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Kampf um den Wohlstand

Bürokratie war gestern – Europas wahres Problem heißt China

Kampf um den Wohlstand

Bürokratie war gestern – Europas wahres Problem heißt China

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Während hierzulande noch über Lohnnebenkosten und Bürokratie debattiert wird, rollt längst eine viel größere Herausforderung auf Europa zu: Chinas wirtschaftliche Expansion. Die Volksrepublik dominiert immer mehr Schlüsselindustrien – von Autos bis zu erneuerbaren Energien – und verdrängt europäische Unternehmen zunehmend vom Weltmarkt.

Allein im Zeitraum bis November 2025 erzielte China einen Exportüberschuss von über einer Billion US-Dollar – ein neuer Rekord. Getrieben wird das Wachstum insbesondere durch die Automobilindustrie: Noch vor wenigen Jahren kaum auf dem Weltmarkt präsent, ist China heute der größte Autoexporteur weltweit. Für 2025 wird mit bis zu sieben Millionen exportierten Fahrzeugen gerechnet – jeder achte Neuwagen weltweit stammt inzwischen aus China.

Doch es geht nicht nur um Autos. Auch bei Solarpaneelen, Windturbinen und Batteriespeichern hat China die globale Vorherrschaft übernommen. Laut dem Analysehaus Wood Mackenzie stammen rund 80 Prozent der weltweiten Exporte in diesen Bereichen aus der Volksrepublik.

Verlagerung der Handelsströme – Europa als neuer Hauptabnehmer

Die Zollpolitik der USA unter Donald Trump hat das Kräfteverhältnis verschoben. Während die Exporte Chinas in die USA um 17 Prozent zurückgingen, stiegen sie in die EU um sieben Prozent. Europa wird zum neuen Hauptziel chinesischer Exporte – und muss nun auf eine Entwicklung reagieren, die bereits als zweiter „China-Schock“ beschrieben wird.

Beim ersten, ausgelöst durch Chinas WTO-Beitritt 2001, traf es vor allem die USA. Jetzt stehen Europas Industrieunternehmen unter Druck – insbesondere in exportstarken Ländern wie Österreich. Die Oesterreichische Nationalbank warnt: Ein Viertel der heimischen Exporte steht in direkter Konkurrenz zu chinesischen Produkten, besonders betroffen ist der Maschinenbau.

China emanzipiert sich wirtschaftlich von Europa

Gleichzeitig verliert Europa an Bedeutung für China. Der Marktanteil deutscher Autohersteller in der Volksrepublik schrumpfte in fünf Jahren von 27 auf 17 Prozent. VW etwa verkauft heute 1,3 Millionen Fahrzeuge weniger in China als noch 2019 – ein Rückgang, der maßgeblich zur Krise der deutschen Autobranche beiträgt. Umweltregulierungen der EU spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas ist noch lange nicht beendet. Angesichts interner Probleme wie der Immobilienkrise und schwachem US-Geschäft setzt die Regierung stärker auf Europa als Absatzmarkt. Die Politikwissenschaftlerin Susanne Weigelin-Schwiedrzik erklärt: Der Export nach Europa ist Teil von Chinas Überlebensstrategie. Ein Umbau des auf Export getrimmten Wirtschaftsmodells, wie vom IWF gefordert, würde Massenarbeitslosigkeit bedeuten – ein Risiko, das die Regierung scheut.

Ruf nach mehr Gegenwehr

In Europa wird der Ruf nach einem härteren Kurs lauter. Erste Maßnahmen wurden bereits ergriffen: Die EU-Kommission erhöhte 2024 die Zölle auf chinesische E-Autos, ab 2026 folgen neue Abgaben auf Stahlimporte – klar auf China gezielt. Doch Experten wie Brad Setser (Council on Foreign Relations) zweifeln an der Wirksamkeit punktueller Zölle. Sie fordern eine umfassendere Strategie, inklusive gezielter Industriepolitik und Subventionen ausschließlich für europäische Produkte.

Der französische Präsident Emmanuel Macron plädiert für einen Mittelweg: Kooperation bei Investitionen in Europas Green-Tech-Sektor, aber klare Schutzmaßnahmen, falls das Handelsungleichgewicht bestehen bleibt.

Abhängigkeit oder Partnerschaft?

Andere Stimmen warnen jedoch vor überzogenen Reaktionen. Viele europäische Konzerne profitieren weiterhin stark vom China-Geschäft. Zählt man die Umsätze vor Ort tätiger Tochterfirmen hinzu, entsprechen die Erlöse deutscher Unternehmen in China rund zwölf Prozent des deutschen BIP.

Ein pauschaler Rückzug sei weder realistisch noch wünschenswert. VW beispielsweise investiert massiv in China. Und: Handelshemmnisse könnten auch Innovationskraft kosten. Der Cambridge-Ökonom Jostein Hauge bringt es auf den Punkt: Der Westen verlangt von China, mehr zu importieren, weniger zu exportieren, aber bitte nichts, was uns technologisch herausfordert – eine widersprüchliche Haltung.

29. Dezember 2025 | AutorIn: David Wintner | Foto: shutterstock

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