In Tirol ist Nachhaltigkeit längst mehr als ein bloßer Trend. Zahlreiche Unternehmen haben sie fest in ihrer Firmen-DNA verankert und erfolgreich in ihre Geschäftsmodelle integriert. In dieser Rubrik zeigen wir, wer hierzulande in Sachen Nachhaltigkeit die Nase vorn hat.
#30 Defekt war gestern
Repair Café
Ob kaputte Toaster, gerissene Hosen, wackelige Möbel oder beschädigtes Spielzeug – vieles, das seinen Zweck nicht mehr erfüllt, landet im Müll. In den „Repair Cafés“ will man dem entgegenwirken: Freiwillige Fachleute unterstützen die BesucherInnen dabei, ihre Alltagsgegenstände wieder instand zu setzen. An verschiedenen Orten in Tirol konnten so bereits über 20.000 Objekte repariert und vor der Wegwerfkultur gerettet werden.


#29 Neues Kraftwerk gegen Emissionen
Egger
Das Holzunternehmen mit Sitz in St. Johann investiert in ein neues Kraftwerk. Dort werden biogene Brennstoffe in Strom und Wärme für die Firma umgewandelt. Das Unternehmen errichtet die neue Versorgungsanlage nach den modernsten industriellen Standards. Auch die Gemeinden in der Nähe profitieren davon. Das Kraftwerk liefert ihnen in Zukunft noch mehr nachhaltige Fernwärme. Anfang des nächsten Jahres nimmt es den Betrieb auf.


#28 Exotisch auf Tirolerisch
Alpengarnelen
Viele Garnelen, die auf unseren Tellern landen, stammen aus asiatischen Zuchtfarmen, in denen oftmals unhaltbare Bedingungen herrschen. Um eine nachhaltige Alternative zu schaffen, haben Daniel Flock und Markus Schreiner in Hall in Tirol eine Zucht für White Tiger-Garnelen aufgebaut. Ihr Konzept verbindet Tierwohl mit ökologischer Verantwortung: Auf chemische Zusätze wird verzichtet und das Wasser wird mithilfe spezieller Bakterienstämme sowie mineralischer Filter nachhaltig aufbereitet.


#27 Nachhaltige Rohstoffproduktion
GROWNlab
Von wachsenden Stühlen bis hin zu Skiern aus Hanf: Grownlab ist ein Institut der Universität Innsbruck, das neue Materialien entwickelt – mit dem Ziel, fossile Rohstoffe zu ersetzen. Im Fokus stehen Rest- und Abfallstoffe aus der Landwirtschaft, etwa Hanf, Flachs oder Pilze. So entstehen nachhaltige Lösungen, die zugleich den Boden und die Artenvielfalt fördern.

#26 Alles für ein grünes Leben
Green Cloud Nine
Die langjährige Umweltaktivistin Lola Fernandez gründete 2021 die Plattform „Green Cloud Nine“. Die Website bündelt nicht nur Produkte wie pflanzliche Kosmetik, nachhaltige Haushaltshelfer oder Gartenutensilien, sondern liefert auch unkompliziert Infos und praktische Tipps, um den Alltag ein Stück grüner zu gestalten.


#25 Kosmetik aus der Natur
Pure Green Cosmetics
Das Unternehmen aus Roppen produziert seit mehr als 20 Jahren ausschließlich zertifizierte Naturkosmetik – überwiegend vegan und frei von synthetischen Zusätzen. Verarbeitet werden dafür nur natürliche Rohstoffe, was die Produkte besonders hautfreundlich macht. Ergänzt wird das Konzept durch ein Nachfüllsystem für Hotelkosmetik. Damit sollen Einwegverpackungen reduziert und das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum gestärkt werden.


#24 Nachhaltige Mode
For People Who Care
Von waschbarem Papier bis Ananasleder: Anna Podgorni und Johanna Bittner haben mit ihrem Tiroler Start-up „For People Who Care“ ein konsequent nachhaltiges Modelabel geschaffen und zeigen damit, wie aus Haltung ein Geschäftsmodell wird. In der Werkstätte in Wattens entstehen Taschen, Accessoires und bald auch Kleidung von Hand – lokal, plastikfrei und fair.


#23 Grüner Antrieb mit Wasserstoff
Mpreis
Für mehr Nachhaltigkeit im Mobilitäts- und Energiesektor produziert Mpreis in der Firmenzentrale in Völs grünen Wasserstoff. Dabei wird in der „Single-Stack-Elektrolyseanlage“ – der größten ihrer Art in Europa – Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Der Wasserstoff kommt unter anderem als Treibstoff für die eigene Lkw-Flotte zum Einsatz, die Abwärme der Elektrolyse nutzt die Firma für ihre Produktionsbetriebe.


#22 Alte Seelen, neue Spuren
Tanacuna
Seit 2016 betreibt die gebürtige Amerikanerin Teri gemeinsam mit ihren Töchtern Hanna und Brittney das Upcycling-Geschäft „Tanacuna” in Volders. Dabei verpassen die freischaffenden Künstlerinnen alten Möbelstücken ein Make-over und bewahren sie so vor dem sicheren Weg zum Recyclinghof. Mit viel Kreativität und handwerklichem Geschick verwandeln sie die ausgedienten Stücke in Unikate und schenken ihnen ein neues Leben.


#21 Kaffeesatz wird Kaffeebecher
Seedcup
Seedcup ist ein Tiroler Startup aus Innsbruck, das aus gebrauchtem Kaffeesatz Einwegbecher herstellt. Mithilfe einer eigens entwickelten Maschine können Cafés den Kaffeesatz direkt vor Ort verarbeiten und daraus biologisch abbaubare Becher formen. So entsteht aus einem sonst weggeworfenen Abfallprodukt eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Coffee-to-go-Bechern.


#20 Gelebte Philosophie
Biohotel „Leutascherhof“
Das Hotelierspaar Eveline und Christian Wandl führt seit 2012 den „Leutascherhof“ bei Seefeld – in zweiter Generation. Seit 2008 ist das Biohotel nicht nur vom grünen Gedanken geprägt, sondern fußt mittlerweile auch auf dem Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit: von Bio-Küche mit regionalen Lebensmitteln über Messung des CO2-Fußabdrucks bis hin zur Gemeinwohl-Bilanz.


#19 O’zapft is
Wellwasser
Der Transport von Mineralwasserflaschen verursacht nicht nur hohe CO2-Emissionen, sondern auch Lager- und Kühlkosten – zudem entsteht eine erhebliche Menge Müll. Um diesen Aufwand zu vermeiden, entwickelte Dietmar Meraner mit seiner Firma Wellwasser Technology eine innovative Wasseraufbereitungsanlage für Gastronomie, Büros und Haushalte. Sie ermöglicht es, geschmacklich einwandfreies Wasser – still oder prickelnd – direkt aus dem Hahn zu zapfen.


#18 Zurück in die Zukunft
Bokura
Das Wörgler Ingenieurbüro Bokura verfolgt mit moderner Technik das Ziel, baulich genutzte Flächen in ihren ursprünglichen landwirtschaftlichen Zustand zurückzuführen.


#17 Smart Farming 2.0
Tiroler Kresse
Mit vollautomatischen Robotersysteme von Tirol Kresse wird die heimische Landwirtschaft ins digitale Zeitalter katapultiert. Die Maschinen werden in speziell entwickelten Containerfarmen eingesetzt, die lediglich 20 Prozent des Wassers im Vergleich zum herkömmlichen Anbau brauchen. Der Prozess ist zudem ressourcensparend, denn der Roboter baut nur das an, was KundInnen tatsächlich bestellt haben.


#16 Von der Wiese ins Wohnzimmer
Bauernkiste
Seit 1997 bietet die Bauernkiste, ins Leben gerufen von Therese Fiegl in Thaur, einen Direktvertrieb bäuerlicher Produkte. Über den Service gelangen landwirtschaftliche Erzeugnisse direkt zu EndkundInnen – von frischem Obst und Gemüse über Fleisch bis hin zu Wellnessartikeln. Mittlerweile sind viele ihrem Beispiel gefolgt.
#15 Grün schlecken
Hitzefrei
Laura Mesmer stellt in Thauer seit 2017 Eis am Stiel her. Das Besondere daran: Sie verwendet ausschließlich biologische Zutaten wie Erdbeeren, Topfen, Frischkäse und Himbeeren aus der Region und verpackt die Kreation in kompostierbarer Zelluloseverpackung. Damit bietet sie eine gesündere und nachhaltigere Alternative zu industriell produziertem Eis.


#14 Mit Slippern gehen, ohne Fußabdruck zu hinterlassen
Coraldo
Herkömmliche Hotelslipper benötigen etwa 200 Jahre, um sich zu zersetzen. Angesichts der Tatsache, dass ein Hotel jährlich zwischen 30.000 und 35.000 Einwegpatschen verbraucht, wird der Bedarf an einer nachhaltigen Lösung schnell deutlich. Martin Girtler erkannte das Problem, gründete 2020 das Start-up Coraldo und entwickelte den ersten ökologisch abbaubaren Slipper.


#13 Warme Hände, neutrales Klima
Zanier Sport
1999 revolutionierte Zanier Sport den Handschuh-Markt mit der Einführung der ersten Heizhandschuhe weltweit. Zwei Jahrzehnten später erweiterte das Unternehmen die Innovation um eine umweltbewusste Dimension und wurde 2019 zum ersten klimaneutralen Handschuhhersteller der Welt. Dabei setzt der Outdoor-Betrieb fast ausschließlich auf Ökostrom, nutzt eine Wärmepumpe und verarbeitet Materialien aus nachhaltigen Quellen, wie etwa die Wolle der Tiroler Bergschafe.


#12 Mehr Summen als Brummen
Naturschutzhof Going Artenreich
Maria Schmidt und Harald Stoiber führen den Naturschutzhof in Going. Statt ausschließlich Nutztiere zu halten oder Ackerbau zu betreiben, schaffen sie dort wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl von Insekten und Pflanzen. Auf diese Weise leistet der Hof einen bedeutenden Beitrag zur Förderung der Biodiversität in der Region.


#11 Wolle, die Wände spricht
Whisperwool
Jährlich werden in der EU 48 Millionen Tonnen Schafwolle entsorgt – eine enorme Verschwendung wertvoller Ressourcen, wie Horst Philipp findet. In seinem Unternehmen Whisperwool verwandelt er dieses natürliche Abfallprodukt in Wandpaneele, die in puncto Umweltverträglichkeit weit vor den Konkurrenzprodukten aus Gipskarton liegen.


#10 Ein gutes Baumgefühl
Hotel Waldklause im Ötztal
Aus dem Wunsch heraus, die Natur bestmöglich zu bewahren und ein Gebäude im Einklang mit ihr zu errichten, entstand das Hotel Waldklause. Für die Planung der Architektur wurde jeder Baum vermessen, um so wenige wie möglich zu fällen. Was anfangs belächelt wurde, erwies sich schnell als großer Erfolg. Heute ist die Waldklause nicht nur das erste Fünf-Sterne-Naturhotel Österreichs, sondern auch das bestausgelastete Hotel im Ötztal.


#9 Kaffee mit Windkraft
Klimabohne
Auch Kaffee kann klimafreundlich sein – ein Anspruch, den die „Klimabohne“ mit ihrem Namen bereits verkörpert. Geschäftsführer Daniel Sperl setzt beim Import vor allem auf emissionsfreie Transportmittel. So wird der Kaffee per Segelschiff eingeführt und mit Lastenfahrrädern ausgeliefert.


#8 Nachhaltige Power aus Waldresten
Syncraft
Das Holzkraftwerk von Syncraft hat eine innovative Schwebefestbett-Technologie entwickelt, die die Energiegewinnung aus Holz revolutionieren soll. Sie ermöglicht eine Umwandlung von regionalem Waldrestholz, wie Hackgut und Sägenebenprodukten, in nachhaltige Bioenergie.


#7 Vom Garten auf den Teller
Guat’z Essen
Peter Frankhauser gründete 2013 den Verein „Guat’z Essen“ und legte den ersten Permakultur-Garten im Zillertal an. Im dazugehörigen vegetarischen Restaurant werden die Erzeugnisse aus eigenem Anbau verarbeitet. Für sein nachhaltiges Konzept und seine Kochkunst wurde Frankhauser bereits mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit einem grünen Michelin-Stern.


#6 Hoch hinaus
Bergbahn Sölden – Helioplant-System
Am Tiefenbachgletscher im Ötztal, auf fast 3.000 Metern Höhe hat die Bergbahn Sölden eine ungewöhnliche Photovoltaikanlage installiert. Die Module des Herstellers Helioplant sind in einer baumähnlichen Struktur angeordnet, was mehrere Vorteile bietet: Durch das kreuzförmige Design bleibt die Anlage weitgehend schneefrei und benötigt weniger Fläche. Zudem sind die Module doppelseitig, sodass sie dank der Lichtreflexionen auf dem Schnee zusätzliche Energie gewinnen. Insgesamt wird damit ein um 40 Prozent höherer Ertrag erwartet.


#5 Bürostress adé
Hollu
Auf dem Firmengelände in Zirl hat Hollu einen 5.000 Quadratmeter großen Naturerholungspark geschaffen. Den Mitarbeitenden steht damit ein naturnaher Rückzugsort zur Verfügung: Neben einem Sumpfgraben für Libellen gibt es einen Kneippbereich, einen Kräutergarten und eine blühende Wildblumenwiese.


#4 Bohnenpower fürs Auge
Rolf Spectacles
Die Brillenmanufaktur Rolf Spectacles in Weißenbach am Lech setzt bei der Fertigung auf innovative Techniken und natürliche Materialien. Modelle aus Holz, Stein, Titan, Horn und sogar Bohnen haben sich längst bewährt.


#3 Krimis for Future
Soko Kitzbühel
Wenn die Kommissare Nina Pokorny und Lukas Roither in der TV-Serie Soko Kitzbühel auf Gaunerjagt gingen, freuten sich nicht nur das Publikum, sondern auch die Umwelt. Denn ab 2019 wurde sie nach den Kriterien des österreichischen Umweltzeichens produziert und war die erste grünzertifizierte Fernsehserie in Österreich.

#2 Überperformer
Lambda Wärmepumpen
Mit dem eigens entwickelten 3K-Prozess haben die Gründer von Lambda Wärmepumpen, Florian Entleitner und Florian Fuchs, den Wärmetransport zwischen Luft und Kältemittel optimiert. Dank der Technologie lässt sich die höchste Energieeffizienzklasse A+++ um 26 Prozent übertreffen.


#1 Grüne Pille
Sandoz
Sandoz hat 150 Millionen Euro in eine neue Produktionsanlage investiert, um die Herstellung von Antibiotika nachhaltiger zu gestalten. Durch ein innovatives, wasserbasiertes Verfahren sinken sowohl der Gas- als auch der Energieverbrauch erheblich. Pro Jahr spart das Unternehmen auf diese Weise 40.000 Megawattstunden Energie – das entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 10.000 Haushalten.