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Kommentar Moritz Mosenhauer

Wer nicht investiert, verliert – nur langsamer

Kommentar Moritz Mosenhauer

Wer nicht investiert, verliert – nur langsamer

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Sparbuch oder Börse? Für viele Österreicher:innen ist die Antwort klar – und falsch. Wer sein Geld „sicher” parkt, zahlt dafür oft einen hohen Preis: den der Inflation. Moritz Mosenhauser vom MCI Innsbruck erklärt, warum Nichtstun keine neutrale Entscheidung ist, wo der Unterschied zwischen smartem und dummen Risiko liegt – und wann man sich die Frage stellen sollte, warum man eigentlich nicht investiert.​​​​​​​​​​​​​​​​

Ich befürchte Folgendes: Viele Österreicher:innen „investieren“ ihr Geld auf dem Sparbuch nicht weil es für sie individuell das Beste ist, sondern aus Scheu und Passivität. Das ist teuer.

Bei niedrigen Zinsen auf dem Sparbuch und einer Inflation, die hartnäckig darüber liegt (durchschnittlich 3.36% in den letzten 10 Jahren), verliert Ihr Erspartes real Jahr für Jahr an Kaufkraft. Das ist kein Pech – das ist mathematische Gewissheit. Wer also glaubt, mit dem Sparbuch auf Nummer sicher zu gehen, verliert in der Realität häufig: still, langsam, aber stetig.

Wer tatsächlich Realwert erhalten oder sogar steigern will kommt an Risiko nicht vorbei. Und hier ist Vorsicht geboten: Risiko ist nicht gleich Risiko!

Es gibt „smartes“ Risiko: Ein weltweit gestreutes Aktienportfolio, etwa über einen günstigen ETF auf den MSCI World, hat über vergangene Jahrzehnte Rendite oberhalb von 7 Prozent jährlicher Rendite gebracht. Ja, temporär läuft es immer wieder mal schlecht: Ein ganzes Drittel der einzelnen Monate verzeichnete negative Renditen, sodass sich der Reichtum von Investor:innen zeitweise immer wieder schmälert. Aber im Durchschnitt ging es aufwärts. Wer langfristig dabei blieb wurde meist belohnt; wer langfristig genug dabei bleib wurde bis dato immer belohnt.

Und es gibt „dummes“ Risiko: Tageshandel mit Einzelaktien, CFD-Plattformen mit klingenden Namen wie Libertex oder Plus500, Krypto-Zocks auf Telegram-Tipp. Das Urteil der Finanzwissenschaft ist da ziemlich klar: Die weit meisten Tageshandels-Investor:innen verlieren Geld – selbst vor Inflationsbereinigung! Eine Studie aus Taiwan ermittelt diesen Anteil mit 74%. Bei CFD-Anbietern sind es laut gesetzlich vorgeschriebener Eigenauskunft 75 bis 85 Prozent. Das ist kein schlechtes Händchen – das ist ein kaputtes Geschäftsmodell, das von Ignoranz und Selbstüberschätzung lebt.

Lotto für Fortgeschrittene, sozusagen; eine Quizshow, bei der im Schnitt nur eine Gruppe profitiert: die Quizmaster.

Warum machen es die Leute trotzdem? Nervenkitzel. Spielsucht. Die Hoffnung, schlauer zu sein als der Markt. Und weil der Typ im Internet letzte Woche angeblich 40.000 Euro gemacht hat. Für zu viele Menschen bleibt es leider im besten Fall teures Lehrgeld, im schlimmsten Fall ökomische Löcher aus denen man nie wieder herauskommt. 

Und jetzt das Unbequeme.

Wer also dummes Risiko meidet – gut. Aber wer deshalb gar nichts tut und sein Geld auf dem Sparbuch parkt, hat das Prinzip nur halb verstanden. Smartes Risiko einzugehen ist kein Luxus für Banker und Börsenprofis. Es ist eine Frage des Anlagehorizonts, einer gewissen Grundstabilität – und des Mutes, die Schwankungen auszusitzen.

Ja, Krisen kommen. 2008 kam. 2020 kam. Wer damals verkauft hat, hat verloren. Wer stur dablieb, hat gewonnen. Zumindest bis heute war das nur eine Frage von der Dicke des Sitzfleisches.

Also: Warum nicht?

Nicht jeder muss investieren. Wer das Geld bald braucht, wer keine Rücklagen hat, wer nachts nicht schlafen kann, wenn das Portfolio schwankt – für den ist es vielleicht wirklich nichts. Das ist eine legitime Antwort.

Aber wer keine gute Antwort auf „Warum nicht?” hat – der sollte anfangen, eine zu suchen. Und zwar nicht auf dem Sparbuch. 

 

FH-Prof. Moritz Mosenhauer, PhD ist Verhaltensökonom, dessen Hauptforschungsinteressen in den angewandten Bereichen Personal Finance und Organisationsökonomie unter Einsatz experimenteller Methoden liegen. Er spezialisiert sich auf die Auswirkungen psychologischer Verzerrungen und von Glücksspielpräferenzen auf die Anlageentscheidungen privater Haushalte. 

14. Mai 2026 | AutorIn: Moritz Mosenhauer | Foto: MCI / Kasper

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