Der Eurovision Song Contest ist weit mehr als eine Musikshow – er ist ein internationales Großereignis mit wirtschaftlicher Strahlkraft. Im Interview gibt der Tiroler Jakob Traxler Einblicke hinter die Kulissen und erklärt, welche wirtschaftlichen Effekte ein Event dieser Größenordnung auslöst, wie komplex die Organisation rund um Ticketing, Produktion und Sicherheit ist – und warum der ESC längst ein internationales Business-Netzwerk ist, das weit über die Bühne hinaus wirkt.
Wenn der Eurovision Song Contest nach Österreich kommt, schaut ganz Europa auf Wien. Welche wirtschaftlichen Effekte hat ein Mega-Event wie der ESC für die Gastgeberstadt – und welche Branchen profitieren besonders?
Der Eurovision Song Contest ist weit mehr als eine TV-Show. Für die Gastgeberstadt bedeutet er einen enormen wirtschaftlichen Impuls. Hotels, Gastronomie, Tourismus, Eventtechnik, Transport, Sicherheitsdienste und der Einzelhandel profitieren besonders stark von den internationalen Gästen und Medienvertretern. Gleichzeitig entsteht weltweit Aufmerksamkeit für Wien und Österreich als moderne und offene Veranstaltungsdestination. Der Eurovision bringt nicht nur kurzfristige Umsätze, sondern stärkt auch langfristig das internationale Image der Stadt.
Millionen Fans wollen live dabei sein. Wie groß ist der organisatorische und wirtschaftliche Aufwand hinter dem Ticketing eines Events dieser Dimension?
Der organisatorische Aufwand hinter dem Ticketing ist enorm. Es geht nicht nur um den Verkauf von Eintrittskarten, sondern um komplexe Planungen, Sicherheitskonzepte, Kontingentierungen und internationale Abstimmungen mit Partnern, Delegationen und Dienstleistern. Für die diesjährige Ausgabe wurden über 95.000 Tickets für insgesamt neun Shows verkauft. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass der Prozess fair, transparent und technisch stabil abläuft, selbst bei extrem hoher Nachfrage.
Der Aufbau der diesjährigen Produktion erstreckt sich über mehrere Wochen – vom ersten Aufbau bis zum vollständigen Abbau Ende Mai.
Hinter der großen TV-Show steckt ein internationales Business-Netzwerk. Welche Unternehmen und Branchen arbeiten beim ESC im Hintergrund zusammen – und wie viele Jobs entstehen dadurch temporär?
Der Eurovision Song Contest bringt Unternehmen und Fachkräfte aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen. Neben TV- und Veranstaltungstechnik arbeiten unter anderem Sicherheitsfirmen, IT-Unternehmen, Marketingagenturen, Produktionsfirmen, BühnenbauerInnen, Verkehrsunternehmen, Cateringfirmen und Tourismusbetriebe am Event mit. Allein im Produktionsumfeld sind mehrere tausend Personen temporär beschäftigt. Dazu kommen Volunteers sowie Mitarbeitende der internationalen Delegationen und Broadcaster.
Der ESC ist längst mehr als ein Musikwettbewerb. Wie wichtig sind Sponsoren, Partnerschaften und internationales Marketing für die Finanzierung und den weltweiten Erfolg des Events?
Partnerschaften und Sponsoren spielen eine zentrale Rolle. Sie helfen nicht nur bei der Finanzierung, sondern ermöglichen zusätzliche Fan-Erlebnisse, innovative Projekte und internationale Kampagnen. Gleichzeitig tragen Partner dazu bei, die Marke Eurovision weit über die TV-Shows hinaus sichtbar zu machen. Der Eurovision Song Contest ist heute ein internationales Entertainment- und Kommunikationsprojekt, bei dem Storytelling, Markenkooperationen und globale Reichweite eine immer größere Bedeutung haben.
„Der Eurovision bringt nicht nur kurzfristige Umsätze, sondern stärkt auch langfristig das internationale Image der Stadt.“
- Jakob Traxler, Eventmanager
Sie stammen aus Telfs und arbeiten heute an einem der größten TV- und Live-Events Europas mit. Welche Erfahrungen und Kompetenzen aus Tirol haben Sie auf Ihrem Karriereweg besonders geprägt – und helfen Ihnen heute im internationalen ESC-Umfeld?
Tirol hat mich vor allem geprägt, offen auf Menschen zuzugehen und lösungsorientiert zu arbeiten. Gerade in einer Region, die stark vom Tourismus und von Veranstaltungen lebt, lernt man früh, flexibel zu denken und unterschiedlichste Menschen zusammenzubringen. Diese Mentalität hilft mir heute enorm im internationalen Umfeld des Eurovision Song Contest, wo Teamarbeit, schnelle Entscheidungen und kulturelles Verständnis essenziell sind.
Vielen Dank für das Gespräch.

Der ESC 2026 in Zahlen
- Über 95.000 verkaufte Tickets für 9 Shows
- Mehrere tausend Personen im Einsatz für TV-Produktion, Eventbetrieb und Infrastruktur
- 2.135 Beleuchtungskörper, 26 Kameras und 2.000m2 LED sowie kilometerlange Verkabelungen im Einsatz
- Delegationen und Broadcaster aus 35 Ländern reisen nach Wien an
- Neben den TV-Shows finden über 111 Side Events in der gesamten Stadt statt

Zur Person
Der Tiroler Jakob Traxler ist Eventmanager mit Schwerpunkt auf Musik- und TV-Produktionen und arbeitet seit über zehn Jahren im Umfeld des Eurovision Song Contests. Aktuell ist er Teil des Organisationsteams des ESC 2026 in Wien und verantwortet unter anderem das Ticketing sowie Teile des Marketings.
