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SERWAS

Ein Start-up heizt ordentlich ein

SERWAS

Ein Start-up heizt ordentlich ein

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Heizen mit Servern statt mit Gas: Ein Gründerteam aus Innsbruck nutzt die Abwärme digitaler Infrastruktur als Energiequelle. Was als Experiment in einer Backstube begann, entwickelt sich zum skalierbaren Geschäftsmodell – mit Ambitionen über Österreich hinaus. 

Manchmal sind es unscheinbare Entscheidungen, die große Wirkung entfalten. Für Timo Berkmann und Manuel Untergasser war es die Wahl ihres Auslandssemesters in New Orleans. Dass dieser Schritt ihr Leben nachhaltig prägen würde, ahnten sie damals nicht. Sie entwickelten dort weder eine bahnbrechende Technologie noch gewannen sie Millionen. Sie lernten sich schlicht kennen. Fünf Jahre später trafen sie sich in ihrer ehemaligen Studentenheimat Innsbruck wieder – und gründeten das Start-up Serwas. 

Wir treffen die zwei Gründer an einem Freitag im Co-Working-Space Inncubator. Wo normalerweise viele Leute sitzen, ist es heute leer. Nur zwei Schreibtische sind besetzt – und fallen sofort ins Auge. „Die mit dem größten Chaos sind unsere“, sagt Manuel Untergasser und lacht. Es wirkt wie aus dem Bilderbuch der Start-up-Szenen – improvisiert, locker, ein wenig provisorisch. Und doch wird schnell klar: Hinter der Lässigkeit steckt ein durchdachtes Konzept.  

Noch ein Wärme-Start-up? 

Der Markt für nachhaltige Energielösungen boomt. Entsprechend dicht ist das Feld an Konzepten, Pilotprojekten und Fördermodellen. In diesem umkämpften Umfeld positioniert sich das Unternehmen mit einem Ansatz, der zwei bislang getrennte Bereiche zusammendenkt: digitale Rechenleistung und Wärmeversorgung. 

„Kern des Modells ist die Nutzung von Abwärme, die beim Betrieb von Servern entsteht“, bringt es der Gründer Timo Berkmann auf den Punkt. In klassischen Rechenzentren muss diese Energie üblicherweise mit großem technischen Aufwand abgeführt werden. Serwas setzt stattdessen auf einen dezentralen Ansatz: Die Geräte werden direkt in Gebäuden installiert, in denen Wärme benötigt wird – egal ob Firmenflächen oder Privathaushalte. So entsteht ein Doppelnutzen – Heizenergie für das Objekt und gleichzeitig Rechenkapazität zunächst über Bitcoin-Mining, künftig verstärkt für KI-Anwendungen. 

„Wir platzieren die Server dort, wo die Wärme gebraucht wird – nicht in separaten Hallen“, erklärt er. Der Verzicht auf zusätzliche Infrastruktur reduziere dabei nicht nur Kosten, sondern auch Energieverluste. Damit sei das Modell sowohl eine wirtschaftlich tragfähigere wie auch ökologisch sinnvollere Alternative zu herkömmlichen Lösungen. 

 

„Wir platzieren die Server dort, wo die Wärme gebraucht wird – nicht in separaten Hallen.“ 

Timo Berkmann 

 

Abwärme mit Mehrwert 

Der Ursprung der Idee liegt in einem ganz praktischen Problem. Timo Berk­manns Vater betreibt eine Bäckerei in Vorarlberg. Als dort im Winter nur noch einmal pro Woche gebacken wurde, kühlten die Räume aus und der Teig ging nicht mehr richtig auf. So war klar, dass eine neue Heizung hermusste. Zunächst standen Infrarotpaneele zur Debatte – bis Berkmann eine andere Überlegung anstellte: „Wenn Strom ohnehin in Wärme umgewandelt wird, warum diesen Effekt nicht gezielt einsetzen?“, fragte sich der Ingenieur. 

Kurzerhand installierte der 29-Jährige einen luftgekühlten Server in der Backstube. Der Raum wurde warm und der Teig ging wieder auf. Was als pragmatische Lösung begann, entwickelte sich schrittweise weiter: Umbauten, Tests, schließlich der Wechsel zur Wasserkühlung, um die Energie auch in den Sommermonaten nutzbar zu machen. Aus dem Provisorium entstand ein Prototyp – und daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell. 

 

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Die Technik hinter dem Konzept: Ein Serwas-Server liefert digitale Rechenleistung und nutzt die entstehende Abwärme als Heizquelle. 

 

Aller guten Dinge sind drei 

Nachdem sich Berkmann, studierter Bau- und Ingenieurwissenschaftler, und der Wirtschaftswissenschaftler Untergasser zusammengeschlossen hatten, wurde schnell klar, dass im Team noch eine zentrale Kompetenz fehlte. Mit Lucas Bolte holten sie sich schließlich Programmierexpertise ins Boot – und komplettierten damit das Gründertrio. 

Dass ein Unternehmen anders funktioniert als eine Studenten-WG, wurde den Gründern schnell bewusst. Freundschaft allein ersetzt keine klaren Rollen und auch keine strukturierten Entscheidungsprozesse. „Wir sind grundverschieden – und genau das macht uns schlagkräftig“, betont Untergasser. 

So sieht er sich eher als Ruhepol, während Lucas schneller nervös wird, aber die anderen zwei bei unangenehmen Themen vorantreibt. Entscheidungen fallen dann oft demokratisch, notfalls mit Zwei-gegen-eins-Mehrheit. „Zu dritt sind wir schnell genug für mutige Schritte und stabil genug für schwierige Phasen“, ist der Südtiroler überzeugt. 

 

„Wir sind grundver­schieden – und genau das macht uns schlagkräftig.“ 

Manuel Untergasser 

 

Auf Höhenflug 

Seit September 2024 ist Serwas nun am Markt – und der Start verlief durchaus erfreulich. Das Team erhielt früh Zuspruch aus unterschiedlichen Richtungen und konnte sich mehrere Förderungen sichern, unter anderem von aws und MCI. Auch institutionell blieb die Idee nicht unbeachtet: Die WKO nominierte das Unternehmen für den Innovationspreis in der Kategorie „Konzept mit Potenzial“. Beim Demo Day von Startup.Tirol, bei dem neun junge Firmen ihre Geschäftsmodelle präsentierten, gewann Serwas zudem den Jurypreis. „Wenn externe ExpertInnen unser Modell auszeichnen, zeigt das: Wir lösen ein reales Problem, und nicht nur ein theoretisches“, freut sich Berkmann. 

Trotzdem gehen Freud und Leid in der Start-up-Welt bekanntermaßen oft Hand in Hand. „Wir haben viel Geld, Zeit und Energie investiert – das Risiko, alles zu verlieren, ist ständiger Begleiter“, sagt der Vorarlberger. Kleine Rückschläge habe es zudem auch schon oft gegeben. Entscheidend sei aber, mit ihnen umzugehen. „Wir haben gelernt, uns nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und keinesfalls aufzugeben.“  

 

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Nächste Ausbaustufe 

Der Wachstumskurs ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Erst vor Kurzem hat Serwas eine Kooperation mit der IKB vereinbart. So soll das Heizsystem künftig im Amraser Schwimmbad zum Einsatz kommen. Gleichzeitig stellt das Gründerteam die Weichen für die nächste Phase. In geplanten Finanzierungsrunden soll frisches Kapital eingeworben werden. „Wir wollen Mittel aufnehmen, um unsere technische Basis selbst auszubauen“, sagt Untergasser. Ziel sei eine skalierbare Serverlandschaft, die über einzelne Anwendungen hinausgeht und langfristig in eine eigene Cloud-Struktur münden soll. Der Blick richtet sich damit über Österreich hinaus: Mittelfristig soll das Modell auch in anderen europäischen Märkten Fuß fassen. 

 

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Timo Berkmann 

Der Vorarlberger ist der Ideengeber hinter Serwas. Seine berufliche Laufbahn begann der 29-Jährige mit einer Lehre als Zimmermann, bevor es ihn zum Studium der Bau- und Ingenieurwissenschaften nach Innsbruck zog.  

 

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Manuel Untergasser 

Der 28-jährige Südtiroler kam für sein Studium der Wirtschaftswissenschaften nach Innsbruck – und blieb der Stadt auch danach treu. Vor Serwas war er in der Photovoltaik­branche und ist nun für den betriebswirtschaftlichen Bereich verantwortlich. 

29. März 2026 | AutorIn: Anna Füreder | Foto: Gerhard Berger, Johannes Aitzetmüller

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