Am 5. März findet das New Work Forum statt. top.tirol hat sich mit den Speakern im Vorfeld getroffen und die wichtigsten Themen angeschnitten. Heute: Robert Woods, Leiter der Hauptgeschäftsstelle Kufstein der Volksbank Tirol AG im Interview.
Herr Woods, was bedeutet „New Work“ ganz konkret für die Volksbank Kufstein – jenseits von Schlagworten?
New Work ist für uns keine Modeerscheinung und kein Buzzword-Bingo. Es ist eine Haltung. Es bedeutet, Arbeit neu zu denken. Nicht um Hierarchien abzuschaffen, sondern um Verantwortung zu stärken. Es ist ein neues Arbeitssystem, das Sinn, Selbstständigkeit und Flexibilität ermöglicht.
Flexibilität ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug: flexible Arbeitszeiten, flexible Arbeitsorte, fachliche Entwicklungsmöglichkeiten. Mobil, digital und anpassungsfähig, aber immer mit klarem Rahmen. New Work heißt für uns: aus alten Mustern ausbrechen, ohne unsere Identität zu verlieren. Modern denken, mit Substanz.
„New Work ist ein neues Arbeitssystem, das Sinn, Selbstständigkeit und Flexibilität ermöglicht."
Robert Woods, Leiter der Hauptgeschäftsstelle Kufstein der Volksbank Tirol AG
Wie verändert New Work eine klassische Bankorganisation, die stark auf Vertrauen, Struktur und Regulierung aufgebaut ist?
Eine Bank lebt von Vertrauen, Struktur und Klarheit. New Work ersetzt das nicht. Es fordert es heraus.
Flexible Arbeitsmodelle, Home Office oder Desk Sharing sind heute selbstverständlich. Digitalisierung schafft Möglichkeiten. Aber entscheidend ist etwas anderes: Vertrauen wird aktiver gelebt. Mitarbeiter übernehmen mehr Eigenverantwortung. Sie arbeiten selbstständiger, sinnorientierter. Und genau hier wird Führung anspruchsvoller.
Die regulatorischen Anforderungen bleiben selbstverständlich bestehen, insbesondere in Bezug auf Nachverfolgbarkeit, lückenlose Dokumentation und den Schutz sensibler Daten und bilden weiterhin das stabile Fundament unseres Handelns. Aber moderne Prozesse machen uns transparenter und oft sogar besser strukturiert als früher.
New Work in einer Bank heißt nicht weniger Struktur, sondern bewusster eingesetzte Struktur.
Ist New Work im ländlichen Raum wie Tirol anders zu denken als in Metropolen?
Ja, teilweise. Im ländlichen Raum sind Beziehungen persönlicher. Man kennt sich. Führung basiert stärker auf Vertrauen und weniger auf Anonymität. Veränderung kann dadurch leichter, aber auch sensibler sein. Gleichzeitig ist der Zusammenhalt oft größer. Kleinere Einheiten bedeuten mehr Gemeinschaft. New Work in Tirol ist nicht weniger modern, aber vielleicht menschlicher verankert.
Wie verändert New Work Ihre Rolle als Führungskraft?
Meine Rolle hat sich klar verändert. Von der klassischen Führungskraft hin zum Sparringpartner. Zum Coach. Zum Rahmengeber. Wir müssen Freiraum geben, Eigenverantwortung zulassen und gleichzeitig Orientierung bieten. Und vor allem: zuhören können. Führung heute bedeutet Balance, Präsenz zeigen, wenn es notwendig ist, und bewusst Raum geben, wenn andere wachsen sollen. Leadership ist kein Kontrollinstrument. Es ist ein Verantwortungssystem.
„Leadership ist kein Kontrollinstrument. Es ist ein Verantwortungssystem.”
Robert Woods
Gibt es Prozesse, bei denen Sie bewusst sagen: „Hier bleiben wir analog“?
Ja. Und das ist mir wichtig. Der persönliche Kundenkontakt ist durch nichts zu ersetzen. Wir arbeiten mit Menschen nicht mit Datensätzen. Viele Anliegen wollen im direkten Gespräch geklärt werden. Dieses „Menscheln“, wie man in Tirol sagt, ist Teil unserer Identität. Digitalisierung unterstützt uns. Aber sie ersetzt nicht die Beziehung.
Banken unterliegen strengen regulatorischen Vorgaben. Wo stößt New Work hier an Grenzen?
Grenzen gibt es und das ist auch richtig so. Remote Work muss mit Datenschutz vereinbar sein. Prozesse müssen dokumentiert und nachvollziehbar bleiben. Flexible Gestaltung ist möglich, aber nicht grenzenlos. New Work bedeutet nicht Regelbruch. Es bedeutet, innerhalb klarer Leitplanken intelligent zu handeln.
Wie fördern Sie Innovation in einer Organisation, die stark sicherheitsorientiert ist?
Innovation entsteht nicht durch Chaos, sondern durch Vertrauen. Wir haben ein starkes Talenteprogramm, in dem junge Potenziale ihre Ideen einbringen können. Es gibt regelmäßige Formate, in denen Mitarbeiter Vorschläge platzieren und Prozesse optimieren können. Sicherheit und Innovation schließen sich nicht aus. Sicherheit gibt Stabilität, Innovation gibt Zukunft.
„Sicherheit gibt Stabilität, Innovation gibt Zukunft.”
Robert Woods
Wird Arbeit heute anders gemessen als früher?
Leistung zählt nach wie vor. Produktivität bleibt wichtig. Der Unterschied ist: Heute definieren wir Ziele stärker gemeinsam. Wir suchen mit dem Mitarbeiter Wege, diese Ziele zu erreichen. Es geht nicht mehr nur um Kontrolle, sondern um Verantwortung und Ergebnisorientierung. Erfolg misst sich nicht an Präsenz, sondern an Wirkung.
Was haben Sie persönlich durch den Wandel gelernt?
Der Wandel hat mir vor allem eines gezeigt: Anpassungsfähigkeit ist keine Schwäche, sondern eine Kernkompetenz von Führung. Wir leben in einer Zeit, in der Geschwindigkeit, Unsicherheit und Komplexität zunehmen. Als Führungskraft kann man nicht alles kontrollieren, aber man kann entscheiden, wie man damit umgeht. Ich habe gelernt, mich auf das zu konzentrieren, was beeinflussbar ist, und den Rest nicht zur Ausrede werden zu lassen. Veränderung verlangt Mut. Mut, Entscheidungen zu treffen, auch wenn nicht alle Informationen vorliegen. Mut, Verantwortung zu übernehmen, wenn es unbequem wird. Und vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Führung bedeutet nicht, der Klügste im Raum zu sein. Führung bedeutet, andere so stark zu machen, dass sie ihr Potenzial entfalten können. Am Ende geht es nicht um Titel oder Positionen, es geht darum, Wirkung zu hinterlassen, Orientierung zu geben und Menschen in ihrer persönlichen und fachlichen Reife wachsen zu sehen.