Freitag, der 13., wird gerne als Unglückstag zelebriert: negatives Schicksal, auf das man keinen Einfluss hat und das man schon gar nicht abwenden kann. So erklärt sich die österreichische Seele auch gerne Unternehmungen, die insolvent werden. Die Konkurseröffnungen häufen sich hierzulande jedenfalls seit längerem massiv und mit ihnen die dazu passenden Beschwichtigungsfloskeln, die stets implizieren, dass alle schuld sind, nur nicht das Unternehmen selbst. Offiziell ist meistens die schlechte Wirtschaftslage konkursauslösend, sehr gerne immer noch die Coronazeit, von der man sich nie so richtig erholen konnte, und allzu oft sind es auch die unwirtlichen Rahmenbedingungen im Land.
In Wirklichkeit sind die meisten Konkurse aber einfach auf unternehmerische Fehler zurückzuführen.
Das wollen die Betroffenen natürlich selten wahrhaben und noch seltener eingestehen. Doch dafür sind Konkurse eigentlich gedacht. Nicht jede Geschäftsidee kann erfolgreich sein oder für immer erfolgreich bleiben. Scheitern gehört zum Unternehmertum dazu und auch nicht jeder Unternehmer ist ein guter Unternehmer. Es gibt kein Anrecht auf Erfolg, und das ist auch gut so. Und so unangenehm ein Konkurs im einzelnen Fall auch immer sein mag, so darf man doch aus der Reaktion der Betroffenen einiges ableiten. Diese Woche zum Beispiel schaffte es das Tiroler Transportunternehmen Nothegger in die Schlagzeilen. Bankschulden von über 9 Millionen Euro, Lieferantenverbindlichkeiten in unbekannter Höhe, Schulden beim Finanzamt von knapp 2 Millionen Euro und ein Krankenkassen-Außenstand von über 3 Millionen Euro, der letztendlich den Insolvenzantrag auslöste.
Oberflächlich betrachtet, lassen diese Zahlen darauf schließen, dass die Nothegger Transport und Logistik GmbH nicht gerade auf dem Weg zum Einhorn ist. Seniorchef Karl Nothegger hingegen rückte diese Woche medial aus und bezeichnete die Insolvenz als „absurd“, sieht die Schuld bei der Krankenkasse und arbeitet nach eigener Aussage bereits an einer Fortführung des Unternehmens. Mehr als 14 Millionen Euro Passiva eine Kleinigkeit? Die Krankenkasse reagiert mal wieder über? Eigentlich ist alles gut? Schön, wenn dem so ist. Doch ein bisschen Demut hat noch keinem geschadet, und wenn Selbsterkenntnis tatsächlich der erste Schritt zur Besserung ist, dürfte der Weg für Nothegger lang und beschwerlich werden.
Ein Konkurs ist ein notwendiges Mittel zum Zweck. Unternehmer, die scheitern, sollen dennoch die Möglichkeit bekommen, danach wieder auf die Beine zu kommen. Viel kann man von Amerika dieser Tage nicht lernen, dies aber schon: Ein amerikanischer Unternehmer, der noch nie gescheitert ist, gilt dort nicht wirklich als erfolgreich. Diese Kultur des Scheiterns würde uns hierzulande mehr als guttun und vielleicht dazu führen, dass Unternehmer nicht gebrandmarkt werden, wenn sie mit einer Unternehmung nicht erfolgreich waren. Und das würde dann in der Folge dazu führen, dass sie auch mal selbst schuld sein können, wenn ihr Projekt scheitert.