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Workshop: Geschlechterstereotype bei Lehrberufen

Workshop: Geschlechterstereotype bei Lehrberufen

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25. Tiroler LehrlingsausbilderInnen-Kongress

Geschlechterstereotypen – ganz besonders im beruflichen Kontext, entsprechen oft nicht der Realität und schränken die beruflichen Möglichkeiten von Burschen und Mädchen ein. Der Lehrlingsausbilder*innen-Kongress vergangenen Oktober und der Workshop "Geschlechterstereotype bei Lehrberufen" zeigte Denkmuster und Chancen auf. Lehrmädchen Anna von Kahlbacher Machinery GmbH war repräsentativ als junge Frau in einem männerdominierten Beruf zu diesem Workshop eingeladen.

Girl Power

Anna Hechenberger, Metalltechnik/Maschinen- bau-Lehrling im 3. Lehrjahr bei Kahlbacher Machinery erklärte, wie sie sich für ihren Beruf entschieden habe: Nach der Mittelschule ging sie in die Polytechnische Schule, wo es viele Schnupperangebote gab – unter anderem bei Kahlbacher. Dort habe es ihr so gut gefallen, dass sie gleich in die Lehre eingestiegen sei. Ihre Familie habe sie zum Großteil unterstützt, Lehrpersonen in der Mittelschule seien jedoch eher verunsichert gewesen. So war sie hier mit Fragen wie „Bist du dir sicher, dass du ins Poly gehen willst?“ oder „Bist du dir sicher, dass du diesen Beruf machen willst?“ konfrontiert. Kurz gesagt: Sie war sicher!

Unterstützung gefragt

Es zeigt sich: Erziehung, Schule, Filme, Rollenbilder, Werbung beeinflussen Jugendliche. Auch Erwartungen an ein bestimmtes Verhalten, Fähigkeiten und Interessen, die von außen an junge Menschen herangetragen werden, spielen eine gewichtige Rolle. Dabei gelte, dass die Erwartungen anderer oft zu den eigenen Erwartungen würden: „Das, was mir andere zutrauen, traue ich mir selbst auch zu“.  Eltern und Erziehungsberechtigte sollten daher mit in die Berufswahl eingebunden werden, da sie eine wichtige Rolle im Entscheidungsprozess einnehmen, erklärte Elisa Neundlinger im Rahmen des Workshops.

Gute Ansätze

Wie können aber Unterschiede in der Berufswahl ausgeglichen werden? Ein Ansatz ist die Lehrlings-Akquise. Schon allein Sprache, Wortwahl und Formulierungen spielen eine wichtige Rolle. Von großer Bedeutung sei zudem die Bildsprache – welche Personen werden in Verbindung mit welchen Berufen und in welcher Form dargestellt?  Schnuppertage bieten darüber hinaus die Möglichkeit praktische Erfahrungen zu machen und Vorurteile aufzubrechen.

Wörter wirken

Aussagen wie „Für ein Mädchen/Burschen machst du das aber sehr gut“ oder „Du machst das ja sogar besser als die Burschen/Mädchen“ sollten hingegen vermieden werden. Sie suggerierten, dass das Mädchen oder der Bursche eigentlich fehl am Platz sei. Durch solche Kommentare entstünde ein eingeschränktes Berufswahlspektrum - Burschen passiere ähnliches, wenn sie sich für Erziehungs- oder Pflegebereich interessierten, ergänzte Elisa Neundlinger und verwies auf den Girls’ Day Tirol, dessen Projektleiterin sie ist.

FACTBOX

Der Girls’ Day ist ein internationaler Aktionstag und findet jährlich am vierten Donnerstag im April statt. Er ist ein Projekt, das Mädchen und junge Frauen bei der Berufsorientierung unterstützt. Es geht darum, neue berufliche Möglichkeiten und vielfältige Fähigkeiten der Schüler:innen sichtbar zu machen. Für weitere Infos: www.girlsday-tirol.at oder Girls‘ Day Video.

02. Februar 2023 | AutorIn: top.tirol Redaktion | Foto: Kahlbacher Machinery