Gastkommentar von Thomas Hudovernik
Geschäftsführer und Gastgeber vom Altstadthotel Weißes Kreuz und von Blaue Brigitte
Gleich am Anfang dieses Kommentars darf ich Ihnen einen Rat geben: Wenn Sie in der Stadt etwas verändern wollen, bringen Sie viel Geduld, Zeit und Nerven mit. Dass heute der neue Bozner Platz eröffnet, ist ein Sieg für die Stadt Innsbruck. Und ich empfinde es auch als persönliche Freude. An dem Projekt war ich, durch mein Engagement im Innenstadtverein, von Anfang an beteiligt und habe alle Hochs und Tiefs miterlebt: Bürgerinitiativen, Bürgerbeteiligungen, Ausschreibungen, Wettbewerb, Kostendiskussionen, Umsetzungsmöglichkeiten, Verkehrsplanungen, Verhinderungen, Demonstrationen. Zwischendrin verliert man nicht nur Hoffnung, sondern auch Freunde. Oder man ist enttäuscht, weil Siege in kleingeistigen politischen Spielchen höher geschätzt werden als das Wohl der Stadt.
Bevor hier Fragen auftauchen: Geschäftlich habe ich nichts von all dem. Mir gehört kein Haus am Bozner Platz, ich bin an keiner Gastronomie beteiligt, kein Geschäft trägt meinen Namen. Ich habe aber gesehen, wie die autofreie Maria-Theresien-Straße aufblüht – um die übrigens 30 Jahre lang gekämpft wurde. Auch an der Neugestaltung des Wiltener Platzls war ich nicht ganz unbeteiligt – Was für eine Erfolgsgeschichte! Ich habe aber vor allem auch Negativbeispiele gesehen: Was zum Beispiel passiert, wenn sich für einen Platz niemand wirklich verantwortlich sieht und niemand Engagement zeigt, konnte man in St. Nikolaus/Anpruggen beobachten, das bis heute vor sich hinsiecht. Was passiert, wenn Gehsteige enger gemacht werden, damit Straßenbahnen, also Schwerverkehr, durch eine Straße durchfahren können, konnte man in der Andreas-Hofer-Straße sehen – einst eine der zentralen Einkaufsstraßen der Stadt, mittlerweile ökonomisch nahezu bedeutungslos.
Menschen wollen gepflegte Plätze, Gastgärten, Brunnen, Bänke und möglichst wenig Autos. Alle relevanten Studien, die sich mit Verkehr in Einkaufsstraßen beschäftigen, strafen die Befürworter Lügen: Die Geschäfte, vor denen Autos durchfahren und parken, laufen schlechter als jene ihrer autofreien Konkurrenz. Wer sich für Autos und Verkehr in Einkaufsstraßen einsetzt, setzt sich gleichzeitig gegen das wirtschaftliche Wohl und das Wohlfühlmoment vor Ort ein. Das Leben, und im Kleinen auch ein solches Projekt, ist aber eben kein Wunschkonzert. Wir haben Dialoge und heftige Diskussionen geführt, um den Bozner Platz in dem Glanz erscheinen lassen zu können, in dem er heute erscheint.
Was wir ab heute am Bozner Platz sehen, ist das Ergebnis einer Gemeinschaft: die Kaufleute, die Anrainer, der Zentrumsverein mit Michael Perger, und vor allem die Stadtpolitik, die den Mut hatte, dieses Projekt über die Ziellinie zu bringen.
Wir haben uns bemüht, diesem Platz zu einem neuen Hotspot der Stadt zu machen – für Einheimische und für Gäste. Ich wünsche mir, dass der Bozner Platz lebt. Dass hier Familien sitzen, Freunde sich treffen, Gäste staunen und Einheimische stolz sind. Dass dieser Platz zeigt, was Innsbruck kann, wenn es auch wirklich will.
Und nochmal: Wenn Sie etwas in der Stadt verändern wollen, bringen Sie viel Geduld, Zeit und Nerven mit. Verfolgen Sie aber die richtigen Ziele, dann lohnt es sich, wie jeder sehen wird, der über den Bozner Platz geht.