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Markus Linder im Interview

„Humor lässt sich nicht prompten“

Markus Linder im Interview

„Humor lässt sich nicht prompten“

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In der großen top.tirol-Spezialausgabe steht alles im Zeichen von KI und Digitalisierung. Dafür haben wir auch mit Markus Linder gesprochen. Denn obwohl er sich selbst als Retro-Typ sieht und mit der digitalen Welt herzlich wenig am Hut hat, steht der Kabarettist im Oktober auf der Bühne der next:tirol. Im top.tirol-Interview erklärt er, warum – und spricht über KI-Skepsis, analoge Kreativität und das süße Nichtstun.

 

Markus, du stehst seit drei Jahrzehnten auf der Bühne – als Kabarettist, Musiker und Schauspieler. Wie hat die Digitalisierung deinen Beruf verändert?

Markus Linder: Ehrlich gesagt, kaum. Was sich verändert hat, ist das Werkzeug – das Notebook beim Texten, die Keyboards mit ihren besseren Sounds. Aber ich bin ein Retro-Typ durch und durch. Meine Frau hat mir damals sogar das Notebook gekauft, ohne mich zu fragen – weil sie wusste, dass ich sonst nie aufgerüstet hätte. Das kreative Arbeiten selbst? Das ist geblieben, wie es immer war.

Und künstliche Intelligenz – spielt die eine Rolle in deiner Arbeit?

Im Kabarett? Null. Ich verlasse mich lieber auf meine NI – natürliche Intelligenz. Für Recherche kann ich mir KI vorstellen, aber in meinem kreativen Kern hat sie nichts verloren. Meine blühende Fantasie reicht mir vollkommen aus.

 

Markus_Linder_fc_Stadtmarketing_Innsbruck.jpeg

 Bereits seit 30 Jahren steht Markus Linder auf der Bühne – derzeit mit seinem elften Soloprogramm „Bäm Vallera“.

 

Viele fürchten, KI werde ihren Job übernehmen. Siehst du den Kabarettisten als KI-sicheres Berufsbild?

Komplett. Wer allein auf der Bühne steht, lebt von Authentizität und von der eigenen Idee. Was ich bringe, muss zu mir passen. Meine Frau Sabine und ich sind ein kreatives Kleinunternehmen, wir schreiben gemeinsam, haben täglich neue Einfälle. Das lässt sich nicht delegieren – und keine Maschine kann das ersetzen.

 

„Ein Witz, der zu mir passt, muss aus
mir kommen. Aus meiner Biografie, meiner Region, meiner Weltwahrnehmung. Humor lässt sich nicht prompten – er ist das Destillat von Erfahrung.“

- Markus Linder

 

Wo entstehen diese Ideen?

Im Alltag. Wir haben immer irgendetwas „am Schmäh“ – ein Wort fällt uns auf, eine Formulierung klingt seltsam, und ich frage mich: Warum heißt das eigentlich so? In Tirol sagt man zum Beispiel nicht „ich bin schuld“, sondern „ich bin die Schuld“. Da steckt die ganze Erbsünde drin – „die Schuld“ ist so viel gewichtiger als ein schnödes „du bist schuld“. Das Publikum lacht, weil es sich erkennt. Solche Feinheiten entstehen im Leben – die kann mir keine KI liefern.

Hast du eigentlich schon einmal versucht, einen Witz von ChatGPT schrei­ben zu lassen?

Nein – und ich habe auch keine Absicht, das auszuprobieren. Nicht weil ich Angst hätte, was dabei herauskommt, sondern weil mich das Ergebnis schlicht nicht interessiert. Ein Witz, der zu mir passt, muss aus mir kommen. Aus meiner Biografie, meiner Region, meiner Weltwahrnehmung. Humor lässt sich nicht prompten – er ist das Destillat von Erfahrung.

Du klingst generell eher skeptisch, was KI betrifft.

„Unheimlich“ ist das Wort, das mir dazu spontan einfällt. Nicht im privaten Bereich – jeder darf nach seiner Fasson selig werden. Aber wenn KI in Kriegsentscheidungen eingreift, wenn Maschinen Macht über Menschen gewinnen – das finde ich bedrohlich. Vielleicht übertreibe ich. Aber ich glaube, die Sorge ist berechtigt.

 

„Ich verlasse mich lieber auf meine NI – natürliche Intelligenz.“

- Markus Linder

 

Obwohl du dich selbst als Retro-Typ bezeichnest, bist du auf Social Media aktiv. Wie ist es dazu gekommen?

Meine Nichten haben so lange gebohrt, bis ich nachgegeben habe. Eine betreut meinen TikTok-Account, die andere Instagram. Mittlerweile mache ich das auch selbst, aber strikt beruflich. Kein einziges Urlaubsbild, keine privaten Einblicke. Ankündigungen, Werbung, ab und zu ein Bild vom Laufprogramm. Mehr braucht es nicht.

Was stört dich am meisten an der digitalen Welt?

Eigentlich nicht so viel – ich schränke mich auf ein Maß ein, das mir passt, und verurteile niemanden, der das anders hält. Was mich wirklich umtreibt, ist der Verlust der Stille. Dass niemand mehr einfach nur dasitzen kann, ohne sofort zum Handy zu greifen. Ich ertappe mich selbst dabei.

 

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Du meinst das Nichtstun?

Genau das. Dolce far niente – das süße Nichtstun. Goethe hat dafür das schöne Wort „Müßiggang“ geprägt. Im Urlaub halte ich das eisern ein: täglich von 18 bis 18.15 Uhr Bürozeit, Mails checken, kurz antworten – und dann bin ich bis zum nächsten Abend nicht erreichbar. Sonst ist Urlaub kein Urlaub. Man ist ständig aus dem Hier und Jetzt herausgerissen.

Bei der next:tirol – wo sich alles um Digitalisierung und KI dreht – trittst du auf. Wie passt das zusammen?

Auf den ersten Blick vielleicht überraschend – aber im Grunde ist das genau mein Ding. Ich bekomme vorab die neuesten Schlagwörter aus der IT-Branche, und dann läuft bei mir eine innere Suchmaschine an. Mit Assoziationen, Textfetzen, Klängen aus bekannten Songs entsteht daraus ein Lied. Die Begriffe muss ich inhaltlich gar nicht verstehen – es reicht, wenn sie klanglich an etwas anderes erinnern. Und trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – werden die Insider im Publikum abgeholt. Am Ende ist es dasselbe wie immer: Ich nehme, was das Leben mir gibt, und mache etwas Eigenes daraus. Nur dass diesmal die Stichworte aus der Tech-Welt kommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

31. Mai 2026 | AutorIn: Anna Füreder | Foto: MuTo/Magnific AI, Stadtmarketing Innsbruck

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