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Internationale Bildungskooperation mit Südafrika an der PH Tirol

Beim Austausch mit der südafrikanischen Delegation (v.l.): Rektorin Regine Mathies, Bildungsminister Provinz Gauteng Matome Chiloane, LRin Cornelia Hagele und Bildungsexperte Matthias Forcher-Mayr.

Internationale Bildungskooperation mit Südafrika an der PH Tirol

Beim Austausch mit der südafrikanischen Delegation (v.l.): Rektorin Regine Mathies, Bildungsminister Provinz Gauteng Matome Chiloane, LRin Cornelia Hagele und Bildungsexperte Matthias Forcher-Mayr.

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Im Rahmen einer Delegationsreise besuchte Bildungsminister Matome Chiloane der Provinz Gauteng in Südafrika die Pädagogische Hochschule Tirol (PHT). Die Provinz mit 16 Millionen EinwohnerInnen umfasst die Metropolen Johannesburg sowie Pretoria und ist das ökonomische Zentrum Südafrikas sowie der Region Südliches Afrika.

Zudem sind hier zahlreiche österreichische Unternehmen aktiv. Im Zentrum des Besuches stand jedoch der Austausch mit Tirols Bildungslandesrätin Cornelia Hagele, Reinhard Nöbauer, Abteilungsleiter für bilaterale internationale Angelegenheiten des Bildungsministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) sowie PHT-Rektorin Regine Mathies und PHT-Bildungsexperten Matthias Forcher-Mayr über Berufsbildung, Digitalisierung, Entrepreneurship Education – sprich Bildungsmaßnahmen zur Weckung unternehmerischer Einstellungen und Fertigkeiten – sowie die Intensivierung von Bildungskooperationen mit Sub-Sahara-Afrika an der PH Tirol.

„Von internationalen Bildungskooperationen profitiert der Bildungsstandort Tirol. Wir stärken diesen damit und forcieren die weitere internationale Ausrichtung Tirols. Bei Bildungskooperationen steht das gegenseitige Lernen ebenso im Mittelpunkt wie die Internationalisierung des österreichischen Bildungswesens durch Erfahrungen aus dem Ausland. Vor allem im Bereich der Bildung gilt es, über den eigenen Tellerrand zu blicken und von Expertinnen und Experten aus den verschiedensten Ländern Inputs zu erhalten und gut funktionierende Systeme oder Modelle auch in unser Bildungssystem zu integrieren. Das passiert nun auch beim Projekt ‚Sprouting Entrepreneurs‘ an der Pädagogischen Hochschule Tirol“, freut sich LRin Hagele über den Start des Flagship-Projektes aus Südafrika in Tirol, bei dem junge Menschen unterstützt werden, Ideen zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen umzusetzen.

Unterrichtspraxis-Erfahrungen auch im Ausland sammeln

Neben der Intensivierung der Bildungskooperation soll die Mobilität von Studierenden sowie Lehrenden gefördert werden: Im September 2023 absolvierten bereits fünf Lehramtsstudierende der PH Tirol ihre Unterrichtspraxis in einer südafrikanischen Township-Volksschule. „Das südafrikanische Bildungswesen war zur Zeit der Apartheid darauf ausgelegt, die Mehrheit der Bevölkerung zu disqualifizieren. Von der Auseinandersetzung mit diesen Folgen und den Reformbemühungen kann unser System lernen und diese Erkenntnisse in die Bearbeitung der globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) im Rahmen der Lehramtsausbildung einfließen”, so Bildungsexperte Forcher-Mayr.

In Zukunft soll es auch Studierenden der Berufsbildung im Rahmen einer „Summer School“ möglich sein, Unterrichtserfahrung in Südafrika zu sammeln. Umgekehrt sind vonseiten der südafrikanischen Delegation Begegnungen mit verschiedenen Tiroler Schulen, wie die Besuche einer Höheren Technischen Lehranstalt (HTL), einer Tourismusschule und einer Höheren Lehranstalt für Wirtschaftliche Berufe (HLW) sowie der Plattform Offene Jugendarbeit Tirol geplant.

Flagship-Projekt „Sprouting Entrepreneurs“ seit 1. September an PH Tirol

„Sprouting Entrepreneurs“ ist eines der wenigen Projekte weltweit, die von der Volksschule, über die Mittelschule bis zur Berufsbildung eingesetzt werden können. Ausgehend vom forschenden Lernen über wirtschaftliche bzw. gesellschaftliche Bedarfe und ihre Ursachen entwickeln SchülerInnen als junge „Change MakerInnen“ – also VeränderungsmanagerInnen – Ideen, die neben ökonomischen auch soziale, kulturelle und ökologische Werte stärken. „Entrepreneurship Education ist ein heißes Thema in fast allen Bildungssystemen und Ländern der Welt. Es gibt aber wenig didaktische Konzepte und konkrete Umsetzungen davon. In Südafrika ist es gelungen, Entrepreneurship Education einerseits konkret umzusetzen, andererseits Unterrichtsmaterialien zu entwickeln, die die entsprechenden Kompetenzen fördern. Dieses im globalen Süden entwickelte Konzept lässt sich sehr gut auf Österreich bzw. den globalen Norden übertragen und wurde daher auch Teil der österreichischen Entrepreneurship-Education-Strategie“, erklärt Forcher-Mayr.

Das Projekt findet derzeit in drei Provinzen Südafrikas sowie in Uganda statt und erreicht 35.000 SchülerInnen. Ziel ist es, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu kritischen BürgerInnen zu unterstützen und ihre Ideen zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen umzusetzen. Außerdem zielt das Projekt in Südafrika auf die Verbesserung und Stärkung ländlicher Bildung bzw. landwirtschaftlicher Berufsbildung ab, weshalb SchülerInnen ausgehend von der Kultivierung von Schulgärten beispielsweise der oft hungernden Bevölkerung helfen, eigene Heimgärten anzulegen. In der Provinz Gauteng soll das Projekt unter finanzieller Beteiligung des Gauteng Department of Education bis 2026 an 1500 Schulen ausgerollt werden, und zwar an Unterstufen sowie an der berufsbildenden und allgemeinbildenden Sekundarstufe. „Das Projekt liefert uns wertvolle Erkenntnisse zur Förderung des Unternehmergeistes bei Schülerinnen und Schülern und zeigt innovative Wege auf, um hierzulande die unternehmerische Bildung zu stärken. Es weist außerdem über den üblichen Fokus auf rein ökonomische Werte hinaus und bezieht – wie es der Entrepreneurship Competence Framework der Europäischen Union fordert – soziale, kulturelle und ökologische Werte ein. Damit entwickelt es eine Kraft, die tatsächliche Veränderung bewirken kann“, zeigt LRin Hagele die Relevanz des Projektes für Tirol auf.

Bildungsexperte des BMBWF an PHT gewechselt

Das seit 2017 laufende und durch die UN im Jahr 2021 als „Sustainable Development Good Practice“ ausgezeichnete Projekt „Sprouting Entrepreneurs” wurde von den BildungsexpertInnen Matthias Forcher-Mayr und Sabine Mahlknecht im Auftrag des BMBWF entwickelt und wird weiterhin vonseiten des Ministeriums unterstützt. Die Umsetzung des Flagship-Projekts übersiedelte mit der Tätigkeit des Bildungsexperten Forcher-Mayr seit 1. September 2023 an die PH Tirol. „Internationalisierung ist ein zentrales Handlungsfeld der PH Tirol. Wir freuen uns sehr, mit der Expertise und dem Netzwerk von Matthias Forcher-Mayer die internationale Ausrichtung der PH Tirol nun weiter vertiefen zu können. Der Besuch des Bildungsministers der Provinz Gauteng ist der Auftakt für die Ausweitung der Bildungskooperation mit Südafrika, von der insbesondere auch unsere Studierenden umfassend profitieren sollen. Dass der globale Norden von einem Projekt aus dem globalen Süden in dieser Weise profitieren kann, stellt eine beachtenswerte Dimension dar“, betont PHT-Rektorin Mathies.

Neues Stipendium am MCI mit Unterstützung aus Südafrika

Auch im Bereich der Wissenschaft und Forschung finden derzeit Kooperationen zwischen Tirol und Südafrika statt. Dieses Jahr wurde am MCI in Innsbruck beispielsweise ein neues Stipendium für Studierende aus Südafrika geschaffen. Im Rahmen des „Herman Mashaba Scholarship“ werden Studierende, die sich durch bisherige akademische Leistungen in den Studienbereichen Entrepreneurship, gesellschaftliche Entwicklung und „Good Governance“ auszeichnen, in ihrem Masterstudium am MCI finanziell unterstützt. „Vor allem in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Forschung gilt es über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und von den Erkenntnissen anderer Länder zu lernen. Mit Bildungskooperationen wie diesen, bauen wir wichtige internationale Brücken, die den Bildungs- und Wissenschaftsstandort Tirol weiter stärken und auch für internationale Studierende attraktiv gestalten“, betont die Bildungs- und Wissenschaftslandesrätin.

19. Oktober 2023 | AutorIn: top.tirol Redaktion | Foto: PHT