Thomas Sattelberger war im Vorstand einiger börsennotierter Unternehmen und Spitzenpolitiker. Diese Woche tritt er beim Europpäischen Mediengipfel auf. Mit top.tirol hat er über seine Vergangenheit, wichtige Fähigkeiten von Führungspersonen und Social Media gesprochen.
Zur Person
Thomas Sattelberger
Ist ein deutscher Spitzenmanager und ehemaliger Politiker. Er war u.a. im Vorstand der Deutschen Telekom und Bundestagsabgeordneter.
Sie haben als ganz junger Mann einen ideologischen Bruch durchgemacht. Können Sie erzählen, was da genau passiert ist?
Als 17-Jähriger war ich ein Roter und Maoist. Mit 22 bin ich geläutert in die Wirtschaft eingestiegen. Dort war ich dann 40 Jahre lang, davon 14 Jahre im Vorstand verschiedener Konzerne. Unter anderem im Passagiergeschäft der Lufthansa und bei der Deutschen Telekom. Im zarten Alter von 67 Jahren habe ich noch einmal eine politische Karriere begonnen. Ich wurde zweimal in den Bundestag gewählt und wurde Staatssekretär für Forschung. Ich bin dann wegen eines groben politischen Foulspiels, zum Teil aus den eigenen Reihen, zurückgetreten. Ich sitze gerade im Zug nach Berlin, wo ich mit Investoren, Unternehmern und Wissenschaftlern über die Gründung einer neuen wirtschaftsliberalen Partei beraten möchte.
Stimmt, die FDP ist nicht mehr im Bundestag. Sehen Sie da eine Lücke?
Die FDP ist seelisch verludert und inhaltlich leer. Das ist keine Partei mehr, die man unterstützen kann. Wir werden den Fokus stark auf Wirtschaftsliberalität setzen, ein Zukunftsversprechen für die junge Generation abgeben und zudem eine Option schaffen, damit die CDU/CSU nicht weiter vom Linksblock erpressbar ist.
Kurz zu Ihrer Biografie zurück. Trifft bei Ihnen der Spruch zu: „Wer bis 30 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer es ab 30 noch ist, hat kein Hirn.“
Ja, wobei ich es um etwa zehn Jahre verjüngen würde. Mit Anfang 20 müsste man eigentlich erwachsen genug sein und auch im Arbeitsleben stehen, zwar noch Träume haben, aber nicht irrealen Utopien nachlaufen.
Ich bin natürlich ein politisches Tier. Das zieht sich durch mein gesamtes Leben. Ich hab auch als Vorstand immer politisch gewirkt. Sei es beim Thema „Zukunft der Arbeit“ (New Work) oder auch bei qualifizierter Einwanderung oder durch die hochschulische Bologna-Reform, die ich maßgeblich arbeitgeberseitig beeinflusst habe. Und auch die Einführung zur freiwilligen Selbstverpflichtung für Frauen im Führungskörper. Das war in Deutschland eine Sensation.
Konservativ sind Sie nie geworden. Warum eigentlich nicht?
Ich bin konservativer mit Herz und Leidenschaft. Ich bin was Marktwirtschaft und Kapitalismus betrifft sehr konservativ. Denn ohne ökonomische Kompetenz kann man nicht in der Wirtschaft reüssieren. Diese Kompetenz macht einen auch konservativ. Vom Gefühl her würde ich sagen, dass ich auf dem Feld der Wirtschaft ab Mitte 30 ein Konservativer war. Ganz anders auf dem Feld der Gesellschaftspolitik. Egal, ob es um die Gleichberechtigung der Frauen in der Wirtschaft oder um soziale Durchlässigkeit für Arbeiterkinder beziehungsweise Nicht-Akademikerkinder geht oder auch um soziale und technologische Innovationen, da bin ich totaler Überzeugungstäter.
Sie haben sich einen Namen als jemand gemacht, der klar weiß, wie sich eine Führungsperson zu verhalten hat? Was sind denn die drei wichtigsten Skills einer Führungsperson?
Nicht Empathie und nicht Kollaboration. Das ganze Geschwätz der Personalabteilungen kann ich nicht mehr hören. Man muss die Fähigkeit besitzen, disruptiv zu agieren, also zu zerstören und aufzubauen. Dann muss man die Fähigkeit haben, mitzuarbeiten, auch an der Basis, wie es Steve Jobs getan hat und zum dritten: man muss eine gute Sensorik für die Umwelt haben. Also alles, was sich außerhalb des Unternehmens tut und verändert, muss man im Auge behalten. Nicht nur bei der Konkurrenz. Sondern auch gesellschaftliche und politische Trends beobachten und sie in sein Handeln integrieren
Diese Fähigkeiten werden in Zeiten der künstlichen Intelligenz immer wichtiger, weil das mittlere Management durch die KI wegfallen wird.
Sie haben zuerst Skills genannt, die nicht wichtig sind. Warum?
Viele glauben, dass Empathie oder Kollaboration und Verständnis wichtige Skills einer Führungsperson sind. Meiner Meinung nach steht das Geschäft immer an erster Stelle. Und die Menschenführung an zweiter Stelle. Ich setze ein bewusstes Zeichen gegen den Mainstream, der die „weichen Faktoren“ an erste Stelle setzt, und de facto vor sich hinsaftelt.
Beim Mediengipfel werden Sie über soziale Medien sprechen. Welche nutzen Sie und welche machen Ihnen selbst am meisten Spaß?
Ich nutze Twitter, Facebook, Instagram, Tiktok und jetzt habe ich auch Snapchat. Spaß machen mir kurze Kommentare auf Twitter oder Tiktoks. Das eine ist messerscharf und das andere bringt über Musik, Bewegung und Inhalt ein Thema schnell auf den Punkt.
Ich war der erste Bundestagsabgeordnete in Deutschland, der auf Tiktok war. Die Zeit der öffentlich-rechtlichen Sender ist abgelaufen. Zum Teil sind sie so linkslastig, dass man sie auf den reinen Informationsauftrag zuriegeln müsste. Die Zukunft liegt meiner Meinung nach eindeutig bei Social Media. Das haben die meisten noch nicht kapiert – nur die Extremisten.
Welche Gefahren sehen Sie bei sozialen Medien und wie würde Ihr liberales Ich damit umgehen?
Ich bin gegen Chatkontrolle. Aber ich bin für die altermäßige Begrenzung des Social-Media-Konsums. Ich ringe aber mit mir, ob ich für eine Begrenzung bis 14 oder bis 16 Jahren bin.
Vielen Dank für das Gespräch!