Amazon, Zalando, Ticketmaster oder Booking.com gehören zu den Schwergewichten im E-Commerce. Jetzt droht eine App, sie alle zu verschlingen: TikTok.
Ursprünglich war die chinesische App TikTok nur für kurze, unterhaltsame Videos gedacht. Doch seit 2023 entwickelt sie sich rasant zu einem vollwertigen Marktplatz. Mit dem im Frühjahr 2025 in Deutschland eingeführten TikTok Shop lassen sich Produkte nun nämlich direkt in der App kaufen – im Feed, in Live-Streams über ein kleines Einkaufstaschen-Symbol oder über einen eigenen Shop-Tab.
Win-win
Was im Handel funktioniert, lässt sich auch auf Reisen übertragen: Wer künftig ein kurzes Video mit einem atemberaubenden Ausblick oder einem exklusiven Hotelzimmer sieht, soll die Möglichkeit bekommen, seinen Impuls direkt umzusetzen und sofort buchen können. Möglich macht das die kürzlich gestartete Partnerschaft mit Booking.com in den USA, die es dortigen NutzerInnen erlaubt, Hotelangebote direkt in der TikTok-App zu entdecken, Preise zu vergleichen, Bewertungen zu lesen und Buchungen abzuschließen.
Ergänzt wird das durch das Affiliate-Programm TikTok Go, das CreatorInnen Provisionen für vermittelte Buchungen zahlt und so die Verbreitung von Hotel-Content zusätzlich ankurbelt. In Asien arbeitet TikTok außerdem bereits mit Klook zusammen, wodurch zusätzlich Aktivitäten und Unterkünfte nahtlos über die App gebucht werden können.
Langzeitfolgen
Die Strategie ist klar: TikTok will den gesamten Buchungsprozess von der Inspiration bis zum Abschluss in die eigene Plattform holen. Für die Reisebranche bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel. Einerseits könnten Hotels, Destinationen und AnbieterInnen von Erlebnissen von der Reichweite profitieren, andererseits droht aber eine Abhängigkeit von einer weiteren globalen Plattform, die wie Amazon oder Booking.com eigene Spielregeln vorgibt.
In Österreich sind bislang weder TikTok Shop noch eine Buchungsfunktion verfügbar. Doch die Entwicklung in Deutschland und die internationale Expansion deuten darauf hin, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese Funktionen auch hierzulande ausgerollt werden.