Nachdem wir letzte Woche an dieser Stelle erfahren durften, warum Thomas Gasser so plötzlich seinen Sessel als TIWAG- und IKB-Vorstand räumen musste, dürfen wir uns diese Woche den Fragen widmen, die durch den abrupten Weggang aufgeworfen wurden.
Das wären einmal die Kosten für den bisherigen TIWAG-Vorstand, mehr als 1,2 Millionen Euro weist die Bilanz hier aus. Warum muss man Manager in öffentlichkeitsnahen Unternehmen mit so viel Geld überschütten? Und ist es wirklich so eine schwierige Aufgabe, einen Strommonopolisten in Tirol zu führen, dass es dafür drei Vorstände benötigt, die jeweils fast 20.000 Euro netto* pro Monat für ihre Arbeit kassieren?
Diese Frage hat der TIWAG-Aufsichtsrat diese Woche unabsichtlich selbst beantwortet, indem er bekanntgab, dass Thomas Gasser nicht nachbesetzt wird. Die ersten Stunden nach dieser Meldung habe ich mich gefreut, dass man den Sparstift angesetzt hat. Inzwischen wieder klar denkend, frage ich mich vor allem:
Was hat Gasser die letzten zehn Jahre eigentlich getan, dass man ihn nicht einmal nachbesetzen muss?
Ausgerechnet der Vorstand, der für die fachliche Seite des Energieversorgers zuständig ist, geht dem Unternehmen nicht ab. Das kann ja nur bedeuten, dass die Bereiche Erzeugung, Energiewirtschaft, Energiehandel und Energievertrieb nicht sonderlich wichtig sind und dass Thomas Gasser seinen Job eher repräsentativ als inhaltlich wahrgenommen hat. Schon 2015 hat übrigens TIWAG-Dauerkritiker Markus Wilhelm behauptet, dass Thomas Gasser auf Wunsch Bruno Wallnöfers zu dessen Nachfolger bestellt wurde, ohne überhaupt entsprechende Kompetenzen aufweisen zu können.
Ich bin jedenfalls ein großer Freund von leistungsgerechter Entlohnung. Und so finde ich Politikergehälter teilweise deutlich zu hoch, aber auch in manchen Einzelfällen viel zu niedrig angesetzt. In der Privatwirtschaft hingegen ist die Regel eine einfache: Kann ich mit meinem Tun das finanzielle Ergebnis meines Arbeitgebers verbessern und bin ich für dieses zumindest mitverantwortlich, dann steht mir auch ein ebenso außerordentliches wie erfolgsangepasstes Gehalt zu. Gilt das auch für ein Unternehmen wie die TIWAG?

Die TIWAG hat die Strompreise angehoben und seitdem kaum gesenkt. Konkret erwirtschaftete der Landesenergieversorger vor Corona rund 1 Milliarde Umsatz (plus/minus 20 Prozent), 2022 war es dann nach der Preiserhöhung mehr als doppelt so viel, nämlich 2,5 Milliarden.
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