Viele Start‑ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: GMD.
Die GMD GmbH aus Innsbruck entwickelt KI-gestützte Sensoriklösungen zur Frühwarnung bei Naturgefahren wie Steinschlag, Hochwasser oder Hangrutschungen. Seit der Gründung im Februar 2024 durch Steve Weingarth arbeitet das Unternehmen daran, alpine Regionen besser gegen klimabedingte Risiken zu rüsten.

GMD-CEO Weingarth bei der Installation einer Wetterstation in einem Skigebiet zur präziseren Vorhersage von Wetterereignissen und effektiveren Beschneiung
Problem
Der Klimawandel führt zu häufiger auftretenden Extremereignissen wie Starkregen, Muren oder Steinschlag – oft ohne ausreichend vorausschauende Systeme. Laut Weingarth fehlt die technologische Infrastruktur, um solche Gefahren frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren. Die meist reaktive Herangehensweise birgt Risiken für Menschen und Infrastruktur.

Dreharbeiten zur ORF-Dokumentation „DOK 1 – Leben in der Gefahrenzone"
Lösung
GMD kombiniert IoT‑Sensoren (Internet‑of‑Things) mit Radartechnologie und künstlicher Intelligenz (KI). So lassen sich Bewegungen im Gelände, Pegelstände oder Verformungen an Schutzbauten in Echtzeit erfassen. Daher auch der Name des Start-ups, der für geomorphologische Detektion steht.
Die Daten werden in einer GIS‑Risikoanalyseplattform (GeoSenseAI) verarbeitet und liefern Prognosen für mögliche Gefahren. Erste Pilotanlagen wurden bereits in Kufstein installiert – etwa an der Festung zur Überwachung von Steinschlagnetzen. Weitere Kooperationen gibt es mit Infineon, dem Deutschen Alpenverein (DAV), der Universität Innsbruck und dem Land Tirol.

In der Modellregion Kufstein wurden Pilotanlagen von GMD etwa an der Festung Kufstein installiert.
„Wir wollen die technologische Lücke zwischen Zivilschutz, Klimaanpassung und Echtzeit-Datenanalyse schließen", erklärt Gründer und CEO gegenüber top.tirol. Das Ziel von GMD sei es jedenfalls - insbesondere im alpinen Raum, wo die Bedrohung durch Naturgefahren größer als im Flachland ist - ein digitales Schutznetz zu entwickeln. Oder wie es Weingarth ausdrückt: „Unser Ziel ist ein resilienteres Tirol.“

Hoch hinaus: Eine Messtation am Rande eines Gletschers
Ausblick
In Modellregionen wie Kufstein oder rund um die Prager Hütte will GMD das System weiter ausrollen und durch zusätzliche Wetterstationen oder Besucherzählung erweitern. Weitere Projekte in der Schweiz, Erweiterung des Teams und Ausbau der Technologie sind in Vorbereitung. Durch offene Schnittstellen und energieautarke Systeme setzt GMD auf ein langfristig wartbares Konzept. Die Auszeichnung als Verified Social Enterprise 2024 unterstreicht den gesellschaftlichen Anspruch des Start‑ups.

Vortrag zur Quellenschüttung auf der Neuen Prager Hütte im Rahmen einer Veranstaltung des Deutschen Alpenvereins durch Lucas Gasthauer von GMD