Im Jahr 2008 gründete Stefan Pleger mit Gleichgesinnten die Organisation „Kindern eine Chance“ in Uganda. Heute betreibt der Verein mit rund 520 Beschäftigten an 17 Standorten unter anderem Kindergärten, Schulen sowie Behinderteneinrichtungen.
In Uganda wachsen tausende Kinder ohne familiären Rückhalt auf. Viele haben ihre Eltern durch AIDS verloren, andere wurden aus ihren Familien gedrängt, weil das Essen nicht für alle reichte. Dinge, die für uns in Mitteleuropa meist selbstverständlich sind – wie Bildung, Schutz, eine Perspektive –, bleiben hier oft unerreichbar.
Stefan Pleger kennt solche Lebensrealitäten aus nächster Nähe. Als langjähriges Vorstandsmitglied von „Ärzte ohne Grenzen“ Österreich war der Tiroler regelmäßig in Krisenregionen unterwegs. Im Jänner 2008 führte ihn eine Reise nach Uganda – dort traf er auf eine kleine Gruppe engagierter Menschen, die sich unter schwierigsten Bedingungen um verwaiste und vernachlässigte Kinder kümmerte. Die Begegnung ließ ihn nicht mehr los. Gemeinsam mit seiner Partnerin Gabi Ziller und weiteren MitstreiterInnen gründete er wenig später die Organisation „Kindern eine Chance“. Der Plan: Einigen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Doch bald wurde klar, dass es mehr braucht.
„Uns war wichtig, dass jeder Euro tatsächlich in Uganda ankommt.“
Stefan Pleger

Hilferuf mit großer Wirkung
„Eines Tages legte uns eine Frau ihr beeinträchtigtes Kind Maria mit den Worten ‚Please help her‘ vor die Tür“, erzählt Pleger. „Wir waren überfordert, hilflos, sogar ängstlich. Aber wie hätten wir in dem Moment wegsehen können, wenn wir doch für uns beanspruchten, den Schwächsten helfen zu wollen?“
Der Moment wurde zum Wendepunkt. Kurz darauf stellte die Initiative einen ersten Physiotherapeuten ein, der Kinder mit Behinderungen in entlegenen Dörfern betreute. Auch gebrauchte Rollstühle aus Europa fanden ihren Weg nach Uganda – und mit ihnen neue Möglichkeiten für viele Betroffene. Schon bald entstand ein neuer Gedanke: Eine eigene Schule für beeinträchtigte Kinder. 2012 wurde sie für zunächst 13 SchülerInnen Realität. Heute betreibt der Verein insgesamt sieben spezialisierte Einrichtungen, in denen über 500 Kinder lernen, leben und therapeutisch begleitet werden.
Lokale Jobs
Von Beginn an verfolgte Pleger das Ziel, eine Organisation zu schaffen, die langfristig Wirkung entfaltet – ohne dabei in Bürokratie zu ersticken. Um Spendengelder möglichst direkt und wirkungsvoll einzusetzen, verzichtete man bewusst auf einen kostenintensiven Verwaltungsapparat. „Uns war wichtig, dass jeder Euro tatsächlich in Uganda ankommt. Bei großen Hilfswerken fließt oft ein erheblicher Teil in Verwaltung und Marketing. Das wollten wir unbedingt vermeiden“, betont Pleger. Ermöglicht wird das Prinzip durch ein rein freiwilliges Team in Tirol. In Uganda hingegen setzt der Verein ausschließlich auf lokale Fachkräfte. „Wir schaffen Arbeitsplätze, die fair entlohnt sind – aber nicht übermäßig. Sonst würden wir bestehende soziale Ungleichheiten weiter verschärfen“, sagt der Initiator. Die Gehälter bewegen sich dabei zwischen 60 und 300 Euro pro Monat – für ugandische Verhältnisse ein durchaus gutes Einkommen. Mittlerweile zählt das Team rund 520 Mitarbeitende. Viele von ihnen waren früher selbst Teil des Unterstützungsprogramms.
Rückhalt aus Tirol
Ein bedeutender Teil der Spendengelder stammt von Unternehmen – darunter auch zahlreiche aus Tirol. Großbetriebe leisten rund zwei Drittel des gesamten Beitrags. Im vergangenen Jahr belief sich das Spendenaufkommen auf insgesamt 3,3 Millionen Euro. Davon wird ein Viertel für die Gehälter der MitarbeiterInnen vor Ort verbraucht. Die Hälfte wird in Infrastruktur investiert – wie in den Bau neuer Schulen, Therapiezentren oder Wohnräume. Der verbleibende Anteil kommt laufenden Bildungs- und Sozialprojekten zugute.
„Bildung hat nachweislich den stärksten und langfristigsten Einfluss auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eines Landes“,
erklärt der Tiroler.
Deshalb liegt genau hier ein zentraler Fokus des Vereins. Derzeit besuchen 6.687 Kinder die vom Projekt getragenen Bildungseinrichtungen. Für 2.527 von ihnen werden Schul- und Internatskosten mithilfe der Patenschaft vollständig übernommen – um ihnen Zugang zu dem zu ermöglichen, was andernorts selbstverständlich ist: Bildung, Schutz und eine Perspektive.