Lisa Spöck im Interview
Mehr Start-up-Mindset braucht die Welt
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Lisa Spöck ist neue Geschäftsführerin von Startup.Tirol. Was sie dazu motiviert hat, die Stelle anzunehmen, was sie in den ersten 100 Tagen machen will und welches Start-up sie selbst gerne gründen würde, erzählt sie top.tirol im Interview.
Zur Person
Lisa Spöck ist Geschäftsführerin von Startup.Tirol und bei der Standortagentur Tirol für Start-ups zuständig.
Frau Spöck, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Rolle. Was hat Sie motiviert, die Geschäftsführung bei Startup.Tirol zu übernehmen?
Danke! Ich freu mich. Es ist im Grunde dieselbe Motivation, die mich dazu gebracht hat, mich vor zehn Jahren mehr für die Start-up-Szene zu engagieren: Es sind die Menschen, die Probleme sehen und Lösungen suchen und diese dann umsetzen. Deswegen bin ich gerne hier. Ich danke auch Marcus (Hofer), dem Team und den Partnern für das Vertrauen.
Was reizt Sie am meisten an der Arbeit mit Gründerinnen und Gründern?
Es ist immer ein schöner Moment, wenn Menschen von ihrer Idee sprechen und man den Funken in ihren Augen sieht, der sie motiviert. Leute, die was umsetzen und etwas tun und daran glauben. Selbst wenn man scheitert, ist etwas Faszinierendes in dem, dass man es versucht hat. Das Mindset, das diese Menschen haben, ist das, was mich motiviert. Außerdem macht es mir unheimlichen Spaß, mit meinem Team und meinen KollegInnen zusammenzuarbeiten.
Was steht an Ihren ersten 100 Tagen als Geschäftsführerin ganz oben auf der Prioritätenliste?
Es läuft bei uns gerade ein Förderprogramm, das wir aktuell evaluieren und uns überlegen, wie wir es nach dem Ablauf im Juni 2027 weiterführen wollen, sofern das Förderprogramm verlängert wird. Es handelt sich um das AplusB-Programm (Academia plus Business). Außerdem sind wird gerade dabei in unserem „Boost.Up!“-Programm so wie jedes Jahr, sechs neue Start-ups, die kurz vor der Gründung stehen, aufzunehmen. Die Betreuung der aktuellen Start-ups, auch in Kooperation mit dem „InnCubator“, das Teambuilding auch in unserem Unternehmen und die Weiterentwicklung stehen sowieso an. Wir wollen die gute Teamkultur weiter ausbauen und fördern.
Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen für Start-ups in Tirol?
Tirol ist breit gefächert. Es kommen sehr viele Ideen aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Wir haben hier das Glück, dass wir eine kleine Szene sind, die gut vernetzt ist. Es ist gut abgestimmt, wann man welche Unterstützung bekommt. Es gibt einige Schwerpunkte, wie zum Beispiel im Life-Sciences-Bereich. Dafür wurde der Health-Hub eingerichtet und das MedLifeLab zielt darauf ab. Oder der Impact Hub setzt den Fokus auf Impact. Es gibt zahlreiche spannende Player in Tirol. Ich sage aber immer: Wenn die GründerInnen motiviert sind, dann sind wir in Tirol mehr als nur branchenoffen.
Welche Unterschiede sehen Sie zwischen der Tiroler Start-up-Szene und anderen Regionen (z. B. Wien, München, Berlin)?
Tirol hat viele Ausbildungsmöglichkeiten. Personen kommen oft her, um sich ausbilden zu lassen. Sie sind von der Umgebung fasziniert. Nun gilt es, diese Leute auch hier zu behalten. Und das ist gar nicht mal so schwierig. Denn die Möglichkeit, hier zu arbeiten, kombiniert mit der Natur, ist Tirol fast einzigartig. Außerdem gibt es 16 Institutionen in Tirol, die Start-ups unterstützen, und alle über Startup.Tirol verbunden sind. Die Infrastruktur ist also da und auch die Vernetzung ist gut.
Auf der anderen Seite gibt es ab einer gewissen Größe nur noch wenig Möglichkeiten der Förderung. In den frühen Phasen wird man also unterstützt und später wird es schwieriger. Das ist in ganz Österreich so und in Tirol eben auch. Die Wohn- und Erhaltungskosten sind hier ebenso hoch und auch Tiroler Start-ups haben das Thema der Talentsuche.
Welche Bereiche oder Branchen haben Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren das größte Potenzial?
Per Definition müssen Start-ups ja innovativ, skalierbar und nicht älter als zehn Jahre alt sein. Technologische Lösungen haben die besten Chancen ihr Potenzial zu entfalten. Natürlich sind gerade KI und Co. in aller Munde. Da kommen viele Ideen und Projekte her. Weiters ist Tirol für den Quantenbereich bekannt, hier freue ich mich auf die weiteren Entwicklungen.
Wie möchten Sie Universitäten, Investoren und etablierte Unternehmen stärker in die Start-up-Szene einbinden?
Startup.Tirol hat acht Gesellschafter. Die Unis und Hochschulen in Tirol sind dabei vertreten. Da gibt es schon eine gute Zusammenarbeit und wir wollen diese auch weiter vertiefen. Was Investoren anbelangt: Wir bereiten Startups auf die Investor:innen-Reife vor, die direkte Investor:innen-Suche beginnt oft erst nach unserem Hauptprogramm. Wir versuchen hier zu vermitteln und die Wege zu bereiten. Auch mit etablierten Unternehmen verhält es sich ähnlich. Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit der Standortagentur Tirol und auch der Wirtschaftskammer Tirol. Hier ist viel Potenzial, das wir in Zukunft weiter ausschöpfen wollen.
Welche Bedeutung messen Sie Nachhaltigkeit und Green-Tech im Tiroler Start-up-Ökosystem bei?
Unser zuvor erwähntes AplusB-Programm setzt genau dort an: Wir haben die Schwerpunkte Female-Empowerment und Klima und Nachhaltigkeit. Bei beiden Themen sind wir immer bemüht, Bewusstsein zu schaffen, das Potenzial, das bei ihnen besteht, voll auszuspielen.
Gibt es ein Start-up, das Sie persönlich besonders inspiriert (in Tirol oder international)?
Ich finde alle Projekte spannend. Wenn man sich zum Beispiel nur den Life Sciences Bereich ansieht, ist man erstaunt, welche Projekte hier entstehen. Wie kann man Menschen helfen oder weiterhelfen? Projekte in der Frauenmedizin, wo es bisher wenig gegeben hat. Einfach alles, was einen positiven Einfluss auf die Welt hat. Auch, wenn ich das sagen darf, motiviert es mich, wenn Frauen gründen. Die sind in der Start-up-Szene unterrepräsentiert. Daran muss sich was ändern.
Wenn Sie selbst ein Start-up gründen würden: In welchem Bereich wäre das?
Spannende Bereiche gäbe es viele, ich denke es wäre der Gesundheitsbereich. Ich müsste mir dafür auch Hilfe aus dem Gesundheitsbereich holen, weil ich das BWL-Wissen beisteuern könnte. Aber das würde mich faszinieren.
Vielen Dank für das Gespräch!