Skip to main content

Alles auf Schiene

Aktuelle Mobilitätserhebungen zeigen, dass die Innsbrucker:innen 80 Prozent der Wege in der Stadt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit den Öffis erledigen

Alles auf Schiene

Aktuelle Mobilitätserhebungen zeigen, dass die Innsbrucker:innen 80 Prozent der Wege in der Stadt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit den Öffis erledigen

Artikel teilen

Die roten Busse und Straßenbahnen der IVB sind aus dem Innsbrucker Stadtbild nicht wegzudenken. 6020 hat mit den Verkehrsexperten Markus Mailer und Christoph Schaaffkamp über die Entwicklungen der letzten Jahre und die Zukunft des öffentlichen Verkehrs in Innsbruck gesprochen.

Wer in Innsbruck lebt, arbeitet, studiert oder auch nur als Besucher:in Zeit verbringt, begegnet fast überall den Fahrzeugen der Innsbrucker Verkehrsbetriebe. Im Vergleich zu vielen anderen städtischen Verkehrsbetrieben sind die IVB sehr sichtbar in der Stadt – und sie werden auch konstant positiv wahrgenommen, wie die Ergebnisse des ÖPNVKund:innenbarometers belegen. Die Befragung erhebt die Zufriedenheit der Kund:innen verschiedener Verkehrsbetriebe im deutschsprachigen Raum und zeigt, dass die IVB im Vergleich mit anderen Öffi-Betrieben ganz vorne mitmischen: 2022 landeten sie in 20 von 40 Kategorien auf Platz 1, unter anderem in den Bereichen Anschlüsse, Sauberkeit, Sicherheit und Komfort.

BLICK ZURÜCK.

Vor 25 Jahren sah die Situation komplett anders aus, berichtet Christoph Schaaffkamp. Der Geschäftsführer der Beratungsfirma KCW begleitet seit 1998 die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in Innsbruck. „Als ich das erste Mal hier war, war das ein heruntergefahrenes, abgerocktes System. Das das Netz war nicht optimal, der Fuhrpark war nicht mehr ganz frisch, auch die Nachfrage war nicht besonders hoch", erinnert er sich. Die Stadt habe aber den Handlungsbedarf erkannt und die IVB ab 1997 komplett umstrukturiert, womit der Grundstein für die positive Entwicklung gelegt wurde. Möglich sei das nur gewesen, weil es einen klaren politischen Willen gab: „Die Stadt hatte klare Ziele und die Ambition, etwas aus dem Stadtverkehr zu machen. Es hat für alle wesentlichen Entscheidungen sehr große Mehrheiten im Gemeinderat gegeben, und es gab auch die Bereitschaft, sich finanziell zu beteiligen.“ Seit 1998 gibt es einen ÖPNV-Vertrag mit der Stadt, in dem genau vereinbart ist, was von den IVB erwartet und wofür bezahlt wird. Diese Regelungen und die klare Rollen- und Kompetenzverteilung ermögliche es der Politik, die grundsätzliche Richtung der Entwicklung vorzugeben, während die IVB bei den Details Spielraum haben, Dinge auszuprobieren und eigene Entscheidungen zu treffen.

BLICK NACH VORNE.

Der Innsbrucker Verkehrsforscher Markus Mailer betrachtet die IVB von einer etwas anderen Seite: Bei ihm geht es vor allem um die Rolle, die öffentliche Verkehrsmittel für die Zukunft spielen. „Der Verkehrsbereich hat eine enorme Bedeutung, sowohl was den Energieverbrauch, das Klima als auch soziale Aspekte betrifft“, erklärt er. Daraus würden sich einige konkrete Aufgaben wie die Dekarbonisierung und die Stärkung nachhaltiger Mobilitätsformen ergeben. „Wir würden das technisch als Verkehrsverlagerung bezeichnen, in Wahrheit ist es aber eine Verhaltensänderung von ganz vielen Personen“, so Mailer.

Die Schwierigkeit hierbei sei, dass Menschen ihr Verhalten selbst dann ungern verändern, wenn sie sich aktuell unwohl fühlen, es könnte ja noch schlimmer werden. „Wir wissen, dass eine Option oft doppelt so gut klingen muss wie die aktuell gewählte, damit man bereit ist, eine bestehende Routine zu verlassen.“ Bei Öffis könne das nur passieren, wenn das Angebot passt und einfach nutzbar ist, was bei den IVB laut Ergebnissen des Kund:innenbarometers bereits gegeben sei. „Das ist total motivierend, weil man sieht, man ist auf dem richtigen Weg und hat eine sehr, sehr gute Basis für die Zukunft.“

MUT FÜR DIE ZUKUNFT.

Aktuelle Mobilitätserhebungen zeigen, dass die Innsbrucker:innen 80 Prozent der Wege in der Stadt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit den Öffis erledigen. Letztere hätten einen Anteil von rund 20 Prozent. Um den Autoverkehr zu verringern und die Klimaziele zu erreichen, müsse das Ziel aber sein, diesen Anteil auf 25 Prozent anzuheben – und zwar ohne den Anteil von zu Fuß gehen und Radfahren zu reduzieren. „Das wird nur gelingen, wenn weiter in das System investiert wird, damit man diese hohe Zufriedenheit, die jetzt da ist – also die Leistungsparameter, das Angebot, die Pünktlichkeit, die Qualität, also all die Dinge, die letztendlich die Kund:innen binden –, erhalten und steigenden Ansprüchen gerecht werden kann“, sagt Mailer. Gleichzeitig sei es notwendig, dem öffentlichen Verkehr, Radfahrer:innen und Fußgänger:innen mehr Straßenraum zu geben, um den Verhaltenswandel attraktiver zu machen. „Die Politik muss ein Bewusstsein in der Bevölkerung dafür schaffen, dass es das braucht, und dann auch Maßnahmen setzen, die vielleicht im ersten Schritt von manchen als negativ gesehen werden“, betont er. „Wenn man eine gute Grundlage für die nächsten Generationen hinterlassen will, muss man mutig sein und den Weg, den man in den letzten 25 Jahren eingeschlagen hat, konsequent weitergehen.“

Das ÖPNVKundInnenbarometer

Seit 2011 nehmen die IVB als einziger Verkehrsbetrieb Österreichs regelmäßig an der vom Marktforschungsunternehmen Kantar durchgeführten Befragung teil und stellen sich in 40 Kategorien – von Sauberkeit und Sicherheit bis hin zu Pünktlichkeit und Image – dem Vergleich
mit Verkehrsbetrieben aus Deutschland und der Schweiz.

Zu den Personen

  • Christoph Schaaffkamp ist der Geschäftsführer der international tätigen Beratungsfirma KCW und begleitet als externer Berater seit 25 Jahren die Entwicklung des ÖPNV (Öffentlicher Personen- und Nahverkehr) in Innsbruck.
  • Markus Mailer beschäftigt sich als Leiter des Arbeitsbereiches Intelligente
    Verkehrssysteme der Universität Innsbruck unter anderem mit den Themen Verkehrsplanung, Mobilitätsverhalten und öffentlicher Verkehr.

  • Christoph-Schaaffkamp

    Christoph Schaaffkamp, Verkehrsexperte

  • Markus-Mailer

    Markus Mailer, Universität Innsbruck

12. Juli 2023 | AutorIn: Lisa Schwarzenauer | Foto: IVB

top.tirol Newsletter

Wir informieren Sie kostenlos und wöchentlich über Tirols Wirtschaftsgeschehen