Letzten Sonntag wurden 46 herausragende Personen aus Nord- und Südtirol mit dem Verdienstkreuz geehrt. Und auch heuer wieder stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien die Auszeichnung überhaupt vergeben wird. Erster Kritikpunkt: Die Politik zeichnet sich hier wohl vor allem selbst aus. Dabei muss man noch nicht mal Altpolitiker sein, um so ein Kreuzerl zu bekommen, und wahnsinnig lange muss man dem Land anscheinend auch nicht gedient haben. Doch auch die Auszeichnungen bei den Normalsterblichen sind manchmal kaum nachvollziehbar.
So hatte man diesmal den Blick auch auf Kunst und Kultur und schmückte die langjährige Veranstalterin der Art-Kunstmesse mit einem Verdienstkreuz. Dass Johanna Penz mit ihrem Event 2019 einen Konkurs von knapp einer Million Euro hinlegte, die Folgegesellschaft 2022 erneut versenkte und jetzt mit einem Limited-Konstrukt mit Sitz in Dublin operiert, spielte bei der Auswahl der Auszuzeichnenden offenbar keine Rolle.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Konkurse können passieren und es muss auch nicht jeder gut gemeinte Versuch ein wirtschaftlicher Erfolg werden, schon gar nicht in Kunst und Kultur.
Aber muss man dafür gleich ausgezeichnet werden?
Und die Gründung einer irischen Limited-Firma, über deren österreichische Zweigniederlassung die Art-Messe seit 2022 betrieben wird, ist jetzt nicht unbedingt als Indiz für besonders ausgeprägten Landespatriotismus zu werten. Dass die Wahl auf die Kunstmesse-Veranstalterin fiel, verstört angesichts solcher Worte allemal: „Es erfüllt uns mit großer Freude, Menschen auszeichnen zu können, die durch ihr Engagement und ihre Leidenschaft das Gemeinwohl fördern. Ihre Verdienste sind ein Vorbild für unsere Gesellschaft und ein starkes Zeichen für Solidarität und Zusammenhalt“, heißt es in der Aussendung.