Ob als wirtschaftlich wichtiges Handelsgut, lukrative Geschäftsidee oder schlicht als Symbol für Genuss – Kaffee ist auch in Tirol fest im Alltag verankert.
Vom morgendlichen Muntermacher über eine genussvolle Pause zwischendurch bis hin zum krönenden Abschluss nach dem Abendessen: TirolerInnen lieben Kaffee – und trinken ihn meist schwarz als Verlängerten, gefolgt von Espresso und Cappuccino. Jährlich am 1. Oktober zelebriert die Welt den „Tag des Kaffees“ – wir blicken in seine Geschichte und fördern die zehn spannendsten Fakten zutage.
1. Kaffeekonsum
Weltweit werden jährlich rund 170 Millionen Säcke Kaffee à 60 Kilogramm konsumiert – das entspricht über 2,25 Milliarden Tassen täglich. Würde man diese Säcke stapeln, wäre das 25-mal so hoch wie der Mount Everest. Allein in Österreich liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum bei rund 160 Litern jährlich – damit rangiert Kaffee sogar noch vor Bier auf der Beliebtheitsskala. Tirol bildet die Spitze des bundesweiten Pro-Kopf-Konsums: Im Schnitt werden hier täglich 3,05 Tassen getrunken. Über 57 Prozent greifen dabei zu einem Vollautomaten, 22 Prozent hingegen zu einer Kapselmaschine – und mehr als die Hälfte aller TirolerInnen trinken ihn auch „to go“.
2. Ursprünge
Der Begriff Kaffee lässt sich vom arabischen „Kahwe“ oder „Qahwa“ ableiten und bedeutet Lebenskraft oder Stärke. Um die Ursprünge ranken sich viele Mythen – fest steht jedoch, dass die Kaffeepflanze Coffea arabica aus dem Hochland Äthiopiens stammt. Einer Legende nach wurde die Pflanze im 9. Jahrhundert von einem Hirten in Kaffa (Südwest-Äthiopien) entdeckt, dessen Ziegen nach dem Verzehr der roten Kaffeekirschen aufgedreht umhersprangen. Mönche bereiteten daraufhin einen Aufguss aus den Blättern und getrockneten Kirschen zu – und so wurde das Heißgetränk geboren. Durch die arabische Welt gelangte der Kaffee ins Osmanische Reich. Im 16. Jahrhundert eröffneten in Istanbul (damals Konstantinopel) die ersten Kaffeehäuser. Später brachten Reisende das Getränk auch nach Europa mit – sozusagen als kulinarisches Mitbringsel.
3. Anbau
Die Anfänge des Kaffeeanbaus werden auf das 12. bis 13. Jahrhundert datiert. Kaffee gedeiht am besten in bergigen und tropischen Regionen entlang des Äquators – dem sogenannten „Kaffeegürtel“. Heute werden weltweit rund 12 Millionen Hektar mit Kaffee bepflanzt, vor allem in Brasilien, Vietnam, Äthiopien, Kolumbien, Indonesien, Mexiko und Indien. Fast 99 Prozent der Gesamtproduktion entfallen auf die beiden Hauptkaffeearten Arabica und Robusta.
Auch auf Kuba wird Kaffee angebaut.
4. Ernte
Kaffee ist eine sehr sensible Pflanze, die bis zu vier Meter hoch wachsen kann. Ihre pfahlartige Wurzel reicht bis zu 2,5 Meter in den Boden, und ihre weißen Blüten duften nach Jasmin. Erste Erträge liefert die Pflanze nach etwa drei Jahren. Die reifen Früchte, die sogenannten Kaffeekirschen, sind meist rot oder gelb, ihre Samen kennt man als Kaffeebohnen. Die Erntezeit erstreckt sich in der Regel über zehn bis zwölf Wochen und variiert je nach geografischer Lage. Auch wenn auf großen Kaffeefarmen heute Pflückmaschinen zum Einsatz kommen, erfolgt die Ernte bei hochwertigen Kaffees noch immer per Hand – eine mühsame Arbeit, schließlich benötigt man für 500 Gramm Kaffeebohnen rund 2,5 Kilogramm Kaffeekirschen.
5. Handelsgut
Lange Zeit wurde Kaffee wie Getreide oder Soja gehandelt. War der Hauptumschlagplatz damals noch das jemenitische Hafenstädtchen Mokka, entwickelte sich Kaffee rasch zu einem wichtigen internationalen Handelsgut. Im 18. Jahrhundert verschifften die Kolonialmächte daraufhin Kaffeepflanzen in alle Regionen der Welt, die sich für den Anbau eigneten. Gleichzeitig stieg der Konsum in Europa und Nordamerika bedeutend an, sodass sich Kaffee bald zu einem Produkt von weltwirtschaftlicher Bedeutung entpuppte. Mit der Industrialisierung wurde der Kaffee schließlich massentauglich – und entwickelte sich um 1850 in unseren Breiten zum Volksgetränk.
6. Kaffeehauskultur
Mit dem Kaffeegenuss entstand auch eine eigene Kultur. Kaffeehäuser waren früher Treffpunkte für Gelehrte, PhilosophInnen, SchriftstellerInnen und KünstlerInnen. Oft gab es zu späterer Stunde auch hauseigene Musik: In Wien etwa entwickelte sich die Tanzmusik mit Streichern in Kaffeehäusern, und in Paris die Chansons. Das traditionelle Wiener Kaffeehaus – seit 2011 immaterielles Kulturerbe der UNESCO – war für viele Wohn- und Arbeitsraum zugleich, in dem Stammgäste telefonisch erreichbar waren oder sogar ihre Post erhielten. Als erstes Kaffeehaus in Innsbruck gilt übrigens das Café Katzung, das 1780 vom Konditor Anton Georg Katzung gegründet wurde und bis heute besteht.
7. Entdeckungen und Erfindungen
- 1753 ordnete der schwedische Naturforscher und Arzt Carl von Linné die Kaffeepflanze erstmals botanisch ein.
- Unter Friedrich dem Großen (1712-1786) gab es in Deutschland sogenannte „Kaffeeschnüffler“, um privat gerösteten Kaffee zu entlarven.
- Die Kaffeegattung Robusta wurde erst um 1900 in Uganda entdeckt.
- 1901 erfand der Japaner Sartori Kato den löslichen Kaffee.
- 1905 gelangte es dem Bremer Ludwig Roselius, dem Kaffee das Koffein zu entziehen – „Kaffee HAG“ kam als erster entkoffeinierter Kaffee auf den Markt.
- 1908 erfand die Dresdner Hausfrau Melitta Bentz den Kaffeefilter.
8. Spannende Konzepte
Heute gibt es Kaffeekonzepte in Hülle und Fülle – und für nahezu jede Zielgruppe: von Generationen-Cafés über Literatur- und Katzen-Cafés bis hin zu Coffee-Bikes. Zunehmend entstehen auch Formate, die auf Inklusion setzen: Im „Dawn Avatar Robot Café“ in Tokio etwa übernehmen Roboter die Bedienung – als menschliche Avatare, die von Menschen mit körperlichen Einschränkungen ferngesteuert werden. Weltweit wachsender Beliebtheit erfreut sich auch das Konzept „Ziferblat“: ein sogenanntes „Anti-Café“, in dem nicht für Speisen und Getränke bezahlt wird, sondern für die Verweildauer – im Minutentakt. Und auch hinter Gefängnismauern tut sich was: In der deutschen JVA Remscheid rösten seit 2024 Häftlinge ihren eigenen Kaffee. Die sogenannte „Knastbohne“ soll bald auch außerhalb der Anstalt erhältlich sein.

9. Innovatives aus Tirol
- Seedcup: Das Innsbrucker Start-up rund um David Minatti-Krauhs stellt mithilfe einer eigens entwickelten Maschine Einwegbecher aus gebrauchtem Kaffeesatz her – eine umweltfreundliche Alternative zum klassischen Coffee-to-go-Becher.
- Klimabohne: Auch Daniel Sperl setzt mit seinem Unternehmen auf Nachhaltigkeit. Der Kaffee wird per Segelschiff aus Kolumbien importiert und in Tirol mit dem Lastenfahrrad ausgeliefert – ein klimafreundliches Nischenprodukt.
- Cascary: Lukas Harasser aus Innsbruck hat mit seinem Tiroler Eistee auf Basis der Kaffeekirsche – der sogenannten Cascara – einen natürlichen Energydrink entwickelt.
10. Workshops und Ausbildungen
Kaffee besitzt über 800 verschiedene natürliche Aromen und Geschmacksnuancen, die bei professionellen Verkostungen – sogenannten „Cuppings“ durch gezieltes Schlürfen analysiert werden. Vom Barista über den Kaffeesommelier bis hin zum spezialisierten Verkoster: Die Kaffeebranche bietet eine Vielzahl an spannenden Berufsbildern. In Tirol gibt es derzeit rund 20 aktive RösterInnen. Aus- und Weiterbildungen sowie Workshops rund um Kaffee, Zubereitungstechniken und Trends werden unter anderem am WIFI Tirol, von Barista-Trainer Goran Huber sowie über die Coffeecult Kaffeerösterei angeboten.
Ein ABC der Kaffeespezialitäten
Affogato = Espresso über eine Kugel Vanilleeis
Caffè Latte = Espresso mit heißer Milch und wenig Milchschaum
Cappuccino = 1/3 Espresso, 1/3 Milch, 1/3 Milchschaum
Einspänner = Doppelter Espresso im Glas mit Schlagobers-Haube
Espresso = Kleiner, kräftiger Kaffee
Espresso Macchiato = Espresso mit einem Klecks Milchschaum
Espresso Martini = Cocktail aus Wodka, Kaffeelikör und Espresso
Fiaker = Mokka mit Rum und Schlagobers, meist im Glas serviert
Kapuziner = Kleiner Mokka mit einem Schuss flüssigem Schlagobers
Latte Macchiato = Aufgeschäumte Milch mit Espresso, in drei Schichten serviert
Mokka = kräftiger schwarzer Kaffee ohne (ähnlich dem Espresso)
Verlängerter = Espresso mit heißem Wasser verlängert
Wiener Melange = milder Mokka mit Milch und Milchschaum, oft mit Kakaopulver bestäubt
Weiterführende Literatur:
- Für Leseratten: „Anbau, Handel und globale Genusskulturen“, Buch von Martin Krieger
- Für Film-Nerds: „A Film about Coffee“, Dokumentarfilm von Brandon Loper
- Für gute ZuhörerInnen: Wissens-Podcast „KaffeeKOMPASS“ von Michael Murschel
- Für Theater-Begeisterte: Schauspiel „Café Schindler“ am Tiroler Landestheater, nach der biografischen Erzählung von Meriel Schindler