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Walter Kreisel im Gespräch

Gut führen trotz Druck

Walter Kreisel im Gespräch

Gut führen trotz Druck

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Am 5. März ist das New Work Forum in Schwarz. Neoom-Geschäftsführer Walter Kreisel ist einer der vier Keynote-Speaker. Im Interview spricht er vorab über Druck im Unternehmensalltag und wie man als Führungskraft dabei die langfristige Vision des Unternehmens im Blick behält.

Was sind die häufigsten Druckfaktoren im Unternehmensalltag?
Walter Kreisel: Das sind Verluste. Für ein Unternehmen ist das Schlimmste, KundInnen zu verlieren – und damit meine ich vor allem BestandskundInnen, aber natürlich auch potenzielle NeukundInnen, die vom Angebot abspringen. An zweiter Stelle steht der Verlust von MitarbeiterInnen. Ich spreche hier bewusst nicht von Schlüsselpositionen, sondern von allen Mitarbeitenden, weil heutzutage viele Nicht-Schlüsselpositionen bereits durch KI oder Automatisierung ersetzt wurden. Schließlich gibt es noch den Druck durch Liquidität und Kapital.

Wie schaffen Sie es, unter Druck gute Entscheidungen zu treffen und trotzdem als Führungsperson Verantwortung zu tragen?
Für mich gibt es zwei wichtige Punkte. Erstens: Zusammenarbeit im Team. Die finale Entscheidung liegt zwar hierarchisch beim Entscheidenden, aber das Team ist maßgeblich daran beteiligt, diese Entscheidung vorzubereiten und zu beeinflussen. Zweitens: der Fokus auf das Wesentliche. Druck entsteht oft durch viele Faktoren, aber nur wenige sind wirklich entscheidend für den Erfolg oder das Scheitern eines Projekts. Der Schlüssel ist, diese wenigen kritischen Punkte zu identifizieren und sich ausschließlich darauf zu konzentrieren. Das bedeutet auch, das Team so zu führen, dass es das zentrale Problem klar benennen kann.

Gab es Situationen, in denen Druck Ihre Entscheidungen beeinflusst hat – und wie sind Sie damit umgegangen?
Tatsächlich kann ich mich nur an eine Situation erinnern, in der ich stark unter Druck stand, vorher konnte ich den Druck durch frühzeitige Taktik immer abwehren. In diesem einem Fall habe ich den Druck zunächst nur zur Kenntnis genommen, weder negiert noch bestätigt. Die andere Seite wollte eine schnelle Entscheidung erzwingen. Ich habe sachlich dargestellt, dass wir das Problem erkannt haben, aber es nur zur Kenntnis nehmen und später weiterbearbeiten. Es ging nicht darum, sofort zu entscheiden, sondern die Situation rational einzuordnen. Druck allein erzeugt selten eine Entscheidung, die sofortiges Handeln erfordert.

Wie sorgen Sie dafür, dass die langfristige Vision von neoom auch in schwierigen Zeiten nicht verloren geht?
Wenn man in den ersten Jahren eines Unternehmens eine klare DNA oder Unternehmenskultur etabliert – also wer wir sind, was wir tun, warum wir es tun und wie wir es tun – dann reicht es, diese Grundfragen immer wieder zu wiederholen. Das ist wie ein Ritual, wie das Vaterunser oder das Kreuzzeichen in der Kirche: Wiederholung macht es verständlich. Gerade bei Fluktuation, neuen MitarbeiterInnen oder unter Druck ist es entscheidend, diese drei Fragen immer wieder zu betonen. Auch wenn erfahrene Mitarbeiter es schon kennen, müssen sie es regelmäßig hören, bis es wirklich verinnerlicht ist.

Wie geben Sie Ihrem Team Orientierung und Motivation, wenn alles im Wandel ist?
Ehrlichkeit und Authentizität sind entscheidend. Es geht nicht darum, Schwäche zu zeigen, sondern Entscheidungen transparent zu machen. Besonders unter Druck ist es wichtig, offen damit umzugehen – sowohl im Management als auch im Team. Druck sollte geteilt werden, damit nicht allein die Führungsebene, sondern alle Beteiligten Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig bleibt die Führungsstärke stabil: Man kann offen ansprechen, dass der Weg herausfordernd ist, dass andere daran gescheitert sind, und zugleich klar vermitteln, dass man selbst dafür einsteht, ihn gemeinsam erfolgreich zu gehen.

Vielen Dank fürs Gespräch.

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Zur Person

Walter Kreisel ist der Gründer der neoom group, eines Cleantech‑Unternehmens, das modulare Energiesysteme und intelligente Softwarelösungen für eine dezentrale, erneuerbare Energieversorgung entwickelt und vermarktet. Er leitete das Unternehmen viele Jahre lang als CEO, bevor er Anfang 2026 die Position an Nikolas Iwan übergab und nun im Aufsichtsrat bleibt. Privat hat es ihm vor allem der Sport angetan – vor wenigen Tagen ganz konkret die Besteigung des Kilimandscharo. „Ein unglaubliches Abenteuer, ich habe mir nach 18 Jahren wo ich rundherum gefahren bin mir nun den Traum erfüllt den größten alleinstehenden Berg der Welt zu besteigen“, so Kreisel. Emotional sei für ihn aber nicht der Berg wichtig gewesen, sondern der Weg, der ihn dorthin gebracht hat. „Und dass ein Gipfel nicht das Ende ist, sondern nur ein weiterer Höhepunkt im Leben.“

04. März 2026 | AutorIn: Frau Barbara Kluibenschädl | Foto: privat

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