Die Industriellenvereinigung (IV) Tirol fordert eine Senkung der Lohnnebenkosten und mehr politische Unterstützung. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) Tirol warnt hingegen vor einem gefährlichen Rückbau des Sozialstaates.
Auslöser ist eine Analyse im Auftrag der IV-Tirol: 2024 habe die Tiroler Industrie 181 Millionen Euro in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt, aber nur 30 Millionen zurückerhalten. IV-Präsident Max Kloger fordert daher niedrigere Lohnnebenkosten und Investitionen in Qualifizierung: „Wenn Tirol überdurchschnittlich einzahlt, muss sich das auch in höheren Budgets für Qualifizierungsmaßnahmen im Kampf gegen den Fachkräftemangel im eigenen Land widerspiegeln.“ Die Industrie sei mit 407 Betrieben, 40.000 Beschäftigten und 13,5 Milliarden Euro Wertschöpfung ein stabilisierender Faktor. Österreichs hohe Arbeitskosten (44,5 Euro pro Stunde) und Abgabenquote (43,5 Prozent) würden die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.
„Territoriales Branchendenken“
Der ÖGB Tirol kritisiert das scharf. Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied nennt das Argument eines Ungleichgewichts „territoriales Branchendenken“, das dem solidarischen Prinzip widerspreche: „Wenn die Industrie in Tirol heute gut dasteht, ist das sehr erfreulich. Aber das darf nicht dazu führen, dass man nur bis zur Bundesländergrenze denkt.“ Eine Senkung der Lohnnebenkosten bedeute langfristig Mehrkosten – entweder durch Steuererhöhungen oder durch Kürzungen bei Leistungen wie Pflege, Kinderbetreuung oder Infrastruktur. Sie verweist auf den Nutzen des Solidarsystems – etwa bei Massenkündigungen – und fordert gesamtheitliches Denken. Trotz gegensätzlicher Ansichten betonen beide Seiten die Rolle der Industrie für Tirol. Föger-Kalchschmied verweist auf die Herbstlohnrunde in der Metallindustrie: „Dieser positive Blick der IV auf die Tiroler Industrie darf auch bei der anstehenden Herbstlohnrunde für die Beschäftigten gelten.“