Vom einstigen „rauchenden Teufel“ zum Symbol des wirtschaftlichen Fortschritts: Die sogenannte Giselabahn feiert heuer ihr 150-jähriges Bestehen.
Am 6. August 1875 wurde die Salzburg-Tiroler-Bahn unter der Habsburgermonarchie für den Verkehr freigegeben – und katapultierte die teils entlegenen Dörfer entlang der Strecke damit quasi über Nacht in die Neuzeit. Wörgl entwickelte sich damit zum ersten Eisenbahnknotenpunkt Westösterreichs – und sollte bis heute ein wichtiges Schienenkreuz bleiben.
Zahlen, Daten, Fakten
- Drei Jahre lang wurde mit rund 11.000 Mann an der Strecke gebaut, bevor die „Giselabahn“, wie sie im Volksmund genannt wird, die Orte Hallein und Wörgl und damit auf 192 Kilometern das Salzburger Land mit Tirol vereinte.
- Über 6.648.000 Kubikmeter Erd- und Felsmassen wurden bewegt, knapp 566.000 Kubikmeter Mauerarbeiten geleistet sowie 385 Brücken in Eisenkonstruktion errichtet.
- Die Gesamtkosten des Baus beliefen sich auf über 41 Millionen Gulden – heute wären das umgerechnet etwa 600 Millionen Euro.
- 1876, im ersten vollständigen Betriebsjahr, wurden 532.722 Personen und 219.314 Tonnen Fracht befördert.
- Namensgeberin für die Giselabahn war Erzherzogin Gisela von Österreich und Prinzessin von Bayern (1856-1932), die zweite Tochter von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth („Sisi“).
(Quelle: Buch „150 Jahre Giselabahn“ vom Heimatverein Pillersee)
Rollende Wirtschaft
Mit dem Bau der Salzburg-Tiroler-Bahn verfolgte Kaiser Franz Joseph I. ein militärstrategisches Ziel: Durch die innerösterreichische Zugverbindung erhoffte sich der ehemalige Kaiser sowohl einen schnelleren als auch einen sichereren Transport seiner Truppen. Doch auch der wirtschaftliche Aufschwung der neuen Verkehrsader war nicht zu übersehen: Begehrte Güter wie Holz, Kohle, Magnesit sowie andere Baumaterialien und landwirtschaftliche Produkte konnten nun bequem mit der Bahn befördert werden – dem heimischen Handel eröffneten sich damit neue Absatzmärkte.
St. Johann in Tirol entwickelte sich damals zum wirtschaftlichen Zentrum der Region, aus der unter anderem das große Sägewerk („Klausnerssäge“), das „Kashaus“ mit einer Sennerei sowie später das Raiffeisen-Lagerhaus mit einem Getreidesilo hervorgingen. Auch die Großviehhandlung Huber, bis 1970 sogar der größte Schlachthof Westösterreichs, profitierte von der Salzburg-Tiroler-Bahn und transportierte sowohl das Vieh als auch das verarbeitete Fleisch damit.
Tourismus auf Schienen
Die Giselabahn verkürzte darüber hinaus auch für die Menschen zahlreiche Wege und bot ab sofort eine Anbindung an das internationale Schienennetz: Sommerfrischler fanden den Weg in die Region und bescherten neben Zell am See auch dem Tiroler Unterland eine florierende Zukunft. Der aufkeimende Alpinismus rückte vor allem Kitzbühel in den Mittelpunkt, doch auch das Brixental begrüßte neue Gästeschichten und fing an, sich zu einem bedeutenden Fremdenverkehrspunkt zu entwickeln. Und Hochfilzen, auf 959 Metern Seehöhe der höchste Punkt der Zugverbindung, wurde als Tagesausflugsziel entdeckt.
Im Jahre 1888 erfolgte ein weiterer Schritt, der zur Modernisierung der Region und Verbesserung der Lebensqualität in den Gemeinden entlang der Giselabahn-Strecke führte: Ein Verschönerungsverein wurde ins Leben gerufen, eine Art Vorläufer der heutigen Tourismusverbände. Dieser kümmerte sich um die Attraktivierung der Dörfer, baute die örtliche Infrastruktur aus, hielt Wege instand und kümmerte sich zudem um die Anwerbung künftiger Gäste. Somit war der Grundstein für den modernen Tourismus gelegt, wie wir ihn heute kennen.
Zeitreise und Sternfahrt
- Noch bis 17. August lädt die Sonderausstellung „150 Jahre Giselabahn“ bei freiem Eintritt ins Kulturhaus in Hochfilzen ein. Eine 80 Meter lange und 200 Schienen umfassende Eisenbahn-Modellanlage, Infotafeln mit Allerlei Wissenswertem der Eisenbahn-Geschichte, verschiedenste Zugmodelle sowie Fotos und der Film „Chapeau, Gisela!“ dokumentieren dort die 150-jährige Geschichte der Zugverbindung zwischen Hallein und Wörgl.
- Die Geschichte der Eisenbahn sowie Geschichten rund ums Zugfahren vereint auf 185 Seiten das Buch „150 Jahre Giselabahn“ des Heimatvereins Pillersee.
- Am 31. Juli 2025 wurde als Höhepunkt der 150-Jahr-Feierlichkeiten eine Jubiläumsfahrt von Wörgl bzw. Zell am See nach Hochfilzen begangen. Neben Landesrat René Zumtobel war auch top.tirol mit dabei.















