Spitzenverdiener unter Druck
Was Österreichs Führungskräfte heute verdienen
Artikel teilen
Ein Job in der Chefetage gilt traditionell als Eintrittskarte in die Welt der hohen Einkommen.
Doch die aktuellen Zahlen zeichnen ein differenziertes Bild: Während die Gehälter in den obersten Etagen nach wie vor beachtlich sind, geraten sie zunehmend unter Druck – und die Schere zwischen den Geschlechtern bleibt weit geöffnet.
Die Zahlen an der Spitze
Das durchschnittliche Nettojahreseinkommen der ersten Führungsebene – also Geschäftsführerinnen und Vorstände – liegt derzeit bei rund 135.800 Euro. Auf der zweiten Ebene, also bei Bereichs- und Abteilungsleitungen, sind es immerhin 92.900 Euro.
Brutto ergibt sich daraus ein beeindruckendes Bild: 190.300 Euro Fixgehalt plus 72.200 Euro variable Bestandteile summieren sich im Schnitt auf etwa 262.500 Euro pro Jahr. Doch hinter den Zahlen steckt ein Trend: Zum vierten Mal in Folge sinken die realen Einkommen an der Spitze. Inflationsbereinigt bedeutet das ein Minus von rund 13 Prozent seit 2020.
Mittelbau mit Zuwachs
Während die obersten Managerinnen Einbußen hinnehmen müssen, zeigt sich im mittleren Management ein leichter Aufwärtstrend: plus 0,8 Prozent real seit dem Vorjahr. Das deutet darauf hin, dass Unternehmen die nachrückenden Führungsebenen stärker honorieren – auch als Maßnahme gegen den Fach- und Führungskräftemangel.
Arbeitslast und Benefits
Reich wird man in der Chefetage nicht ohne Preis: Führungskräfte leisten durchschnittlich 17 Überstunden pro Woche. Klassische Privilegien wie der Firmenwagen bleiben verbreitet, doch es zeichnen sich neue Muster ab: Rund ein Viertel der Top-Managerinnen nutzt inzwischen das Klimaticket – ein Symbol für veränderte Prioritäten und das Bemühen um nachhaltigeres Image.
Gender Gap bleibt schmerzhaft
Besonders deutlich wird der Unterschied beim Blick auf die Gehaltsdaten: Während Männer in Führungspositionen durchschnittlich 78.200 Euro brutto jährlich verdienen, sind es bei Frauen lediglich 57.400 Euro. Ein Abstand von mehr als 20.000 Euro, der den strukturellen Nachholbedarf klar sichtbar macht – trotz aller Fortschritte in den letzten Jahren.
Fazit
Österreichs Führungskräfte verdienen nach wie vor üppig – zumindest in den obersten Etagen. Doch die Einkommen stagnieren oder sinken real, und die Geschlechterkluft bleibt eklatant. Für viele Managerinnen und Manager ist das Gehalt damit nicht nur Ausdruck von Verantwortung, sondern zunehmend auch Spiegel der wirtschaftlichen Unsicherheit. Die große Frage lautet: Wer wird künftig bereit sein, für diese Summen auch 60-Stunden-Wochen und den wachsenden öffentlichen Druck in Kauf zu nehmen?