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Eine Sache des Kopfes

Hilf mir, erfolgreich zu sein

Von einem Erlebnis am Klettersteig bis hin zur eigenen Coachingpraxis: Der selbstständige Mentalcoach Michael Deutschmann hat gelernt, wie wertvoll mentale Stärke sein kann.
Eine Sache des Kopfes

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Von einem Erlebnis am Klettersteig bis hin zur eigenen Coachingpraxis: Der selbstständige Mentalcoach Michael Deutschmann hat gelernt, wie wertvoll mentale Stärke sein kann.

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Michael Deutschmann ist Mentalcoach. Sein Ziel ist es, Menschen zu helfen, leistungsfähiger zu werden und das Beste aus sich herauszukitzeln. Das meiste, das die Menschen dazu brauchen, steckt in ihnen schon drin, ist der Coach überzeugt.

Wenn Deutschmann an die Zeit vor seiner jetzigen Karriere zurückdenkt, fällt ihm immer ein ganz besonderer Moment ein: „Ein Erlebnis beim Militär war der Grund, warum ich diesen Beruf mache. Ich war damals mit einer Truppe auf einem Klettersteig. Da war ein Grundwehrdiener dabei, der Höhenangst und große Hemmungen hatte, eine Übung durchzuführen“, erinnert sich der Coach heute. „Als ich mit ihm geredet habe, hat er sich entschieden, trotz seiner Angst mitzugehen und sie zu überwinden.“ Deutschmann selbst nennt sich einen „Ausbildungsjunkie“. Zunächst besuchte er die Holzfachschule in Hallstatt, wo er sich zum Drechsler ausbilden ließ. Dann ging er zum Militär, um später wieder einen ganz anderen Weg einzuschlagen und Justizfachbeamter zu werden. In dieser Zeit war er in einem Fortbildungszentrum als Seminarleiter tätig und führte dort als Vortragender Gesprächsgruppen mit Insassen.

Im Hafen angekommen fühlte er sich aber erst, als er von 2012 bis 2015 einen Lehrgang an der Uni Salzburg zum Mentalcoach machte. Heute ist er nebenbei außerdem Sportmentaltrainer, Supervisor und Hypnosecoach. „Wenn ich etwas lerne, dann immer so viel und so gut es nur geht“, meint Deutschmann. „Ich habe selbst immer wieder erlebt, was möglich ist, wenn man mental stark sein Ding durchzieht – vollkommen egal, ob man daran glaubt oder nicht. Du musst wissen, dass es für dich das Richtige ist, und die Sache dann durchziehen.“

Die Motivation, andere zu motivieren

Das Erlebnis am Klettersteig war der Initialschlag für seine Karriere: „Das Besondere daran war ja, dass ich zuvor selbst Höhenangst hatte und meine Komfortzone verlassen musste“, erzählt er. So richtig mit dem Thema mentale Stärke befasste er sich in einer Zeit, in der er eine Verletzung auskurierte: „Ich habe mir einen Achillessehnenriss zugezogen und hatte dementsprechend genug Zeit. Also habe ich beschlossen, mir mein erstes Buch über Mentaltraining zu kaufen. Mit dem Invalidengeld, das ich in der Zeit erhalten habe, habe ich Mentalkurse gemacht“, meint der Coach. Seit 2009 ist er selbstständig tätig und besuchte mehrere Fortbildungen.

Angebot und Nachfrage

Wenn man Michael Deutschmann begegnet, merkt man schnell, dass er seine Arbeit nicht nur als ein einfaches Konzept versteht. Während er erzählt, wirkt er aufmerksam und analytisch, als würde er jedes Wort seines Gegenübers genau abwägen. Sein Unternehmen „Mental Austria“, das er in Sautens aufgebaut hat, ist auf den ersten Blick ein klassisches Coaching-Angebot. Im Gespräch zeigt sich jedoch, wie stark sein Ansatz von seiner breiten Ausbildungspraxis geprägt ist.

Er erwähnt Stationen in Linz, Salzburg und Graz beinahe beiläufig, als handle es sich um eine notwendige Grundlage. Nicht um etwas, das man extra betonen müsste.

Auffällig ist vor allem, wie selbstverständlich er mit sehr unterschiedlichen Menschen arbeitet. Während unseres Treffens erzählt er von SchülerInnen, SpitzensportlerInnen und Führungskräften, die er betreut. Seine Methoden erklärt er nicht als bloße Werkzeuge, sondern eher als eine Art Haltung. Viel zuhören, viel fragen, auf keinen Fall drängen. Er betont mehrmals, wie wichtig es sei, dass der Mensch im Vordergrund steht und selbst Veränderungen will.

Wenn Coaching zur Show wird

Ein Blick über die Grenzen zeigt, wie unterschiedlich Coaching weltweit praktiziert wird. In den USA hat sich eine Coaching‑Kultur entwickelt, bei der Persönlichkeitsentwicklung, Motivation und mentale Stärke in groß inszenierten Seminaren vermittelt werden. Tony Robbins ist einer der bekanntesten Vertreter. Seine Veranstaltungen kombinieren Psychologie, Mentaltraining und Motivation für ein breites Publikum. Tickets für seine Seminare kosten in der Regel mindestens vierstellige Beträge und die Events finden in Hallen mit Tausenden TeilnehmerInnen statt.

In der leistungsgetriebenen US‑­Szene ist oft von Transformation und Aktivierung eigener Ressourcen die Rede – ein Ansatz, der in Europa oft inspiriert, auch wenn Coaching hier meist persönlicher und weniger spektakulär ist. Daten zur Branche unterstreichen das Potenzial und die Größe von Coaching weltweit: Laut der International Coaching Federation (ICF) gibt es global mehr als 120.000 aktive Coaches. Der weltweite Marktumsatz lag zuletzt bei etwa 5,34 Milliarden US‑Dollar.

In den USA ist Coaching meist emotional aufgeladen, mit Musik, teilweise dramatischer Inszenierung und Gruppenveranstaltungen. Teilnehmer­Innen sollen in kurzer Zeit spürbare Durchbrüche erleben. KritikerInnen sehen darin teils eine Show, während echte Veränderungen individuell erarbeitet werden müssen. In Europa, wie bei Deutschmann, liegt der Fokus auf ruhiger, persönlicher Begleitung. Es geht weniger um Effekte, mehr um langfristige, individuelle Entwicklung mentaler Stärke.

Die ultimative Lösung

„Ich kommuniziere von Anfang an eine klare Rollenaufteilung. Ich bin der Experte für den Prozess, kreiere den Rahmen und achte auf die richtige Struktur. Im Grunde ist alles in jedem Menschen vorhanden. Es geht einfach darum, es wiederzufinden“, meint Deutschmann auf die Frage, was er Menschen rät, die von ihm die ultimative Lösung wollen. Diese bekomme er vor allem am Beginn eines Prozesses häufig zu hören. Da kommt es außerdem oft vor, dass KundInnen stärker an ihn glauben als an sich selbst. Das müsse nicht zwingend etwas Schlechtes sein, wie Deutschmann erklärt: „Es kann ein wertvoller Startimpuls sein. Das Ziel meines Coachings sollte am Ende des Tages aber sein, dass mein Gegenüber an sich selbst glaubt. Ich möchte mich im Laufe des Prozesses überflüssig machen. Ich stelle meinen KlientInnen gerne die Frage, woran sie merken würden, dass es besser ist. Das lenkt von den Problemen ab und setzt den Fokus auf die Lösung und den Weg dorthin.“

Vorteile und Vorurteile

Trotz messbarer Leistungssteigerung begegnen ihm Vorurteile: „Viele sagen: Das ist doch Hokuspokus, ich bin ohnehin mental stark.“ Mentalcoaching ist in Österreich noch nicht wirklich in der breiten Bevölkerung angekommen. Dabei beeinflusst mentale Stärke direkt, wie gut Fähigkeiten abgerufen werden. Eltern sehen oft am deutlichsten die Entwicklung ihrer Kinder: Leistungssprünge, mehr Selbstvertrauen und stabilere mentale Haltung bereits nach wenigen Einheiten.

Schwarze Schafe und fragwürdige Trends

„Die Branche ist zu wenig reguliert, es gibt viele schwarze Schafe“, meint Deutschmann. Der Begriff „Coach“ ist hierzulande nicht geschützt. Sprich jeder und jede kann sich so betiteln. „Es gibt leider genügend unqualifizierte AnbieterInnen, die sich im freien Gewerbe bewegen. Ein Blick in soziale Netzwerke zeigt immer wieder dubiose Angebote“, führt er aus. Vor allem sogenannte „Lifestyle-Coachings“ stellen laut Deutschmann ein Problem dar: „Man macht es, weil man in sein möchte und weil es in sozialen Medien beworben wird. Im Grunde ist es einfach eine Fassadenoptimierung. Echte Veränderung findet im Inneren statt und arbeitet mit Werten und der eigenen Identität“, meint er.

Ziele und persönlicher Antrieb

Nach einem Coaching mit dem Mentaltrainer soll vor allem eine Botschaft hängen bleiben: „Ich bin so gut, wie ich bin. Das ist mein persönliches Ziel. Am Ende des Tages gibt es nichts Schöneres, als Menschen zu helfen und zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln“, meint er. „Natürlich ist die Verantwortung nicht zu unterschätzen, die ich in meinem Beruf habe. Ich habe mein Ventil im Sport und in der Natur gefunden. Wann es nur geht, bin ich draußen oder verreise“, erzählt Deutschmann.

Was er selbst im Leben noch erreichen will? Deutschmann überlegt kurz, bevor er antwortet. „Ich höre sehr stark auf meine Intuition. Ich bin offen für den Weg, den sie mir zeigt.“

Welche Botschaft würdest du jungen Menschen mitgeben, die in der herausfordernden heutigen Welt mental stark bleiben wollen?

„Social Media ist nicht die reale Welt. Photoshop und Filter leben etwas vor, was nicht der Realität entspricht. Es ist nicht zielführend, dem nachzueifern oder sich mit SelbstdarstellerInnen zu vergleichen. Beschäftigt euch zumindest die halbe Zeit, die ihr in den sozialen Netzwerken verbringt, richtig mit euch selbst und eurer mentalen Stärke. Nutzt eure Intuition öfter als die KI. Hilfe holen ist keine Schwäche!“

13. Januar 2026 | AutorIn: Pascal Pali | Foto: Gerhard Berger

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