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Rechnungshof warnt

Fehlende Kontrolle im Online-Handel kostet Österreich Milliarden

Rechnungshof warnt

Fehlende Kontrolle im Online-Handel kostet Österreich Milliarden

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Der österreichische Rechnungshof (RH) schlägt Alarm: Im grenzüberschreitenden Online-Handel werden zwar Milliarden umgesetzt, doch die steuerliche Kontrolle bleibt unzureichend. Laut dem aktuellen Prüfbericht des RH setzte der österreichische Online-Handel im Jahr 2024 insgesamt rund elf Milliarden Euro um – mehr als sechs Milliarden Euro davon entfielen auf ausländische Anbieter.

Damit wächst die Bedeutung der Umsatzsteuer ausländischer Versandhändler deutlich. Österreich nahm laut Finanzministerium im Jahr 2023 rund 1,26 Milliarden Euro Umsatzsteuer von ausländischen Onlinehändlern ein – die entsprechenden Umsätze blieben jedoch weitgehend ungeprüft.

Mangelhafte Umsetzung von Kontrollmaßnahmen

Trotz mehrfacher Empfehlungen des Rechnungshofs habe das Finanzministerium zentrale Kontrollmechanismen bislang nicht umgesetzt, heißt es im Bericht. Österreich gehört zwar zu den EU-Staaten mit den höchsten Mehrwertsteuereinnahmen aus dem grenzüberschreitenden Online-Handel, doch eine angemessene Überwachung fehle. Der RH kritisiert insbesondere, dass keine ausreichenden personellen und technischen Ressourcen zur Verfügung gestellt wurden, um Missbrauch und Steuerbetrug effektiv zu verhindern.

Schwachstellen im One-Stop-Shop-System

Besonders problematisch sind laut Rechnungshof die bestehenden Lücken im sogenannten One-Stop-Shop-System (OSS), über das Händler ihre EU-weiten Umsatzsteuerpflichten zentral abwickeln. Ende 2024 waren rund 148.000 Unternehmen registriert, um Steuern für Verkäufe nach Österreich abzuführen – bis Jänner 2025 wurden jedoch lediglich 20 Betriebsprüfungen abgeschlossen. Eine automatisierte Risikoanalyse, um auffällige Händler zu identifizieren, existiere nicht. Dadurch sei unklar, ob Österreich tatsächlich alle ihm zustehenden Abgaben erhält, so der RH. Diese mangelnde Kontrolle führe zudem zu Wettbewerbsnachteilen für heimische Händler, die weit stärker überwacht werden.

Milliardenschäden durch Kleinsendungen

Ein weiteres Einfallstor für Steuerbetrug sieht der Rechnungshof bei Kleinsendungen unter 150 Euro aus Drittstaaten. 2024 erreichte die Zahl solcher Importe in die EU rund 4,6 Milliarden Pakete – doppelt so viele wie im Vorjahr. Das derzeitige System sei laut RH „kaum kontrollierbar“. Zudem würden die auf den Sendungen aufgedruckten steuerlichen Identifikationsnummern ein zusätzliches Risiko schaffen, da diese leicht missbräuchlich verwendet werden könnten.

Auch die mangelnde Verknüpfung zwischen Zoll- und Steuerdaten erschwert die Kontrolle. Ob für einzelne Pakete tatsächlich Umsatzsteuer abgeführt wurde, lasse sich meist nicht nachvollziehen. Der RH fordert daher eine EU-weite Systemreform mit eindeutiger Sendungsverfolgung sowie die Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze, wie sie derzeit von den EU-Finanzministern diskutiert wird.

Handelsverband fordert rasches Handeln

Der österreichische Handelsverband begrüßt die Kritik des Rechnungshofs. Geschäftsführer Rainer Will erklärte, der Bericht bestätige langjährige Warnungen der Branche: „Österreich kämpft im grenzüberschreitenden Online-Handel mit massiven Steuerausfällen in Milliardenhöhe.“ Der Verband fordert daher eine konsequente Umsetzung der RH-Empfehlungen und europaweit einheitliche, digital verknüpfte Kontrollsysteme.

14. Februar 2026 | AutorIn: top.tirol Redaktion | Foto: Shutterstock

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