, nur dass die meisten davon nicht als Gags gedacht waren. So schafft man es derzeit offenbar nicht, dazwischen zu unterscheiden, dass die Kammer zwar Reformen braucht und sparen muss, dass die 5.800 MitarbeiterInnen dessen ungeachtet aber unangenehme Zeiten hinter sich haben. Nicht jede/-r von ihnen ist SpitzenverdienerIn, aber alle konnten sich in den letzten Monaten über die Presse ausrichten lassen, ob sie überhaupt und wenn ja wie viel sie in Zukunft mehr verdienen würden. Das ist jetzt mal wenigstens fix. 2,1 Prozent bekommen die Leidgeplagten nun. Aus Unternehmersicht sind das immer noch 2,1 Prozent zu viel, um wirklich Vorbild zu sein. Aus Arbeitnehmersicht herrscht zumindest Klarheit.
Diese Woche hatte die Wirtschaftskammer Tirol wieder zwei besonders gute Ideen, um in der Kammer zu sparen. Nein, man greift nicht die Gehälter der SpitzenverdienerInnen an, man reduziert auch nicht die Anzahl der MitarbeiterInnen oder verzichtet gar auf Zubauten wie aktuell jenen zur Zentrale. Gespart wird bei der … Weihnachtsfeier. Die fällt heuer aus, aus optischen Gründen vermutlich und wohl auch, weil zumindest die Spitze nicht in Feierlaune ist. Kleiner Reminder: Sinn einer Weihnachtsfeier ist es mitunter, sich bei der Belegschaft für das – in diesem Falle turbulente – letzte Jahr zu bedanken und auf das kommende – vermutlich nicht weniger turbulente – Jahr einzuschwören.
Doch damit nicht genug: Auch für den Ball der Wirtschaft, den die Kammer jährlich veranstaltet, hat man sich eine tolle Sparmaßnahme einfallen lassen. Nein, der Ball wird nicht abgesagt. Aber auch diejenigen Funktionärinnen und Funktionäre, die nur minimale Entschädigungen für ihre Leistungen erhalten, müssen ihren Tisch in der Dogana ab sofort selbst bezahlen.
Kurzum, die Stimmung bei der Kammerbelegschaft ist gedämpft, das Vertrauen in den Arbeitgeber wird auf eine harte Probe gestellt. Die UnternehmerInnen können das positiv sehen: Kammerumlage gibt es keine zurück, dafür aber vielleicht ein paar gute Fachkräfte, die wieder auf den freien Markt wechseln möchten.