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Lena Obermair im Gespräch

Die Anlaufstelle für Veränderung

Lena Obermair im Gespräch

Die Anlaufstelle für Veränderung

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Lena Obermair ist seit Kurzem Teil der Geschäftsführung des Impact Hub Tirol. Im Interview spricht sie über ihre Beweggründe für den Schritt in die Führungsebene und die Schwerpunkte, die sie in den kommenden Jahren setzen möchte.

Du hast dich schon vorher stark bei Community-Arbeit und Programmentwicklung engagiert – wie prägen dich diese Erfahrungen in deiner neuen Rolle?

Lena Obermair: Diese Erfahrungen, die mich in direkten und engen Austausch mit so vielen engagierten Changemakern, UnternehmerInnen und GründerInnen gebracht haben, beeinflussen meine neue Rolle als Geschäftsführerin sehr. Nur wenn man wirklich nah dran an den Leuten ist und versteht, was die Herausforderungen und Probleme, aber auch die Chancen und Bedürfnisse sind, ist man so einer Rolle auch gewachsen und versteht, in welche Richtung sich eine Organisation wie der Impact Hub entwickeln muss, um auch zukünftig die Rolle als Brückenbauer für unsere Community einzunehmen. 

Was hat dich persönlich dazu motiviert, die Geschäftsführung beim Impact Hub Tirol zu übernehmen?

Für mich war es eine Mischung aus persönlicher Verantwortung und der Phase, in der sich die Organisation gerade befindet. Ich konnte den Hub in den vergangenen zweieinhalb Jahren in verschiedenen Rollen und mit unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen. Für mich ist es ein logischer nächster Schritt und gleichzeitig auch ein großes Privileg, dass ich die Erfahrungen und die Expertise zum Thema Impact Economy, regenerativer Wirtschaft und Systems Change, die ich in diesen Rollen sammeln durfte, nun auch in dieser Leadership Funktion anwenden kann.

 

„In der Vergangenheit konnten wir zu oft Ideen mit enormem Potential nicht begleiten, da wir ein zu starres Betreuungsangebot hatten."

Lena Obermair

 

Wie wird sich der Fokus des Impact Hub Tirol inhaltlich verändern – und was bedeutet das konkret für die Community?

Unser Fokus bis 2030 liegt auf drei strategischen Prioritäten. Wir entwickeln unser Unterstützungsprogramm pioneer:impact so weiter, dass wir für jede Person und Organisation ein passendes Angebot haben. In der Vergangenheit konnten wir zu oft Ideen mit enormem Potential nicht begleiten, da wir ein zu starres Betreuungsangebot hatten.

Der Impact Hub ist nicht im Eigentum von ein paar Einzelpersonen, sondern gehört unserem Trägerverein, in dem unsere Community Mitglied ist. Zukünftig wollen wir den Impact Hub noch viel mehr als Ausdruck unserer Community gestalten und unseren Mitgliedern mehr Möglichkeiten geben, den Impact Hub aktiv zu gestalten.

Das ambitionierteste Vorhaben ist, dass wir mit dem Impact Hub systemischer wirken wollen. Wir sind aktuell sehr gut darin, Projekte und Organisationen zu entwickeln, die sich symptomatisch um gesellschaftliche Probleme kümmern. Diese Symptome werden in einer Zeit wie jetzt jedoch immer stärker. Denken wir an eine anhaltend schwache Wirtschaft oder die Renaissance imperialistischer und autoritärer Politik. Hier ist es wichtig, dass wir diese vielen Projekte bündeln und sie in eine tiefere Verbundenheit bringen und somit Konzepte entwickeln, die soweit systemisch verankert sind, dass sie gegen Einflüsse wie konjunktureller Schwankungen und politischen Krisen resilient sind. Mich fasziniert dieses Thema ganz besonders, da es die Hauptaufgabe sein wird, mit der ich mich persönlich die nächsten Jahre beschäftigen werde. 

Was bedeutet für dich „Impact Entrepreneurship“ – und wie kann der Hub dieses Konzept in Tirol stärken?

Impact Entrepreneurship bedeutet für mich, dass Menschen unternehmerisch handeln, Innovationen schaffen, wertvolle Produkte und Dienstleistungen entwickeln, die einen echten Mehrwert für unsere Gesellschaft bringen und nicht dorthin
optimiert werden, dass einige wenige damit unfassbar viel Geld verdienen. Ein Smartphone zum Beispiel ist eine gute Erfindung, wenn es jedoch so designt wird, dass wir Menschen dadurch stundenlang auf einem kleinen Bildschirm starren und damit negativ beeinflussen werden, dann ist es einfach unter der falschen Intention entwickelt.

Welche neuen Programme oder Unterstützungsleistungen plant ihr für GründerInnen und Initiativen?

Konkret arbeiten wir hier gerade an der Weiterentwicklung unseres erfolgreichen Accelerator-Programms “pioneer:impact” (mit Alumni wie Doc2me, Reps und Uptraded). Während sich das Programm grundsätzlich öffnet und nicht mehr nur für klassische Impact Startups offen ist, sondern vielmehr für Changemakern in verschiedenen Branchen und Unternehmensformen, vertieft sich gleichzeitig die Intensität der Betreuung und Unterstützung. In individuellen Zyklen werden die UnternehmerInnen mit einem maßgeschneiderten Unterstützungsangebot begleitet, das unter anderem Mentoring, Workshops, Coaching und digitale Lernkomponenten enthält. Der Prototyp dieses neuen Angebots für alle Menschen mit spannenden Vorhaben wird im April 2026 und mit Unterstützung eines großen regionalen Partners gestartet.

 

„Wenn Tirol hier mutig vorangeht, hat es nicht das Potenzial, das nächste Silicon Valley zu werden – sondern etwas viel Passenderes"

Lena Obermair

 

Wie kann Tirol als Alpenregion ein Modell für nachhaltige Innovation und systemische Veränderung werden?

Tirol bietet alle Voraussetzungen, die es braucht, um in genau diese Richtung zu gehen. Wir sind eine wohlhabende Region, ein Universitätsstandort mit enorm viel Innovationspotenzial, wir haben eine landschaftliche Vielfalt und natürliche Ressourcen die das Land zu einer extrem lebenswerten Region machen und vor allem Menschen, die eine tiefe Verbundenheit zur Natur und dem Land auf dem sie leben verspüren. Wenn Tirol hier mutig vorangeht, hat es nicht das Potenzial, das nächste Silicon Valley zu werden – sondern etwas viel Passenderes: eine regenerative, resiliente alpine Region, die zeigt, wie Wirtschaft innerhalb planetarer Grenzen funktionieren kann und damit auch international als Vorbild wirkt.

Wie beeinflusst dein Engagement für Diversity, Equity & Inclusion die strategische Ausrichtung des Hubs?

Mein Engagement und meine Leidenschaft in den Bereichen DE & I ist ein gutes Match mit der Ausrichtung und der DNA des Impact Hubs. Der Impact Hub an sich ist eine Organisation, die sich als oberstes Ziel gesetzt hat, dazu beizutragen, dass Wirtschaft ein gutes Leben für alle ermöglicht. Dieser Grundgedanke einer gerechten, einer “sich sorgenden” Wirtschaft deckt sich sehr gut mit meiner machtkritischen und auf Partizipation und Gleichstellung ausgerichteten Weltsicht.

Was sind deine wichtigsten Prioritäten für die nächsten 12 Monate?

Unser Ziel für die nächsten Jahre ist es, dass der Impact Hub Tirol DIE Anlaufstelle für alle Personen in Tirol ist, die etwas zum Positiven verändern möchten . Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir unsere neuen Angebote implementieren, testen und die Menschen, die wir begleiten, hoffentlich begeistern. Und gleichzeitig müssen wir noch besser verständlich machen, was der Impact Hub ist, was er macht, und mit wem wir arbeiten wollen. Und noch eine ganz persönliche Priorität: Bei alldem nie den Blick aufs große Ganze verlieren - man ist schnell so sehr im operativen Strudel drinnen, dass man vergisst, worauf man überhaupt hinarbeitet. Um das zu vermeiden, ist es immer wieder meine Priorität bewusst herauszukommen und mich zu erden. Am besten gelingt mir das übrigens bei mir daheim in Südtirol am Bauernhof und im Betrieb meiner Familie - ob beim Mithelfen im Restaurant, beim Kühe streicheln oder beim Spielen mit meinen (Achtung Großfamilie) zehn Nichten und Neffen.

Welche Trends im Bereich nachhaltiges Unternehmertum siehst du gerade als besonders relevant für Tirol?

Aus meiner Sicht hat sich der Frame in den letzten Jahren deutlich verschoben: Nachhaltigkeit ist heute weder ein „Nice-to-have“ noch primär eine moralische Frage. Es geht sehr konkret um Derisking, Resilienz und Zukunftsfähigkeit. Unternehmen, die sich nicht diversifizieren, ihre Abhängigkeiten reduzieren und ihre Geschäftsmodelle an ökologische und soziale Realitäten anpassen, laufen Gefahr, in wenigen Jahren an Relevanz zu verlieren.

Der Tourismus als Schlüsselbranche für Tirol zeigt das zum Beispiel sehr deutlich. Hier muss ernsthaft darüber nachgedacht werden, wie Geschäftsmodelle aussehen, die regionale Wertschöpfung stärken, echte Mehrwerte für die Bevölkerung schaffen und gleichzeitig für Gäste attraktiv bleiben. Themen wie nachhaltige Anreise, Ganzjahrestourismus oder der Wandel von Massen- hin zu qualitätsorientierten, naturverträglichen Tourismus sind keine Nischendebatten mehr, sondern entscheidend für die wirtschaftliche Stabilität und Zukunftsfähigkeit der Region.

Was ist dein Wunsch für die Impact-Community in Tirol in fünf Jahren?

Dass wir gemeinsam eine Region geschaffen haben, die als Best-Practice Beispiel für regenerative Wirtschaft in die Welt strahlt, und somit einerseits die Grundlage für eine lebenswerte und zukunftsfähige Region für uns selbst legen und gleichzeitig unsere globale Verantwortung wahr- und ernstnehmen.

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Zur Person:

Lena Obermair lebt seit zehn Jahren in Innsbruck. Die gebürtige Südtirolerin kommt aus einer unternehmerischen Familie. Ihre Eltern haben einen landwirtschaftlichen und touristischen Betrieb mit Fokus auf Permakultur, Regionalität und sozialer Nachhaltigkeit aufgebaut. Im Studium hat die Geschäftsführerin des Impact Hub den Schwerpunkt auf Management, Tourismus und Kommunikation gelegt. 

21. Januar 2026 | AutorIn: Haris Kovacevic | Foto: Impact Hub Tirol | Verena Nagl

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