Laut Eigendefinition kümmert sich die OeNB auf nationaler Ebene um die Sicherung der Finanzmarktstabilität und der Geldversorgung. Die Leitwerte im Hinblick auf die Aufgabenerfüllung lauten „Sicherheit, Stabilität und Vertrauen“.
Nun veröffentlichte der Rechnungshof letzte Woche seinen Prüfbericht zur Nationalbank. Darin ist zu lesen, dass der Wert der Eigenveranlagungen von 27,41 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 24,29 Milliarden Euro im Jahr 2023 gesunken ist. Oder eindeutiger formuliert:
Die OeNB hat in vier Jahren über 3 Milliarden Euro verloren!
Der Großteil davon ging im Jahr 2022 flöten, nämlich 2,27 Milliarden Euro bzw. knapp 10 Prozent des veranlagten Volumens. Mit riskanten Spekulationen? Keineswegs. Mit übermütigen Aktiendeals? Mitnichten. Großteils mit langweiligen, aber eigentlich sicheren Veranlagungsformen? Bingo.
Die Österreichische Nationalbank hat es doch tatsächlich geschafft, mit Staatsanleihen Milliarden zu verlieren. Das geht natürlich nur bei hoher Inflation, steigenden Leitzinsen und … (zu) langer Reaktionszeit. Denn auch das beanstandeten die Rechnungsprüfer: Das IT-System der Nationalbank sei der Anlagestrategie keineswegs gewachsen gewesen. Das allerdings hat sich bis heute nicht geändert. Schon 2024 hätte das System auf aktuellem Stand sein sollen, inzwischen spricht man von Ende des kommenden Jahres.
Die Nationalbank veranlagt also immer noch Milliarden, ohne technisch dafür aufgestellt zu sein. Kein Wunder, dass seit 2022 keine Dividenden mehr an den Bund fließen – ein Zustand, der sich laut OeNB auch in den nächsten Jahren nicht ändern wird. Die negative Vorbildfunktion im Allgemeinen und die Kompetenzlosigkeit im Speziellen sind schwer zu fassen. Die Frage, die sich zwangsläufig stellt: Wenn es nicht einmal der Nationalbank gelingt, zumindest kein Geld am Markt zu verlieren, wem dann?