Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Summitwave.
Wer in einer Kirche, einem Hörsaal oder einem Veranstaltungsraum sitzt, versteht trotz Lautsprecheranlage nicht automatisch jedes Wort. Besonders für Menschen mit Hörbeeinträchtigung können Hall, Entfernung oder Hintergrundgeräusche zum Problem werden. Das Start-up Summitwave will hier ansetzen: Mit Lösungen auf Basis der Bluetooth-Auracast-Technologie sollen Audiosignale direkt an kompatible Hörgeräte, Kopfhörer oder spezielle Empfänger übertragen werden.
Gegründet wurde Summitwave im Februar von Patrick Strübin und Malte Heuer. Strübin ist CEO und technischer Kopf des Unternehmens. Er bringt Erfahrung aus der Entwicklung von Cochlea-Implantaten ein und verantwortet die technische Umsetzung. Heuer war zuvor Projektleiter im MedTech-Bereich und kümmert sich heute um Außenauftritt und Marktaufbau.

Patrick Strübin ist CEO und technischer Kopf von Summitwave.

Malte Heuer ist Mitgründer von Summitwave und für Außenauftritt und Marktaufbau zuständig.
Warum ist gutes Hören in öffentlichen Räumen oft schwierig?
Gutes Hören in öffentlichen Räumen ist oft schwierig, weil Lautsprecher allein nicht jedes Verständnisproblem lösen. In vielen Gebäuden gibt es zwar Mikrofone und Beschallungsanlagen, doch der Ton kommt nicht immer klar bei jenen Menschen an, die besonders darauf angewiesen sind.
„Viele Räume sind bereits mit Lautsprechern ausgestattet, trotzdem verstehen Menschen mit Hörbeeinträchtigung oft nicht alles. Genau diese Lücke möchten wir schließen: Sprache soll dort ankommen, wo sie gebraucht wird – direkt am Ohr“, sagt Summitwave.
Die Zielgruppe ist breit: Kirchen, Universitäten, Theater, Konferenzräume und öffentliche Einrichtungen zählen zu jenen Orten, an denen Sprache eine zentrale Rolle spielt. Gerade dort entscheidet Verständlichkeit darüber, ob Menschen einer Veranstaltung folgen können oder nicht. Barrierefreiheit betrifft in diesem Fall nicht nur bauliche Zugänge, sondern auch die Frage, ob Informationen akustisch erreichbar sind.
Ein Beispiel aus dem praktischen Einsatz liefert Maria, Kuratorin der Christuskirche. Sie beschreibt den Unterschied nach einer Installation so: „Bevor Auracast bei uns in der Kirche installiert war, habe ich oft etwa jedes fünfte Wort nicht verstanden. Jetzt kann ich mich zurücklehnen, es ist, als würde mir jemand direkt ins Ohr flüstern.“

Maria, Kuratorin der Christuskirche, hat das Auracast-System von Summitwave im praktischen Einsatz getestet.
Wie bringt Summitwave Sprache direkt ans Ohr?
Summitwave bringt Sprache direkt ans Ohr, indem Audiosignale über Auracast übertragen werden. Die Technologie ist Teil des Bluetooth-Standards und ermöglicht es, Ton an mehrere kompatible Geräte gleichzeitig zu senden. Das können Hörgeräte, Kopfhörer oder eigene Empfänger sein.
Das Start-up entwickelt dafür ein eigenes Sender- und Empfängersystem. Der Sender nimmt das Audiosignal einer bestehenden Anlage auf und überträgt es weiter. NutzerInnen können sich mit einem passenden Gerät verbinden und den Ton direkt empfangen. Für Räume, in denen bisher klassische Lautsprecher im Einsatz sind, kann das eine zusätzliche Ebene der Barrierefreiheit schaffen.
Summitwave hat bereits erste Prototypen aufgebaut und in realen Anwendungssituationen getestet. Dazu zählen Pilotinstallationen in Kirchen, Veranstaltungsräumen und öffentlichen Einrichtungen. Erste Systeme wurden verkauft, Rückmeldungen aus dem praktischen Einsatz fließen nach Angaben des Unternehmens in die Weiterentwicklung ein.
Neben Anwendungen für Menschen mit Hörbeeinträchtigung sieht Summitwave weitere Einsatzfelder. Bei mehrsprachigen Veranstaltungen könnten unterschiedliche Audiokanäle übertragen werden. Auch Audioführungen oder sogenannte stille Konferenzen, bei denen Ton individuell über Kopfhörer gehört wird, sind denkbar. Entscheidend wird sein, ob die Bedienung im Alltag einfach genug ist und ob Veranstaltungsorte bereit sind, bestehende Technik entsprechend zu ergänzen.

Die Box Summitwave TX überträgt Audiosignale an kompatible Hörgeräte, Kopfhörer oder Empfänger.
Was kommt als Nächstes für Summitwave?
Als Nächstes will Summitwave die Technik in Richtung professioneller Installation, Mehrkanalbetrieb und einfache Bedienbarkeit weiterentwickeln. Parallel arbeitet das Start-up am Aufbau von Partnerschaften mit Integratoren und möglichen Anwenderorganisationen.
Zu den bisherigen Meilensteinen zählen die Entwicklung eines eigenen Auracast-basierten Sender- und Empfängersystems, Tests in realen Anwendungssituationen, mehrere Pilotinstallationen sowie erste verkaufte Systeme. Außerdem war Summitwave bei regionalen Innovations- und Netzwerkveranstaltungen vertreten.
„Auracast kann in den nächsten Jahren zu einem neuen Standard für barrierefreies Hören werden. Wir möchten dazu beitragen, dass diese Technologie frühzeitig in öffentlichen Räumen ankommt und dort echten Nutzen stiftet“, sagt das Unternehmen.
Ob sich Auracast rasch durchsetzt, wird nicht nur von der Technik abhängen. Wichtig sind auch kompatible Endgeräte, verständliche Bedienung, Kosten für BetreiberInnen und die Frage, wie gut sich die Systeme in bestehende Infrastruktur einfügen. Summitwave setzt darauf, früh praktische Erfahrungen zu sammeln und die Lösung gemeinsam mit AnwenderInnen weiterzuentwickeln.
Maria testet das Auracast-System von Summitwave mit Hörgerät und Smartphone in der Kirche.