Im Rahmen des 1. Wirtschaftsgipfels in Seefeld, einem top.tirol KLUB-Event, sprach Markenstratege Many Klenk über den „Erfolgsfaktor KI“. Wir wollten wissen, wo er Potenzial in der Künstlichen Intelligenz sieht und wie sie seine Branche verändert hat.
top.tirol: Wie lässt sich KI konkret im Markenaufbau einsetzen?
Many Klenk: Anfang dieses Jahres sind wir von einem Unternehmen aus Wien, das unter anderem KI programmieren, zu einem Joint Venture eingeladen worden. Die Frage war, ob man KI im Markenaufbau einsetzen kann. Das Problem bei KI ist, dass sie an der Originalität scheitert. Sie kann nicht schöpfen. Das geht rein von den Modellen her nicht. Sie lernt aus bestehenden Elementen und hat keine Vorstellungskraft. Das ist im Markenaufbau problematisch. Wir schaffen es jetzt aber, einem Set an KI-Agents Markenstrategie beizubringen, und zwar die des jeweiligen Unternehmens. Die Outputs sind dann höchst authentisch.
top.tirol: Wie funktioniert das genau?
Many Klenk: Das funktioniert, indem wir die Markenstrategie des Unternehmens abbilden. Zuerst definieren wir sie sehr klar mit psychoanalytischem Hintergrund und lernen den Agents diese Strategie. Das funktioniert in einer Art dualem System: Ein Teil macht, ein anderer Teil schaut, dass es authentisch bleibt. Archetypen bilden Charaktereigenschaften ab, auch die einer Marke. Das ist bei MitarbeiterInnen gleich wie bei der KI. Es geht um Leitplanken, in denen sich die Ergebnisse bewegen müssen. Mehrere KI-Agents beeinflussen sich gegenseitig. Dazu gehört, dass man sich zuerst die Arbeit macht, seine eigene Markenidentität abzubilden und zu definieren, gegebenenfalls in diesem Zuge auch weiterzuentwickeln.
top.tirol: Wie verändert KI die Anforderungen an Markenbildung und Markenidentität?
Many Klenk: Generell wird die Markenbildung in Zeiten der KI zunehmend wichtiger. Die KI ist generisch, das ist ihre Natur. Marken sind aber genau das Gegenteil davon. Sie funktionieren nur, wenn sie authentisch sind. In einer zunehmend generischen Welt wird eine authentische Marke immer erfolgreicher werden. Es wird wesentlich mehr darauf ankommen, das auszubauen. Bei der Markenbildung geht es um Vertrauen. Eine Marke entsteht bei den KäuferInnen. Die KI wird starke Marken noch erfolgreicher machen, schwache oder wenig sichtbare Marken werden zunehmend unter die Räder kommen.
top.tirol: Welches Potenzial sehen Sie in der KI?
Many Klenk: KI ist ein wunderbares Werkzeug. Als Wirtschaftsraum oder Unternehmen finden wir langsam heraus, was man damit tun kann. Das ist gleich wie damals beim Internet. Es hat gebraucht, bis man wusste, was man damit machen kann. Und auch, wenn vor dem Internet auch alles funktioniert hat, ist es aus der Wertschöpfung nicht mehr wegzudenken. Bei der KI ist es ähnlich. Sie ist ein wertvolles Werkzeug und wir lernen zunehmend, wie wir sie einsetzen.
top.tirol: Wo sehen Sie Gefahren und Herausforderungen im Umgang mit der KI?
Many Klenk: KI wird in allen Bereichen Einzug nehmen, wie es schon beim Internet war. Natürlich gibt es aber auch Gefahren. Wie mit jeder Technologie sind auch Jobs bedroht. Zuerst ist es aber eine Chance, bevor es eine Bedrohung wird. Wer sich nicht anpassen will, wird auf der Strecke bleiben. Es wird nicht morgen die Welt untergehen. Wir werden es auch lernen zu reglementieren, wenn wir es schlau machen, wie mit Technologien davor. KI ist nicht die Lösung für alle unsere Probleme in der Welt, aber sie ist ein ausgesprochen leistungsstarkes Werkzeug. Man muss aber wissen, wie man es einsetzt.

Zur Person
Many Klenk ist Gründer, Markenarchitekt und Vordenker in Strategie und Design. Er leitet die Innsbrucker Agentur „mut.agency“ und berät seit über 25 Jahren Unternehmen in Markenbildung und Strategie.