Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Drone Operations.
Wenn in einer Halle kleine Lichtpunkte mit hoher Geschwindigkeit hin- und herjagen, wirkt das vermutlich erst einmal wie eine Lasershow. Dahinter steckt aber der Versuch, eine neue Art von Sportveranstaltung aufzubauen: professionelles Drohnenrennen.
Die Drone Operations GmbH wurde 2021 in Innsbruck gegründet – die Geschäftsführung liegt bei Alexander Lena und Markus Stampfer. Das Start-up ist maßgeblich an der Organisation der international erfolgreichen Drone Champions League (DCL) beteiligt – einer Rennserie, die reale Events mit digitalen Strecken kombiniert.

Die Drohnenrennen können vor Ort, aber auch online vor dem Bildschirm verfolgt werden – die OrganisatorInnen sprachen zuletzt etwa von insgesamt mehreren hundert Millionen ZuschauerInnen.
Warum ist Drohnenrennen schwer als Sport und als Business zu etablieren?
Drohnenrennen sind gleichzeitig schnell, technisch und erklärungsbedürftig. Damit ein Publikum sieht, was passiert, braucht es Kamerabilder aus der Drohne, klare Regeln und ein Format, das auch am Smartphone funktioniert. Alexander Lena, einer der Eigentümer, beschreibt das Fliegen als Perspektivwechsel: PilotInnen tragen eine Videobrille und sehen die Strecke live aus Sicht der Drohne – „wenn man so will, dann ist der Pilot die Drohne“.
Dazu kommt die Frage der Glaubwürdigkeit: Reichweitenzahlen, die in der Szene kursieren, lassen sich von außen oft nur schwer prüfen, weil ein großer Teil über soziale Plattformen läuft. Gleichzeitig ist der Wettbewerb um Aufmerksamkeit groß – nicht nur gegen andere Sportarten, sondern auch gegen Gaming, Streaming und klassische E-Sports-Ligen.

Die DCL setzt auf kompakte Drohnen Modelle, die für hohe Geschwindigkeiten und gute Sichtbarkeit gebaut sind.
Wie macht Drone Operations daraus ein Produkt, das sich vermarkten lässt?
Indem das Start-up ein „Mixed-Reality“-Format baut: Rennen finden sowohl an realen Schauplätzen als auch auf digitalen Nachbildungen statt. Diese digitalen Strecken basieren auf dem Prinzip „Digital Twin“ – vereinfacht gesagt: echte Orte werden für virtuelle Rennen nachgebaut. Die Liga stellt außerdem einheitliche Rahmenbedingungen bereit und setzt auf Inszenierung (Licht, Kamerabilder, kurze Läufe), um die Rennen auch für Nicht-TechnikerInnen nachvollziehbar zu machen.
Ein zweites Standbein ist die Verbindung zum Gaming: Mit dem Rennsimulator DCL – The Game können NutzerInnen Strecken virtuell fliegen – auf Computer und Konsolen.
Und: Die Liga nutzt Hardware als Teil der Marke. Auf der Website wird etwa die „Big Drone“ vorgestellt – eine große Show-Drohne mit einer angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometer pro Stunde und einem maximalen Abfluggewicht von 165 Kilogramm. Für das eigentliche Rennen setzt die Liga auf kompaktere First-Person-View-Racing-Drohnen, die laut Betreiberangaben auf Aerodynamik und Sichtbarkeit ausgelegt sind (unter anderem mit Licht-Elementen und einer integrierten kleinen Kamera).
Finanziert wird das Gesamtkonstrukt laut Lena typischerweise über Sponsoren und Beiträge der Austragungsorte – also darüber, dass Städte und Veranstalter die Events anziehen und als Bühne nutzen.

Die „Big Drone“ ist deutlich größer als klassische Rennmodelle - mit einem maximalen Abfluggewicht von 165 Kilogramm.
Was kommt als Nächstes – und welche Fragen bleiben offen?
Als nächster Wachstumsschritt zeichnet sich der Ausbau internationaler Standorte ab. Die Liga kündigte Ende 2025 eine Partnerschaft mit der Tuwaiq Academy an, inklusive einer sogenannten „Drones Hub“ in Riad (Saudi Arabien). Parallel will die Drone Champions League das Thema autonomes Fliegen sportlich aufgreifen: In einem aktuellen Beitrag bewirbt die Liga eine neue Rennserie für autonome Drohnen, die den Vergleich zwischen Mensch und Maschine stärker ins Zentrum rückt.
Offen bleibt, wie groß der Markt tatsächlich wird – und wie dauerhaft sich Drohnenrennen als Mischung aus Sportevent, Medienformat und Spiel behaupten kann. Dazu kommt ein Punkt, der das Thema über den Sport hinauszieht: Drohnenkompetenz ist „Dual Use“ – sie kann zivil nützen, aber auch militärisch relevant sein. Das Start-up betont, es gehe um Rennsport - die Debatte über mögliche Nebeneffekte wird die Branche dennoch begleiten.

Die gelbe „Big Drone“ der Drone Champions League bei einem Flugmanöver – sie erreicht offenbar eine Geschwindigkeit von bis zu 140 Kilometer pro Stunde.