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Wir sollten aufhören, ChatGPT

Ein Astrophysiker rechnet mit dem Silicon Valley ab

Wir sollten aufhören, ChatGPT

Ein Astrophysiker rechnet mit dem Silicon Valley ab

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Im 2024 erschienenen Buch „More Everything Forever“ geraten die Tech-Eliten des Silicon Valley bei US-Astrophysiker Adam Becker ins Kreuzfeuer. Seine These: Wenn Visionäre wie Sam Altman, Elon Musk oder Peter Thiel freie Hand bekämen, drohe nicht technischer Fortschritt, sondern der schrittweise Zerfall gesellschaftlicher Ordnung.

Becker sieht in den aktuellen KI-Strategien weniger Aufklärung als eine Mischung aus Heilsversprechen, Machtstreben und ökonomischer Kurzsicht.

„Sie wissen nicht, was sie tun“

Die Vordenker der Künstlichen Intelligenz beschreibt Becker als Männer, die vor allem daran interessiert seien, Kapital und Einfluss zu maximieren – ohne die langfristigen Risiken ihrer Technologien wirklich zu verstehen. Besonders im Fokus steht Sam Altman, CEO von OpenAI, dessen Sprachmodell ChatGPT weltweit von Hunderten Millionen Menschen genutzt wird.

„Diese Menschen verstehen nicht einmal, dass ihre Ideen auch ihnen selbst schaden“, sagt Becker im Gespräch. In der Branche dominiere eine ideologische Mischung aus Technikglaube, Marktlogik und Größenwahn; Regulierung und Verantwortung liefen dieser Denkweise strukturell hinterher.

Das Ergebnis sei eine Entwicklung immer mächtigerer KI-Systeme ohne ausreichende gesellschaftliche Rückbindung – ein globales Experiment mit ungewissem Ausgang.

Nicht Jobverlust – sondern Machtverlust

Im Unterschied zu vielen KI-Kritiken richtet Becker den Blick nicht primär auf Automatisierung oder mögliche Arbeitsplatzverluste. Seine Sorge: Systeme wie ChatGPT könnten demokratische Prozesse untergraben, Macht in wenigen Händen konzentrieren und die gesellschaftliche Selbstbestimmung aushöhlen.

Schon 2023 forderte das Future of Life Institute in einem offenen Brief ein Moratorium für besonders leistungsfähige KI-Modelle – als Reaktion auf Risiken wie KI-Propaganda, Jobvernichtung und Kontrollverlust. Becker geht noch weiter: Er plädiert dafür, die Nutzung solcher Systeme vorerst komplett zu stoppen. Erst wenn Risiken, Kontrollmechanismen und ethische Rahmenbedingungen geklärt seien, könne man über eine verantwortbare Integration nachdenken.

Visionen ohne Verantwortung

Beckers Kritik richtet sich auch gegen die Erzählungen, mit denen die Tech-Eliten ihre Agenda begründen: Transhumanismus, künstliche Superintelligenz oder die Kolonisierung des Mars erscheinen futuristisch, verschleiern nach seiner Lesart aber reale Machtansprüche in der Gegenwart.

Elon Musk, lange selbst an OpenAI beteiligt, und Peter Thiel, Mitgründer des Datenanalysekonzerns Palantir, stehen für ein Denken, das technologische Machbarkeit systematisch über politische und soziale Folgen stellt. In einer Welt, in der wenige Konzerne zentrale digitale Infrastrukturen kontrollieren, ist das aus Beckers Sicht ein gefährlicher Irrweg.

Die entscheidende Frage: Wer kontrolliert die KI?

Für Becker sind Systeme wie ChatGPT keine bloßen Werkzeuge, sondern potenzielle Machtinstrumente – vergleichbar mit kritischer Infrastruktur, die über Zugang zu Information, Aufmerksamkeit und politischer Willensbildung entscheidet. Der öffentliche Diskurs müsse sich deshalb weniger auf technische Möglichkeiten und mehr auf Kontrolle, Transparenz und demokratische Regulierung konzentrieren.

Sein radikaler Appell, die Nutzung großer KI-Systeme zunächst zu beenden, trifft einen Nerv in einer Debatte, in der inzwischen auch Entwickler selbst vor existenziellen Risiken warnen. Denn im Kern geht es aus Beckers Sicht längst nicht mehr um Technologie – sondern um die Frage, wer unsere digitale Zukunft gestaltet und wessen Interessen dabei zählen.

07. Februar 2026 | AutorIn: top.tirol Redaktion | Foto: Shutterstock

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