Frauen verdienen in Österreich weiterhin weniger als Männer – der heutige Equal Pay Day macht diese Lücke sichtbar. Zwar schrumpft das Lohngefälle langsam, doch von echter Einkommensgleichheit ist man noch weit entfernt.
Heute ist Equal Pay Day in Österreich – bis zu diesem Datum haben Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen rechnerisch „gratis“ gearbeitet. Denn die teilzeitbereinigte Einkommenslücke liegt laut aktueller Statistik bei 11,6 Prozent, was umgerechnet rund 42 Arbeitstagen entspricht.
Noch deutlicher zeigt sich das Gefälle in Tirol. Hier liegt der Unterschied bei 15,8 Prozent, wodurch sich der Stichtag für Tirolerinnen weiter nach hinten verschiebt: Sie verdienen statistisch gesehen erst ab dem 27. Feber gleich viel wie ihre männlichen Kollegen.
Zwei Tage früher als im Vorjahr
Obwohl die Einkommenslücke weiterhin besteht, zeigt der Trend zumindest leicht nach unten: Der Gender Pay Gap in Österreich ist um 0,6 Prozentpunkte gesunken – der Equal Pay Day rückt damit um zwei Tage nach vorne. Zum Vergleich: 2009 fiel der Tag noch auf den 16. April und ist seither Schritt für Schritt früher ausgefallen. „Wenn sich nichts ändert, erreichen wir vollständige Lohngleichheit erst 2043“, warnt das Netzwerk Business & Professional Women Austria (BPW Austria), das die Berechnung jährlich auf Basis des Einkommensberichts der Statistik Austria erstellt.

Die Lücke startet früh
Der Gender Pay Gap entsteht dabei nicht erst im späteren Berufsverlauf. Schon bei Lehrlingen zeigt sich ein Unterschied: Weibliche Auszubildende verdienen im Schnitt 7,8 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Diese Differenzen setzen sich im Laufe der Karriere fort – mit langfristigen Konsequenzen. So beträgt die Pensionslücke im Alter rund 36 Prozent.
Warum der Gender Pay Gap hartnäckig bleibt
Dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, hat nicht die eine Ursache – vielmehr ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die sich über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg verstärken. Hier sind drei zentrale Gründe:
- Branchenstruktur:
„Ein zentraler Grund ist die unterschiedliche Bezahlung von Branchen“, sagt Heike Welte, Leiterin des Masterstudiengangs Gender, Kultur und sozialer Wandel an der Universität Innsbruck. Tätigkeiten mit hohem Frauenanteil – etwa Pflege, Sozialarbeit oder pädagogische Berufe – sind traditionell schlechter entlohnt als männerdominierte Bereiche wie Technik, Industrie oder Naturwissenschaften.
- Beschäftigungsumfang:
Hinzu kommt der Beschäftigungsumfang. Frauen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit, meist aufgrund von Betreuungsarbeit oder familiären Verpflichtungen. Das reduziert nicht nur das direkte Einkommen, sondern hat auch indirekte Folgen: Wer weniger Stunden arbeitet, wird seltener in strategisch relevante Projekte eingebunden, sammelt weniger Führungserfahrung und hat geringere Aufstiegsmöglichkeiten – mit entsprechenden Folgen für das Gehalt.
- Geschlechterdiskriminierung:
Doch selbst dort, wo Rahmenbedingungen vergleichbar sind, bleibt ein Teil der Lücke bestehen. „Ein wichtiger und oft unterschätzter Aspekt ist die direkte Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, die durch tief verwurzelte Vorurteile und Stereotype verstärkt wird“, betont Welte. Frauen hätten häufig erschwerten Zugang zu Netzwerken oder würden bei Sonderzahlungen benachteiligt. „Studien zeigen zudem, dass Männer selbst bei gleicher Position und Qualifikation oft höhere Gehälter erzielen.“
Übrigens: Österreich hat nach Estland den zweithöchsten Gender Pay Gap in der EU und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt. Hier erfahren Sie, welche Ursachen dahinterstecken und welche Länder als Vorreiter gelten.