Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Bioshift Energy.
Bioshift Energy arbeitet an Anlagen, die trockene Biomasse-Reststoffe wie Stroh, Holzreste oder Agrarreststoffe in grünes Gas umwandeln sollen. Der Unternehmensstandort liegt zwar in Oberösterreich, der Tirol-Bezug ist dennoch deutlich: Knapp die Hälfte des Teams stammt aus Tirol, darunter Gründer und Ideengeber Bernhard Staggl aus Rinn bei Innsbruck. Gegründet wurde das Start-up im Jänner 2024 von Staggl, Martin Kühhas und Julian Mayr.

Bernhard Staggl aus Rinn bei Innsbruck hatte die Ursprungsidee zu Bioshift Energy.

Martin Kühhas arbeitet bei Bioshift Energy an einem Modell, das Land- und ForstwirtInnen stärker in die Energieproduktion einbinden soll.

Julian Mayr setzt bei Bioshift Energy auf dezentrale Anlagen, die näher an den Biomasse-Reststoffen eingesetzt werden sollen.
Warum ist grünes Gas bisher schwer wirtschaftlich herzustellen?
Grünes Gas ist bisher schwer wirtschaftlich herzustellen, weil viele Verfahren hohe Energieverluste, teure Ausgangsstoffe oder komplexe zentrale Strukturen mit sich bringen. Staggl beschäftigte diese Frage bereits während seiner Zeit am Wasserstoffforschungszentrum Hycenta in Graz. Vor allem interessierte ihn, warum grüner Wasserstoff und daraus erzeugtes Gas oft noch zu ineffizient und zu teuer sind.
Aus dieser Auseinandersetzung entstand die Idee, günstige Biomasse-Reststoffe mit erneuerbarem Strom zu verbinden. Erste Versuche fanden nach Angaben des Unternehmens in einer Garage statt. Daraus entwickelte sich gemeinsam mit Kühhas und Mayr ein Technologieprojekt, das nun in Richtung industrieller Anwendung weitergeführt wird.
„Wir glauben an eine Zukunft, in der grüne Energie vollständig im Kreislauf mit der Natur gedacht wird – effizient, regional und auf Basis bestehender Ressourcen“, sagt Staggl.
Bioshift Energy testet technische Komponenten für die Umwandlung von Stroh, Holzresten und anderen Agrarreststoffen.
Wie will Bioshift Energy Reststoffe in grünes Gas verwandeln?
Bioshift Energy will Reststoffe in grünes Gas verwandeln, indem dezentrale Anlagen direkt dort eingesetzt werden, wo Biomasse anfällt. Das betrifft vor allem Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Statt Stroh, Holzreste oder andere Reststoffe über weite Strecken zu transportieren, soll die Technik näher an die verfügbaren Rohstoffe rücken.
„Wenn wir die Energie aus unseren Feldern und Wäldern nutzen wollen, muss die Anlage zur Biomasse kommen – nicht umgekehrt“, sagt Mayr. Damit zielt das Unternehmen auf kleinere, regionale Strukturen ab. Land- und ForstwirtInnen sollen nicht nur RohstofflieferantInnen sein, sondern selbst Teil der Energieproduktion werden können.
Im Mai 2024 erhielt Bioshift Energy eine Förderzusage für ein dreijähriges Basisprogramm der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft. Im Dezember 2024 wurde der Kernprozess erstmals positiv getestet. Im Oktober 2025 folgte die Patenterteilung, im Februar 2026 ein erfolgreicher Labortest mit einem hochskalierten Prototyp.

In der Werkstatt entwickelt Bioshift Energy Prototypen für Anlagen, die trockene Biomasse-Reststoffe in grünes Gas umwandeln sollen.
Was plant das Start-up als Nächstes?
Als Nächstes plant das Start-up, die Technologie weiter aus dem Labor in Richtung praktischer Anwendung zu bringen. Langfristig formuliert Bioshift Energy ein ambitioniertes Ziel: 1.000 Anlagen in Österreich sollen rund zehn Prozent des heutigen Erdgasverbrauchs durch regional produziertes erneuerbares Gas ersetzen.
„Unser Ziel ist nicht nur ein technischer Durchbruch, sondern ein Modell, mit dem Land- und Forstwirte selbst Teil der regionalen Energiewende werden können“, sagt Kühhas.

Das Team von Bioshift Energy: Knapp die Hälfte der MitarbeiterInnen stammt aus Tirol.