Das geplante EU-Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten könnte Österreichs Industrie zusätzlichen Schub geben. Laut einer Analyse der UniCredit Bank Austria würden auch in Tirol neue Arbeitsplätze entstehen – wenn auch in geringerem Umfang als in den klassischen Industrieregionen.
Die Europäische Kommission hat Anfang September den Ratifizierungsprozess für das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Ländern eingeleitet. Es umfasst Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und seit 2024 auch Bolivien. Geplant ist, die meisten Zölle und Handelsbarrieren abzuschaffen. Die Bank Austria-Ökonomen sehen darin eine Chance, Österreichs Industrie international wettbewerbsfähiger zu machen.
Noch kleiner Markt für Österreich
Der Handel mit den Mercosur-Staaten ist für Österreich bisher überschaubar. 2024 machten die Exporte dorthin 1,3 Milliarden Euro aus – nur 0,7 Prozent der gesamten Ausfuhren. Wichtigste Güter waren Maschinen, Pharma-Produkte und Getränke. Besonders stark vertreten sind Oberösterreich und die Steiermark, Salzburg profitiert von Getränken, Wien von Medikamenten.
Zollabbau als Impuls
Der durchschnittliche Zollsatz auf österreichische Exporte nach Südamerika lag 2024 bei rund zehn Prozent, was Kosten von etwa 130 Millionen Euro verursachte. Laut UniCredit Bank Austria würden nach Inkrafttreten des Abkommens mehr als 90 Prozent der Zölle wegfallen. Am meisten profitieren könnten Fahrzeugbau, Maschinenbau und Getränkeindustrie.
Zusätzliche Wertschöpfung möglich
Schon heute hängen in Österreich rund 5.000 Industrie-Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von 700 Millionen Euro direkt oder indirekt mit den Mercosur-Exporten zusammen. Die Europäische Kommission rechnet mit einem Anstieg der EU-Ausfuhren nach Südamerika um bis zu 40 Prozent. Übertragen auf Österreich entspräche das einem Plus von rund 300 Millionen Euro Wertschöpfung und etwa 2.000 zusätzlichen Industriearbeitsplätzen.
Tirol im Vergleich
Die größten Effekte werden für Oberösterreich, die Steiermark und Salzburg erwartet. Aber auch Tirol würde profitieren: Laut Analyse der UniCredit Bank Austria könnte das Abkommen hier rund 25 Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung bringen und etwa 150 neue Arbeitsplätze in der Industrie schaffen. Damit liegt Tirol zwar hinter den klassischen Industrieregionen, doch gerade exportorientierte Betriebe im Maschinenbau und bei Zulieferern könnten Vorteile nutzen.
Herausforderung für Landwirtschaft
Während die Industrie vom Abkommen profitieren könnte, sieht die Landwirtschaft Risiken. Besonders bei Rindfleisch droht stärkere Konkurrenz durch Importe aus Südamerika. Laut den Ökonomen bleibt der Mercosur-Markt trotz der Chancen allerdings deutlich kleiner als andere Absatzmärkte – seine Wirtschaftskraft liegt nur bei etwa zehn Prozent jener der USA.