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Speed-Designprozess für Tiroler Tischlerlehrlinge

Die Tischlerlehrlinge beim Prozess.

Speed-Designprozess für Tiroler Tischlerlehrlinge

Die Tischlerlehrlinge beim Prozess.

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Design fühlen, verstehen, begründen und schaffen: Das wird jetzt in zwei Unterrichtseinheiten bei den Tiroler Tischlerlehrlingen in den beiden Berufsschulen in Absam und Lienz gemeinsam mit der Lehrerschaft und dem Designer Herbert Lanzinger umgesetzt.

Gemeinsam mit Herbert Lanzinger von Studiodesign in Kirchbichl wird an der Rezeptour für bewusstes Gestalten ab der zweiten Klasse Berufsschule gefeilt. Den Schülern wird dabei die gleiche Kompetenz vermittelt wie sie Herbert Lanzinger an seine Kunden aus der Wirtschaft weitergibt. „Der Beruf des Tischlers ist ein kreativer Beruf. Kreativität und Design sind keine glücklichen Zufälle; vielmehr liegen diesen Bereichen Prinzipien zugrunde. Wenn diese Prinzipien beachtet werden, können die entstandenen Werke erheblich verbessert werden. „Als Vertreter unserer Berufsgruppe sehen wir es als unsere vorrangige Verpflichtung an, in die Jugend zu investieren und ihnen die bestmöglichte Ausbildung zukommen zu lassen. Aus diesem Grund freut es uns, dass Herbert Lanzinger für ein Projekt an der Berufsschule gewonnen werden konnte,“ zeigt sich Meister Markus Decker sichtlich erfreut über diese Zusammenarbeit.

Was ist Design und wie komme ich zu gutem Design?

Gutes Design entsteht nicht dem Zufall geschuldet, sondern folgt bestimmten Leitlinien und muss eng mit der Aufgabenstellung verknüpft sein. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist der deutsche Designer Dieter Rams. Seine Richtlinien aus dem Jahr 1955 sind nach wie vor aktuell. Sie besagen, dass gutes Design so minimalistisch wie möglich sein sollte, Produkte funktional und verständlich gestaltet werden müssen. Herbert Lanzinger setzt auf der Briefingebene an. Nur wenn man den Menschen versteht, wie er fühlt, welche Ansprüche er hat, kann man für ihn das passende Stück entwerfen.

Frage den Kunden so lange bis er gesteht und dann erstelle eine DNA, wo alles Wesentliche erfasst ist und das Unwesentliche einfach nicht da ist. Die DNA besteht aus Begriffen, die so schlank wie möglich gehalten sind. Sie ist die Basis für die Arbeit. Am Ende des Tages kann der Schüler aufgrund dieser fundierten Herangehensweise seine Gestaltungsentscheidungen erklären, sei es eine runde Form aufgrund bestimmter Gründe oder die Verwendung von Zirbenholz aufgrund anderer. So entsteht kein zufälliges Produkt, sondern es ist verankert. Somit wird aus dem Projekt ein Vielfaches mehr als die Summe seiner Teile. Der Kunde bekommt quasi seinen individuellen Maßanzug.

Wie sieht der Unterricht konkret aus?

Im zweiten Lehrjahr bereiten sich die Lehrlinge schon auf ihr Gesellenstück vor. Sie fertigen für sich selber. Oft ist es so, dass man schöne Dinge gesehen hat, sich für ein Holz entschieden hat, so viele Details im Auge hat, aber das große Ganze darüber fehlt. Was will man eigentlich? Wo ist der Zweck? Was will das Herz? Diese Fragen gehen unter.

Den Schülern:innen wird gelernt, die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten zu deuten und die DNA zu verdichten. In zwei Unterrichtseinheiten führt Herbert Lanzinger an das Designverständnis und seine Rezeptour heran. Nach der Theorie wird selber umgesetzt: In einem Speed-Designprozess erstellen die Schüler ein Briefing, eine Projekt DNA und ein Endergebnis in einer Gruppenarbeit, welches auch präsentiert wird. Am Ende ist das Design schön, authentisch, passend und bereitet Freude. Es sind keine leeren Hülsen, sondern die DNA geht durch. Das spürt man sofort. Für die Teilnahme am LAP-Preis dürfen die Schüler die Stücke auf eine Plattform hochladen und erhalten Input von Herbert Lanzinger.

Was hat das Projekt bis jetzt geleistet?

Das Niveau der Stücke wurde erhöht und das Verständnis, was wichtig in der Zusammenarbeit mit Kunden ist, und wie man Wünsche in puncto Design umsetzen und begründen kann, wurde massiv gesteigert.

Großartige Resonanz

Sowohl Schüler, Eltern als auch Lehrer sind vom Input durch Herbert Lanzinger sichtlich angetan, sodass das Projekt über einen längeren Zeitraum positive Entwicklungen hervorrufen wird. In der DNA der Tiroler Tischler ist Nachhaltigkeit verankert. Die Dominos, die die Schüler als Grundalge und Nachschlagewerk erhalten werden in Tirol produziert und können jederzeit erweitert oder verändert werden. Auch Zeichenblöcke mit den wesentlichen Kernelementen werden im nächsten Jahr den Schüler:innen übergeben.

18. August 2023 | AutorIn: top.tirol Redaktion | Foto: Markus Decker