Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Localmind.
Künstliche Intelligenz gilt längst nicht mehr als Zukunftsvision, sondern als fester Bestandteil vieler Geschäftsprozesse. Ob in der Kundenkommunikation, bei der Analyse von Dokumenten oder in der Automatisierung von Arbeitsabläufen – die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Gleichzeitig wächst jedoch die Sorge um Datensicherheit, Transparenz und Kontrolle.
Warum ist die Nutzung von KI-Clouds für Unternehmen ein Risiko?
Mit dem Hype rund um ChatGPT im Jahr 2023 wollten viele Firmen künstliche Intelligenz einsetzen – stießen aber schnell auf Hindernisse. Fast alle Systeme wurden über US-amerikanische Cloud-Anbieter betrieben. Damit wanderten sensible Daten – etwa aus Personalakten, Verträgen oder KundInnenkontakten – ins Ausland. Für viele war das ein Risiko, nicht zuletzt mit Blick auf Datenschutz und rechtliche Vorgaben. Zusätzlich erschwerte die Zersplitterung am Markt den Einstieg: Für Chat, Dokumentenanalyse oder Prozessautomatisierung waren meist verschiedene Lizenzen nötig.

Über die Chat-Oberfläche von Localmind können MitarbeiterInnen Dokumente abfragen oder Aufgaben automatisieren – lokal und datensicher.
Wie lässt sich künstliche Intelligenz sicher und lokal betreiben?
Genau hier setzt Localmind an. Das Start-up wurde im Januar 2024 von Jeremias Fuchs (CEO), Ivan Dukic (CTO) und Simon Zanon (CPO/COO) gegründet. Die Idee entstand aus ihrer Arbeit mit mittelständischen KundInnen in Deutschland und Österreich, die eine sichere, einheitliche Lösung für KI-Anwendungen forderten.
Localmind entwickelt eine Plattform, die Unternehmen ermöglicht, ihre eigene KI lokal und datenschutzkonform zu betreiben – entweder direkt auf den eigenen Servern oder in Rechenzentren in Österreich und Deutschland. Die Kernidee lautet: „Deine eigene KI, trainiert mit deinen Daten und an deinen Prozessen. Lokal und sicher.“
Die Software kombiniert mehrere Funktionen: KI-gestützte Chats, Dokumentenverarbeitung, Prozessautomatisierung und anpassbare „KI-Coworker“. Damit entfällt die Notwendigkeit, für jede Aufgabe separate Tools und Lizenzen einzukaufen.
„Die größte Herausforderung besteht darin, in diesem hochdynamischen Umfeld nicht nur moderne KI-Funktionen zu entwickeln, die mit den großen US-Giganten mithalten können“, erklärt Ivan Dukic. „Gleichzeitig müssen wir die Anforderungen von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen erfüllen, die vor allem Stabilität und langfristige Sicherheit verlangen.“

Mit dem „Automate“-Tool lassen sich wiederkehrende Abläufe einfach per Drag-and-Drop steuern.
Wohin entwickelt sich Privacy AI aus Tirol in den nächsten Jahren?
Nach der Gründung im Januar 2024 erreichte Localmind rasch erste Meilensteine: Im November 2024 veröffentlichte das Team Version 2.0 seiner Software mit erweiterten Funktionen für Großkunden. Im Februar 2025 kam das Automatisierungstool „Automate“ hinzu, im Sommer 2025 erste branchenspezifische Apps. Heute zählt Localmind über 120 KundInnen mit durchschnittlich mehr als 300 MitarbeiterInnen, 14 Beschäftigte und ein Partnernetzwerk von über 20 ExpertInnen im gesamten deutschsprachigen Raum.
Für diese Arbeit wurde das Unternehmen 2024 mit dem Tiroler Innovationspreis in der Kategorie „Dienstleistungsinnovation“ ausgezeichnet.
Simon Zanon blickt optimistisch nach vorn: „Wir sehen uns erst am Anfang. Der europäische Mittelstand braucht eine KI-Infrastruktur, die seine Werte und Anforderungen widerspiegelt. Von Tirol aus wollen wir zeigen, dass Privacy AI nicht nur möglich ist, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich.“
Langfristig verfolgt Localmind eine klare Vision: KI-Systeme sollen so flexibel werden, dass Unternehmen ihre Software künftig einfach per natürlicher Sprache steuern können – ohne komplexe Konfigurationen.