Von Scheinfirmen über Scheinrechnungen bis hin zu Lohndumping – die Betrugslandschaft in Österreich wächst rasant. Für die öffentliche Hand bedeutet das jährlich enorme finanzielle Verluste. Nun will die Politik härter durchgreifen.
Eine Rechnung und eine Zahlung für eine Leistung, die nie erbracht wurde. Ein Firmensitz ohne Inventar oder Struktur. Schwarz bezahlte Löhne und Sozialbetrug. Die Methoden der organisierten Betrügereien sind vielfältig. Das Ziel ist jedoch stets dasselbe: Steuern sparen und Abgaben umgehen.
„Scheinunternehmen sind grundsätzlich in ganz Österreich ein Thema, da die Scheinrechnungen dieser Betrugsvehikel in Unternehmensbuchhaltungen in allen Bundesländern auftauchen, auch wenn in jeweiligen Bundesland wenige Scheinunternehmen ihren Sitz haben“, heißt es aus dem Bundesministerium für Finanzen (Amt für Betrugsbekämpfung – ABB).
Unter falscher Flagge
Zur Einordnung: 2024 deckte die Finanzpolizei 195 Scheinfirmen auf, 2025 waren es bereits 411 an der Zahl. Der dadurch entstandene Schaden beläuft sich auf rund 500 Millionen Euro. In Tirol zieht diese Entwicklung bislang jedoch keine weiten Kreise. So waren laut Finanzministerium in den letzten Jahren sechs Scheinunternehmen direkt in Tirol ansässig. Rund 90 Prozent aller derartigen Firmen würden derzeit in Wien identifiziert, ihre Rechnungen seien aber auch in Tirol zu finden. „Traditionell sind vor allem das Bau- und Baunebengewerk betroffen, daneben aber auch Reinigung, Security und diverse sonstige Dienstleistungen wie beispielsweise Verpackung.“
Die zentralen Fragen lauten: Wie gelangen Gewerbetreibende an solche Scheinfirmen – und wer sorgt dafür, dass dieses System attraktiv bleibt? Häufig sitzen die Drahtzieher im Ausland und verschleiern ihre Aktivitäten über zahlreiche Zwischenpersonen. Viele Scheinfirmen sind lediglich an Privatadressen registriert. Zudem sind inzwischen auch Büroanbieter bekannt, die UnternehmerInnen entsprechende Geschäftsadressen oder Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.
Scheinfirmen im Visier
Die Politik will nun entschlossener gegen organisierte Betrugsstrukturen vorgehen. Gesetze sollen verschärft, Strafen erhöht und Haftungen ausgeweitet werden. Damit jedoch nicht nur kleine BetrügerInnen ins Visier geraten, sondern auch die „großen Fische“ geschnappt werden, sind gezielte Strategien nötig. Das erweiterte Betrugsbekämpfungspaket 2026 bringt dafür mehrere Änderungen: Im Bauwesen wird die Auftraggeberhaftung ausgeweitet, bei vermieteten Luxusimmobilien soll der Vorsteuerabzug entfallen und für AnbieterInnen von Dienstleistungen im Kryptobereich gelten künftig strengere Meldepflichten.
„Konkret wurden mit der Möglichkeit Konten bei Banken von Scheinunternehmen einzufrieren und mit der ab 2026 hinzugetretenen Haftungserweiterung im Baubereich – die Haftungssumme bei Arbeitskräfteüberlassung ist von 25 Prozent auf 40 Prozent gestiegen – bereits wirksame Maßnahmen gesetzt“, so das Bundesministerium für Finanzen. Betrugsbekämpfung müsse aber hinsichtlich der Maßnahmensetzung stets dynamisch auf die aktuellen Betrugsformen reagieren und werde daher auch zukünftig legistische Änderungen erfordern. „Große Erwartungen liegen hier naturgemäß in der steigenden Digitalisierung der Daten insbesondere bei Arbeitszeit und Sozialversicherungsmeldungen und der damit gewonnenen Transparenz für die Behörden.“
