Spätestens seit dem ersten Adventwochenende erfreuen die Tiroler Christkindlmärkte wieder Einheimische und Touristen. Die Adventsaison legt dabei allerdings auch die Kostenentwicklung und den wirtschaftlichen Druck im Land offen.
Der Christkindlmarkt bildet die Tiroler Volkswirtschaft im Kleinen ab. In jedem Punsch, jedem Kiachl und jedem Kunsthandwerk steckt die gesamte Palette der aktuellen ökonomischen Herausforderungen: von Inflation über Lohn- und Energiepreisen bis hin zu Personalknappheit und steigenden Mieten. Wer über die Preise am Christkindlmarkt spricht, spricht zwangsläufig über die wirtschaftliche Realität Tirols.
Inflation wirkt am Punschstand
Eines der größten Themen bleibt nach wie vor die Inflation. Mit aktuell 4,0 Prozent bleibt das Preisniveau für Glühwein, Kiachl und Co. hoch. Dazu kommt die Entwicklung der Heizenergieträger: Die Preise für Heizöl, Pellets und Brennholz zogen zu Beginn der Heizsaison deutlich an. Für Standbetreiber bedeutet das eine Steigerung der Grundkosten, die – unweigerlich – auch im Preis des Glühweins ihren Niederschlag findet.
Strom in Tirol teurer
Auch wenn die Strompreise im Vergleich zum Sommer monatlich leicht rückläufig sind, existiert im Jahresvergleich immer noch ein Plus von 35,9 Prozent. Höhere Netzentgelte und weggefallene staatliche Unterstützungen treffen Tirol dabei derart, dass die Netzentgelte ab Jahreswechsel noch weiter steigen werden. Da ein Christkindlmarkt nun einmal ein energieintensiver Betrieb ist, zahlen die KonsumentInnen Beleuchtung, Kühlung oder Beheizung automatisch mit.
Arbeitskräftemangel drückt auf die Marge
Im Schnitt ist zudem fast jedes zweite Unternehmen im Land vom Arbeitskräftemangel betroffen. Viele Unternehmen besetzen offene Stellen auch aus Kostengründen nicht nach. Dieser Engpass tritt im saisonalen Christkindlmarktbetrieb klar zutage. Zu den Folgen zählen etwa höhere Lohnkosten für jeden zusätzlichen Mitarbeiter, ein größerer Organisationsaufwand sowie eine unter Umständen reduzierte Produktauswahl. Die entsprechende Kostenstruktur wirkt sich ebenfalls auf den Endpreis aus.
Mieten und Materialien hochpreisig
Für Gewerbetreibende bedeutet der Christkindlmarkt Hochpreisland. Das liegt vor allem an den Mieten und Handwerksmaterialien. Allein die Mietpreise sind im Vergleich zu 2024 im Schnitt um über einen Euro pro Quadratmeter in Tirol gestiegen. Standbetreiber, die zusätzlich häufig Lagerflächen, Werkstätten oder Produktionsräume mieten, müssen also tiefer in die Tasche greifen. Das gilt auch für den Bedarf an Materialien (wie Holz, Metall, Textilien), der weiterhin kostenintensiv ausfällt.
Spiegelbild der Tiroler Wirtschaft
Der Christkindlmarkt dient damit als offenes Rechenbuch der regionalen Wirtschaft. Umgekehrt wird aber auch für die KonsumentInnen jeder Christkindlmarktbesuch zu einer wirtschaftlichen Fallstudie. Denn: Steigende Preise beeinflussen die Konsumneigung. BesucherInnen kaufen preissensibler und selektiver. Somit sinkt die reale Kaufkraft, auch wenn die wirtschaftliche Gesamtstimmung stabil erscheint.