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KI aus den USA

Die neue Gefahr für Europas Wohlstand

Ähnlich wie Europa einst wertvolle Rohstoffe aus dem fernen Afrika gestohlen hat, müssen wir heute selbst nachempfinden, wie sich die Opferrolle anfühlt.
KI aus den USA

Die neue Gefahr für Europas Wohlstand

Ähnlich wie Europa einst wertvolle Rohstoffe aus dem fernen Afrika gestohlen hat, müssen wir heute selbst nachempfinden, wie sich die Opferrolle anfühlt.

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Nach den großen Erfolgen von „Wir rauben Europa den stationären Handel“ und der Fortsetzung „Wir ziehen europäische Werbegelder nach Amerika ab“ ist aktuell der nächste und wahrscheinlich nicht der letzte Teil der Reihe „modernes Raubrittertum“ in Arbeit. Diesmal heißt es: „Wir ersetzen europäische Arbeitskräfte mit amerikanischen KI-Agenten.“

Ähnlich wie Europa einst wertvolle Rohstoffe aus dem fernen Afrika gestohlen hat, müssen wir heute selbst nachempfinden, wie sich die Opferrolle anfühlt. Amerika plündert nämlich systematisch den Wohlstand des europäischen Kontinents. Die Vorgangsweise ist dabei immer ähnlich. Riesenunternehmen machen sich unersetzbar, ziehen dann die gesamte Wertschöpfung ab und bezahlen im Idealfall manchmal wenig, meist keine Steuern. So geschehen im Handel, der von Amazon dominiert wird. Aktuell erlebbar im Verlagswesen, wo Medienhäusern europaweit die Luft ausgeht. Sie produzieren teuer Inhalte und finden dafür kein Geschäftsmodell. Google, Meta und Co. greifen diese Inhalte kostenlos ab und kassieren dafür die Werbegelder, die früher bei den Verlagen landeten.

Der neueste Angriff wird allerdings tiefgreifender denn je.

 

‍Europa hat es verschlafen, eine wichtige Rolle beim Megathema KI einzunehmen.

Man hat sich wie so oft darauf konzentriert, die neue Technologie zu reglementieren, anstatt sie zu nutzen. Konkrete Produkte und Anwendungen kommen deshalb – wieder einmal – vorwiegend aus Amerika. Nach dem derzeitigen Plan sollen günstige KI-Agents reale Arbeitskräfte ersetzen. Konkretes Beispiel: Anstatt 30.000 Euro für eine Sekretärin im Jahr zu bezahlen, setzen UnternehmerInnen künftig auf einen KI-Agent, der für 10.000 Euro im Jahr den Job besser und effizienter erledigt ­– ganz ohne Urlaub, Krankenstand und natürlich auch in der Nacht und am Wochenende.

Auch komplexere Lösungen werden angeboten. Die Assistenz für Rechtsanwälte gibt es aktuell schon für 15.000 Euro pro Jahr, einen virtuellen Social-Media-Manager sogar günstiger. Die „Gehälter“ für die neuen KI-Agents fließen natürlich nach Amerika.

Was in Europa bleibt, sind viele Arbeitslose, die das Sozialsystem belasten, anstatt in dieses und damit auch ins Pensionssystem einzuzahlen. Unser europäisches Geld ist wieder einmal weg und die Abhängigkeit zu den USA weiter gewachsen. Viele europäische Unternehmen sind ohne amerikanische IT-Lösungen schon heute nahezu handlungsunfähig. Stellen Sie sich Ihre IT ohne Google- und Microsoft-Software oder Amazon-Cloudlösungen vor – die meisten Tools, die Sie für Ihren Arbeitsalltag benötigen, würden nicht mehr funktionieren. Und als ob das nicht reichen würde, werden wir dank der neuen KI-Agents künftig auch noch die Kontrolle über unsere Arbeitskräfte nach Amerika auslagern.

In dieser gar nicht allzu fernen Vision bleibt Europa eine Zukunft als größter Freizeitpark der Welt, ein Kontinent als Museum. Wirtschaftsleistung und Wohlstand sind die Rohstoffe, die man hat plündern lassen. Zurück bleiben Abermillionen europäische Konsumsklaven, die den amerikanischen Wohlstand mit ihrer Armut sichern.

05. Dezember 2025 | AutorIn: Michael Steinlechner | Foto: AI generated

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