Strategisch denken, empathisch führen, Krisen managen, Kultur entwickeln: Wer heute über Führung spricht, stößt schnell auf lange Listen an Erwartungen. Führungskräfte sollen vieles gleichzeitig sein, am besten eine Art „eierlegende Wollmilchsau“. Dieses Bild stellt Unternehmensberaterin Judith Kastner infrage.
Bei ihrem Vortrag „Die Führungskraft als eierlegende Wollmilchsau? Wirklich?“ im Rahmen des top.tirol Klub Events im Alpenzoo plädierte Judith Kastner dafür, Führung wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren: Wirksamkeit. Führung sei kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um Wirkung zu erzielen und Ziele zu erreichen. „Wirksame Führung beginnt nicht mit Methoden – sondern mit Klarheit darüber, wer man ist und wofür man steht“, betont die Expertin. Anstatt immer neuer Modelle lohne sich daher der Blick auf grundlegende Prinzipien:
-
Prinzip 1: Führung braucht Profil
„Menschen arbeiten für Menschen. Vertrauen bedingt Profil – nicht nur Kompetenz, nicht nur Rolle. Wirksame Führung bedingt, dass man als Führungskraft selbst weiß, wer man ist, wofür man steht, wohin man möchte, und dass dies klar erkennbar und auch benannt ist. Das gibt Orientierung und Sicherheit. Immerhin müssen andere Menschen entscheiden, ob sie mit einem arbeiten wollen oder nicht und vice versa. Somit stellt sich die zentrale Frage für jede Führungskraft: Warum sollte man für mich arbeiten?“
Profil statt Marketing.
-
Prinzip 2: Führung prägt Systeme
„Führung prägt Systeme und hat auch immer System – ob bewusst oder unbewusst. Die Frage ist nur: Bringt mir mein derzeitiges System die gewünschte Wirkung und somit den gewünschten Erfolg? Allein ist noch kein Weltimperium entstanden. Erfolg entsteht gemeinsam mit anderen und bedingt daher ein klares und konsequentes System. Ein System, in dem geordnet wird, was Priorität hat und welche Ziele verfolgt werden. Ein System, das klärt, wie die Dinge gemacht werden, von wem, wie und mit welchen Mitteln. Was wer verantwortet und entscheiden darf. Kurz: wie gemeinsam gearbeitet wird und wie gemeinsamer Erfolg entsteht. Ohne System keine Wirkung. Ohne Klarheit kein Erfolg. Je klarer und einfacher, desto besser.“
System baut Wirkung.
-
Prinzip 3: Führung verantwortet Wirkung
„Etwas Sinnvolles zu erschaffen, Ziele zu erreichen, Erfolg zu haben – ganz ehrlich, wer will das nicht? Nun gilt es, die definierten Ziele und das gebaute System zum Leben zu erwecken und damit zu arbeiten. Konsequent, wirksam, messbar. Wird klar entschieden oder wird vertagt? Wird Verantwortung übernommen oder abgeschoben? Werden der definierte Anspruch und die definierten Ziele konsequent gelebt? Ohne konsequente Umsetzung kein Erfolg. Ohne Erfolg kein Unternehmen.“
Erfolg konsequent ermöglichen.
Führung bleibt persönliche Gestaltung
Wie diese Prinzipien konkret umgesetzt werden, bleibe Aufgabe jeder Führungskraft selbst. Das eigene Profil, das passende System der Zusammenarbeit und die Art der Umsetzung sind laut Kastner persönliche Entscheidungen und verlangen kontinuierliche Reflexion und Weiterentwicklung. Eines bleibe dabei zentral: „Führung ist ein People Business. Menschen arbeiten mit Menschen. Gute Führung verbindet Klarheit in der Sache mit Menschlichkeit in der Umsetzung“, so Kastner.

Zur Person
Judith Kastner ist Strategin für Führung, Talent, Organisation und unternehmerische Wirkung. Die Unternehmensberaterin bringt über 20 Jahre internationale Erfahrung aus Konzernen, Management und Organisationsarbeit mit und verbindet als Wirtschaftswissenschaftlerin und Hochschullektorin fachliche Tiefe mit praktischer Erfahrung.