Die Inflation hat über die Sommerwochen mit 3,6 Prozent stärker zugelegt als erwartet. Zugleich ergibt sich damit für die nächste Pensionserhöhung eine Anpassungsgrundlage von rund 2,7 Prozent – ein Wert, der angesichts der Teuerung vielen SeniorInnen wenig Spielraum lässt.
Laut Statistik Austria sind die Verbraucherpreise im Juli um 3,6 Prozent gestiegen. Das ist nicht nur etwas mehr, als die Schnellschätzung Anfang Juli ergeben hatte, sondern auch um 0,3 Prozent höher als noch im Juni. Die Zahlen für August liegen noch nicht vor, dürften Schätzungen zufolge aber nicht niedriger ausfallen.
Die großen Preistreiber
Insgesamt stiegen vor allem die Preise für Strom (+35,3 Prozent) sowie für Mieten (+4,2 Prozent). Auch Lebensmittel wurden im Schnitt erneut deutlich teurer (+5,2 Prozent), insbesondere Getränke wie Kaffee (+22,9 Prozent). Auch im Bereich Freizeit und Kultur sind Teuerungen feststellbar (+3,9 Prozent), wobei Pauschalreisen um ganze 7,1 Prozent zulegten. Für leichte Entlastung sorgten immerhin verbilligter Treibstoff (-4,7 Prozent), günstigere Bekleidung (-0,9 Prozent) und herabgesetzte Flugtickets (-1,7 Prozent).
Verstärkung der Inflation durch den Basis-Effekt
Dass Österreichs Inflation über dem Eurozonen-Schnitt bleibt, hat strukturelle Gründe. Mit Jahresbeginn liefen mehrere staatliche Entlastungsmaßnahmen aus, die zuvor die Teuerung gedrückt hatten. Dieser sogenannte Basis-Effekt sorgt dafür, dass die Inflation heuer um fast einen Prozentpunkt höher ausgewiesen wird, als sie ohne den Wegfall der Maßnahmen läge. Erst Anfang 2026 wird dieser Effekt verschwinden. Dann rechnen ExpertInnen mit einer Inflationsrate zwischen 2,2 und 2,5 Prozent.
Pensionen: Anpassung liegt unter der Inflation
Die Teuerung wirkt sich auch direkt auf die jährliche Pensionsanpassung aus. Maßgeblich ist für diese nämlich der Durchschnitt der Preissteigerungen vom August des Vorjahres bis zum Juli des laufenden Jahres. Mit den nun vorliegenden Zahlen für Juli 2025 ist dieser Berechnungszeitraum abgeschlossen. Aus den Werten ergibt sich ein Anpassungsfaktor von 2,66 Prozent, was für 2026 eine voraussichtliche Pensionserhöhung von rund 2,7 Prozent bedeutet.
Politische Verhandlungen laufen
Noch ist offen, ob die Regierung beim kommenden Anpassungswert bleibt oder eine abweichende Lösung findet. Aus dem Bundeskanzleramt heißt es derzeit, die wirtschaftliche Lage verlange „umsichtiges und verantwortungsvolles Handeln“. Auch das Sozialministerium betont, man arbeite an einer „sozial gerechten und nachvollziehbaren Lösung“. Klar ist: Eine Anpassung von 2,7 Prozent liegt deutlich unter der aktuellen Inflation von 3,6 Prozent und reicht nicht aus, um die Teuerung gänzlich abzufedern.
Was das für Tirol bedeutet
Gerade in Tirol, wo Lebenshaltungskosten traditionell hoch sind – von steigenden Mieten bis hin zu teuren Freizeit- und Tourismuseinrichtungen – trifft eine vergleichsweise niedrige Pensionserhöhung viele SeniorInnen besonders hart. Wer einen Großteil seines Einkommens für Wohnen und Energie aufbringen muss, spürt den Abstand zwischen Preissteigerungen und Pensionserhöhung unmittelbar. Damit wächst der Druck auf die Politik, regionale Entlastungen oder zusätzliche Unterstützungen auf den Weg zu bringen.