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Tierische Berufe

Das gibt's nur einmal

Christian Hepperger hat seine tierische Nische bei den Korallen gefunden.
Tierische Berufe

Das gibt's nur einmal

Christian Hepperger hat seine tierische Nische bei den Korallen gefunden.

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Für die meisten bleiben Tiere ein Hobby. Für manche werden sie zum Beruf. Drei Tiroler zeigen, wie das geht.

 

Ein Händchen für Menschen

André Stadler, Direktor des Alpenzoos, Innsbruck

Berufswünsche entstehen oft schon im Kindesalter. So war es auch bei André Stadler, Direktor des Alpenzoos Innsbruck. „Als ich ein kleines Kind war, habe ich Professor Grzimek im Fernsehen gesehen, das war der Zoodirektor von Frankfurt. Da war für mich klar: Ich werde Zoodirektor“, erzählt er. Nach vielen Jahren des Studiums und Stellen in Zoos, unter anderem als Pfleger, Zooführer, Inspektor und Kurator in Wuppertal, erfüllte sich vor acht Jahren dann sein Traum: die Leitung des Alpenzoos Innsbruck. „Leicht war das nicht, es gibt natürlich nicht so viele Zoos, man hat eine Menge Konkurrenz“, so Stadler.

Ein typischer Arbeitstag existiert für ihn kaum. „Die Medien wollen immer hören, dass ich ganz viel mit Tieren arbeite, die ehrliche Antwort ist: Ich arbeite mit Menschen.“ Rund 40 Prozent seiner Zeit widmet er der Personalführung, dazu kommen Sponsorenarbeit, Studierendenbetreuung, Forschungsarbeiten, Baustellen und Konferenzen. Der Rest fällt der wirtschaftlichen Führung des Zoos zu. Dennoch nimmt sich Stadler bei der täglichen Morgenrunde Zeit, alle Tiere zu besuchen.

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André Stadler ist Zoodirektor des Alpenzoo Innsbruck.

Ein Zoo muss wirtschaften

Der Alpenzoo ist als gemeinnütziger Verein organisiert. „Wir haben eine Eigendeckungsquote von fast 92 Prozent durch Eintritte, den Zooshop, Erbschaften, Tierpaten und Sponsoren. Damit haben wir eine der höchsten Eigendeckungsquoten von Zoos in ganz Europa“, erklärt Stadler. Die fehlenden acht Prozent kommen als Subventionen von Stadt Innsbruck, Land Tirol und den Freunden des Alpenzoo. Möglich machen diese hohe Eigendeckungsquote zum einen die alpine Lage – die Tiere benötigen keine beheizten Gehege – und zum anderen die schlanke Führung des Zoos mit nur rund 30 Vollzeitäquivalenten.

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Als Zoodirektor arbeitet man mindestens genauso viel mit Menschen als mit Tieren.

Erfolgsfaktor Tourismus

Rund 330.000 Eintritte gab es letztes Jahr, seit Stadlers Amtsantritt stiegen die Besucherzahlen um 26 Prozent. Insbesondere TouristInnen tragen mit 50 Prozent zum Erfolg bei. „Wir sind das drittgrößte touristische Ziel in Tirol nach den Kristallwelten und den Nordkettenbahnen“, so Stadler. Herausforderungen bleiben aber trotzdem bestehen: „Die größte wirtschaftliche Herausforderung ist, dass ich nicht wie ein klassischer Betrieb planen kann. Der Betrieb ist wetterabhängig, Tierarztkosten und Tiergesundheit sind variabel.“

Aktuell laufe es sehr gut im Zoo. „Ich hoffe, dass wir daran in den nächsten Jahren anknüpfen können. Wir expandieren ständig: mehr Mitarbeiter­Innen, mehr Fläche, mehr Projekte.“ Und auch für sich persönlich hofft er auf Kontinuität: „Das ist ein Beruf aus Berufung. Das ist kein Job, ich lebe hier meinen Traum“, so der Zoodirektor.

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Teamplay statt Konkurrenzdenken

Daniel Flock, Geschäftsführer von Alpengarnelen, Hall in Tirol

Seit 2015 leisten die Cousins Daniel Flock und Markus Schreiner Pionierleistung im Bereich Fischzucht in Tirol. Mit einer Kreislauf­anlage züchten sie in Hall nachhaltig Garnelen und Fische und beliefern damit die Tiroler Gastronomie, Hotellerie und PrivatkundInnen bis über die Grenzen hinaus. „Initialzündung für unsere Firma war damals eine Reportage über die teils prekäre Garnelenzucht in Asien“, so Flock. „Wir dachten uns, das können wir doch hier in Tirol besser machen.“

Nach ersten Experimenten im Keller eröffneten die gelernten Techniker rasch ihren Standort in Hall, wo heute ein kleines Team, darunter zwei Fischereilehrlinge und einige Teilzeitkräfte, arbeitet. Seitdem hat sich das Sortiment erweitert, auch Alpenwels gehört inzwischen dazu. Pro Jahr verkauft das Unternehmen 6–8 Tonnen Garnelen – mehrere hunderttausend Tiere – und bis zu 80 Tonnen Wels.

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Garnelen wachsen dank Daniel Flock auch in Tirol.

Schlau wirtschaften

Die hohen Produktionskosten in Europa machen Diversifizierung nötig: „Nur von den Garnelen alleine zu leben, ist schwer. Wir veredeln Produkte mit Partnern in Tirol und arbeiten eng mit anderen Lieferanten zusammen.“  Auch ein europaweites Netzwerk mit Unternehmen, die die gleichen Standards wie die Alpengarnele einhält, wurde in den letzten Jahren aufgebaut. Hier sehe man sich weniger als Konkurrenz, sondern vielmehr als Teamplayer. Die Aufzucht von Unterwassertieren sei komplex. „Kleinste Verzögerungen können die Lieferversprechen gefährden“, so Flock. In solchen Situationen sei ein Netzwerk, das einem unter die Arme greift, sehr hilfreich.

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Um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben setzt Alpengarnele auf Diversifkation.

Die Produktion selbst läuft aktuell auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern und mit 700.000 Liter Wasser. Eine künftige Erweiterung sei in Zukunft durchaus denkbar, so Flock. Ein Schritt, der derzeit umgesetzt wird, sei die Umstellung der Energieversorgung: „Wir wollen von nachhaltigem Strom auf eine autarke Stromversorgung umsteigen.“

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Selten und begehrt

Christian Hepperger, Geschäftsführer von alpenriff farmcorals, Innsbruck

Christian Hepperger, Geschäftsführer von alpenriff farmcorals, hat einen Beruf, der schwer in eine Kategorie einzuordnen ist. „Offiziell bin ich Zoofachhändler. Brauchen tue ich die Ausbildung im Berufsalltag nicht, aber die Einordnung ist kompliziert – schließlich züchtet nicht jeder Korallen in Tirol.“ Ursprünglich lernte der heutige Korallenzüchter Grafikdesign, war jahrelang selbstständig. Bereits in der Jugend begeisterte er sich nebenbei aber für Korallen. „Vor zehn Jahren habe ich dann meine Grafikerkarriere an den Nagel gehängt“, erzählt er.

Am Standort am Innsbrucker Fürstenweg züchtet Hepperger heute Korallen verschiedenster Art. „Die Farbenpracht und Formen finde ich extrem spannend. Das, was wir sehen, ist nur das Äußere. Schneidet man eine Koralle auf, erkennt man die beeindruckenden Skelettstrukturen“, erklärt er. Viele der Tiere besitzt er seit über 20 Jahren und züchtet sie kontinuierlich weiter. Sein Fachwissen hat er sich autodidaktisch angeeignet und durch die Zusammenarbeit mit einer Meeresbiologin sowie ein Praktikum in einer großen Fischzucht in Ancona vertieft.

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Korallen aller Formen und Farben züchtet Christian Hepperger mitten in Tirols Landeshauptstadt.

EU-weiter Verkauf

„Eine Koralle im Verkauf fängt bei circa zehn Euro an“, sagt Hepperger, mit Zuchtdauer von rund drei Monaten nach dem Fragmentieren (Anm. Vermehrung durch Teilen). Nach oben gibt es kaum Grenzen: Teure Exemplare kosten mehrere tausend Euro. Der Markt in Tirol ist klein, daher verkauft er EU-weit über seinen Onlinehandel. Insgesamt hält er 300 Arten und 1.000 bis 1.500 Stück, verkauft pro Monat 30 bis 150 davon. Die stärkste Zeit sei im Winter, weil dann viele ihre Aquarien einrichten.

Besonders herausfordernd waren in den letzten Jahren die Stromkosten während der Energiekrise durch den Ukrainekrieg. „Die monatlichen Kosten explodierten fast auf das Dreifache. Viele gaben ihre Aquarien auf.“ Mittlerweile steigt die Nachfrage wieder.

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Merher Tausend Euros kann eine einzelne Koralle wert sein.

Wissen macht Geld

Hepperger engagiert sich über die Zucht hinaus in den Bereichen Forschung und Bildung: „Studierende der Universität Innsbruck schreiben bei mir Masterarbeiten, zudem arbeite ich mit Schulen und sozialen Einrichtungen zusammen.“ Für die Zukunft plant er drei Dinge: sein Wissen gewinnbringend zu nutzen, den Onlinehandel zu forcieren und einen verlässlichen Partner zu finden. Letzteres sei gar nicht so einfach, doch die Arbeit mit Korallen habe einen klaren Vorteil: „Korallen wachsen auch nachts – das ist perfekt mit der Familie vereinbar“, sagt Hepperger.

11. Januar 2026 | AutorIn: Frau Barbara Kluibenschädl | Foto: Franz Oss

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