Eingabehilfen öffnen

Skip to main content
Rankings - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Rankings
Unternehmensverzeichnis - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Unternehmen
Newsletter - top.tirol - Wirtschaftsnachrichten aus Tirol
Newsletter
Queen of Start-ups

Ein Tag mit Lisa Spöck

Queen of Start-ups

Ein Tag mit Lisa Spöck

Artikel teilen

Ob kluge Geschäftsideen oder mutige Experimente: Start-ups treiben Tirols Innovationskraft an – und Startup.Tirol ebnet ihnen ein Stück weit den Weg. top.tirol hat Geschäftsführerin Lisa Spöck einen Tag lang begleitet und erlebt, wie vielfältig und mutig die Szene wirklich ist.

Es ist ein kalter Dezemberabend. Bei der Weihnachtsfeier von Startup.Tirol und dem „InnCubator“ steht Lisa Spöck auf der Bühne – grinsend, das Mikrofon fest in der Hand. „Was wir machen? Wir erstellen Businesspläne, die so kompliziert sind, dass sie keiner versteht. Aber wir präsentieren sie gut. Und die Erfahrung zeigt: Es funktioniert.“ Mit dem Satz bringt sie den Saal zum Lachen und wirkt dabei selbstironisch und ausgelassen. Wir haben die Geschäftsführerin einen Tag lang begleitet und dabei viel über die junge Gründerszene des Landes erfahren – aber erst einmal von vorne.

Vor dem Ideensturm

Der Tag beginnt leise: Die Kaffeemaschine surrt, während draußen noch ein Hauch Morgendämmerung über der Stadt liegt. Spöck nimmt den ersten Schluck und sinkt in die Sitzecke der Standortagentur, wo auch Startup.Tirol zu Hause ist. „Eigentlich bin ich eher Nachteule als Frühaufsteherin“, sagt sie – wirkt dafür aber erstaunlich wach. Die tägliche Zugstunde aus ihrer Heimat Wildschönau hat sie vermutlich schon längst in den Tag katapultiert. „Dürfte ich mir eine Superkraft wünschen, wäre es eindeutig Beamen“, meint sie und grinst, bevor ihr Blick auf den vollgetakteten Kalender fällt.

Wie aus Neugier ein Beruf wurde

Seit zehn Jahren ist die Unterländerin in der Standortagentur Tirol für Start-ups tätig. „Schon als Kind habe ich gesagt: Ich will etwas Neues erschaffen“, erinnert sie sich schmunzelnd. Heute tut sie genau das, wenn auch indirekt: Sie begleitet Menschen dabei, ihre Ideen in Unternehmen zu verwandeln.

Nach ihrem Studium führte sie ihr Weg 2016 zur Standortagentur, später wurde sie Prokuristin von Startup.Tirol, 2025 schließlich Geschäftsführerin. „In der Prokura konnte ich in viele Aufgaben hineinwachsen. Viel hat sich gar nicht verändert – außer, dass die letzte Entscheidung jetzt wirklich bei mir liegt“, sagt sie keineswegs eingeschüchtert.

Seither besteht ihr Arbeitstag fast durchgehend aus organisatorischen Aufgaben: Budgetabstimmungen, Termine mit GesellschafterInnen oder mit Gründungszentren anderer Bundesländer. „Ich mache aber auch Jurytätigkeiten oder besuche Veranstaltungen. Das ist mir wichtig, um die Start-ups noch zu spüren.“

Lisa_Spöck_fc_Gerhard_Berger.jpeg

Begleiten, vernetzen, stärken

Was Startup.Tirol genau macht, erklärt Spöck so: „Unsere Vision ist es, Start-ups und Entrepreneurship voranzutreiben, um die Welt ein Stück besser zu machen.“ Das Team arbeitet entlang dreier Schwerpunkte: Bewusstseinsbildung, Vernetzung und Begleitung von GründerInnen. Herzstück ihrer Arbeit ist dabei das Förderprogramm Boost.Up! Zweimal im Jahr werden sechs Start-ups ausgewählt, die eine Förderung des Landes erhalten und bis zu 20.000 Euro etwa in die Produktentwicklung investieren können. Dazu kommen individuelle Beratung sowie Workshops, die das notwendige Rüstzeug für den Markteinstieg vermitteln – darunter Marketing, Vertrieb und Leadership. „Damit kann ein Geschäftsmodell nachhaltig aufgebaut werden“, weiß die Spezialistin. Und die Zahlen geben ihr recht: Während durchschnittlich nur 50 Prozent der Start-ups nach sieben Jahren noch bestehen, sind es mit einem Förderprogramm rund 80 Prozent.

Trotzdem gibt’s noch einiges zu tun – JungunternehmerInnen gehen hierzulande nämlich tendenziell weniger Risiko ein. „Eine Gründung birgt immer die Möglichkeit des Scheiterns – und genau das schreckt viele ab“, erklärt die Szenenkennerin. Hinzu komme, dass Scheitern gesellschaftlich immer noch verpönt sei. „Ich wünsche mir, dass Misserfolge mehr Anerkennung finden. Man lernt daraus – und mit mehr Mut entsteht auch mehr Innovation.“

Rituale im Arbeitsalltag

Um 10 Uhr steht der wöchentliche Jour fixe an. Dafür versammelt sich das sechsköpfige Team im Konferenzraum. „Bevor wir starten, würde ich euch bitten, dass jede kurz sagt, wem man heute danken möchte“, eröffnet Spöck die Runde. Eine Mitarbeiterin bedankt sich für die Unterstützung bei einem Projekt, eine andere für die Hilfe im hektischen Tagesgeschäft. Nacheinander teilen die Kolleginnen ihre kleinen Wertschätzungsmomente. Gendern erübrigt sich in diesem Fall übrigens, da das Team ausschließlich aus Frauen besteht.

 

„Ich wünsche mir, dass Misserfolge mehr
Anerkennung finden. Man lernt daraus – und mit mehr Mut entsteht auch mehr Innovation.“

- Lisa Spöck

 

Danach geht’s an die Agenda: eine neue Förderung, der nächste Newsletter, der anstehende Demo Day. Zum Schluss richtet sich Spöck an ihre Mitarbeiterin Lea: „Und wir möchten dir noch zu deiner bestandenen Prüfung gratulieren.“ Sie greift in ihre Tasche und zieht eine selbstgemachte Krone hervor. Lachen geht durch den Raum. „Diese Krone hat bei uns Tradition. Immer wenn jemand etwas erreicht, bekommt sie sie. Das letzte Mal war ich selbst dran – als ich Geschäftsführerin wurde“, erklärt die Unterländerin und macht sich auf zum nächsten Termin.

Ein Ökosystem im Wandel

In den zehn Jahren, die Spöck nun in der Start-up-Szene unterwegs ist, hat sich vieles verändert. Früher kam es deutlich häufiger vor, dass junge Unternehmen abwanderten, weil ihnen zu wenig Unterstützung geboten wurde. „Das hat sich stark gewandelt“, meint die Insiderin. „Es ist hierzulande eine wirklich coole Start-up-Szene mit einem funktionierenden Ökosystem entstanden. Junge GründerInnen werden gefördert, können sich vernetzen – und davon profitiert letztlich die gesamte Wirtschaft.“

Dabei sind Start-ups zahlenmäßig ein kleines Segment: Rund 1 Prozent aller Neugründungen, aber in etwa 29 Prozent der Wertschöpfung gehen auf sie zurück. „Start-ups treiben Innovationen an. Man muss nur an Amazon, Netflix oder Airbnb denken – es gibt unzählige Beispiele dafür. Genau deshalb ist es wichtig, sie zu fördern“, betont Spöck.

Auch die thematischen Schwerpunkte haben sich über die Jahre deutlich ausdifferenziert. „Hochschulen und Universitäten spielen eine wichtige Rolle, ebenso das ‚MedLifeLab‘“, sagt sie. Daher gibt es in Tirol viele Start-ups im Bereich Life- und Health-Science. Zudem ist die Quantentechnologie stark vertreten und auch im Tourismus entstehen spannende Projekte. Besonders sichtbar ist die heimische Szene aber im Female Empowerment. „Mir ist es ein großes Anliegen, Frauen zum Gründen zu motivieren“, sagt Spöck. Derzeit ist nur ein Fünftel der GründerInnen weiblich. Das liege einerseits an der geringeren Risikobereitschaft. Andererseits fehlten oft passende Rahmenbedingungen wie verlässliche Kinderbetreuung. Um gegenzusteuern, setzt Startup.Tirol auf gezielte Maßnahmen, etwa den Female-Empowerment-Stammtisch, der Austausch und Sichtbarkeit fördert. „Wir haben außerdem eine Workshop-Reihe mit Forscherinnen organisiert, damit sie ihre Ideen weiterentwickeln können“, räumt Spöck ein.

Frische Impulse

Nach mehreren Calls und Abarbeiten der angefallenen Mails machen sich Spöck und ihr Team auf zur Weihnachtsfeier, bei der sich die bunte Gründerszene trifft. Rund 50 JungunternehmerInnen aus dem „InnCubator“ und von Startup.Tirol sind gekommen, unterhalten sich bei Getränken und Pizza und erzählen einander von ihren Geschäftsmodellen – manche visionär, andere erscheinen eher unkonventionell. Für die Geschäftsführerin ist das nicht verwunderlich. „Es passiert nicht oft, aber manchmal klingt eine Idee tatsächlich nicht besonders tragfähig“, meint sie. „Dann haken wir nach und stellen kritische Fragen. Meist wird das Modell danach noch ein paar Mal überarbeitet.“

Als Programmpunkt steht – wie könnte es anders sein – ein Pitch an, allerdings keiner der üblichen Sorte. Beim Pitchkaraoke treten Teams auf die Bühne, während auf der Leinwand zufällig ausgewählte, völlig zusammenhanglose Bilder erscheinen. Die Aufgabe: spontan eine Geschichte daraus bauen und sie überzeugend verkaufen. Auch Lisa Spöck macht mit – Mikrofon in der Hand, grinsend. Auf der Leinwand erscheint ein Foto von einer Person, die Formeln auf ein Whiteboard kritzelt. „Was wir machen? Wir erstellen Businesspläne, die so kompliziert sind, dass sie keiner versteht“, scherzt sie ins Publikum. „Aber wir präsentieren sie gut. Und die Erfahrung zeigt: Es funktioniert.“ Der Saal lacht, die Bilder wechseln weiter und Spöck übergibt das Mikro an ihren Kollegen.

04. Februar 2026 | AutorIn: Anna Füreder | Foto: Gerhard Berger

top.tirol Newsletter

Wir informieren Sie kostenlos und wöchentlich über Tirols Wirtschaftsgeschehen