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Verpflichtendes Billiggericht?

Inflation und Gastro-Krise

Verpflichtendes Billiggericht?

Inflation und Gastro-Krise

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Im Kampf gegen die Inflation nimmt die Bundesregierung die Gastronomie ins Visier. Doch die Idee, dass Restaurants künftig eine günstige Speise anbieten müssen, gehe am eigentlichen Problem vorbei, sagen Wirte.

„Was soll das ändern? Das haben doch ohnehin alle auf der Speisekarte“, lautet die Antwort, wenn man Gastronomen mit der jüngsten Idee der Bundesregierung konfrontiert, wonach künftig Restaurant verpflichtet werden könnten, mindestens ein „besonders günstiges Gericht“ auf der Speisekarte zu führen. Das könnte, wie beim so genannten Jugendgetränk, über die Gewerbeordnung zur Vorschrift werden. Hintergrund dieser Idee ist, die von Experten bestätigte, treibende Rolle der Gastronomie bei der Teuerung. Im Dezember 2025 lag die Inflationsrate in Österreich bei 3,8 Prozent – fast doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt.

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Die Gastronomie gilt als einer der größten Inflationstreiber.

Neben dem Energiesektor und Lebensmittelhandel, ist die Gastronomie eine der Branchen, deren Preissteigerungen hauptverantwortlich für die Inflationsrate sind, sagen Ökonomen. Doch fragt man die Wirte selbst, so zeigt sich ein anderes Bild. Sie machen nämlich in erster Linie die Lohnnebenkosten für die steigenden Preise verantwortlich. Daher halten sie ein verpflichtendes Billig-Gericht für den falschen Ansatz, um entgegenzuwirken.

Billig-Gericht sei „Blödsinn“

Andreas Perger, Chef des Hotels Leipziger Hof in Innsbruck, erklärt dazu: „Wir bieten jeden Tag ein Mittagsmenu für 12 Euro an. Das ist nicht einmal kostendeckend, soll aber als Angebot die Gäste aus der Umgebung in Pradl ansprechen. Sowas verpflichtend zu machen, ist ein Blödsinn.“ Jeder Wirt müsse selbst entscheiden, was er zu welchem Preis anbieten kann. Ist er zu teuer, würden die Gäste ohnehin nicht mehr kommen, ist Perger überzeugt.

Wenn die Regierung etwas gegen die Teuerung in der Gastronomie machen wolle, so empfiehlt Perger, bei den Lohnnebenkosten anzusetzen: „Die Personalkosten sind in den vergangenen drei Jahren um mindestens 30 Prozent gestiegen. Dazu kommen noch der Wareneinsatz und die Energiekosten.“ In Pergers Familienbetrieb versucht man die gestiegenen Kosten durch Eigenleistung abzufedern. „Jeder in der Familie ist gefordert, mitanzupacken“, sagt der Chef. Sonst sei das nicht zu schaffen: „Die Lohnnebenkosten brechen uns das Genick. Und ich meine damit nicht den Nettoverdienst der Mitarbeiter.“

 

 „Noch nie haben wir so viel Umsatz gemacht. Doch gleichzeitig haben wir auch noch nie so wenig verdient.“

Andreas Perger, Chef vom Leipziger Hof in Innsbruck

 

Trotzdem ist Perger optimistisch, was die Zukunft angeht. Wobei die aktuelle Situation fast schon paradox sei: „Noch nie haben wir so viel Umsatz gemacht. Doch gleichzeitig haben wir auch noch nie so wenig verdient.“ Perger hofft, die Regierung findet noch andere Stellschrauben, an denen sie drehen kann. Denn die Idee des Billig-Gerichtes hält er nicht für zündend.

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Mit einem einfachen Billiggericht ist das Problem noch lange nicht gelöst, sind sich Gastronomen einig. 

 

Volle Restaurants trotz gestiegener Preise

Ähnlich geht es Hovhannes Schahinjan, seit 2024 Chef im Traditions-Gasthaus Anich in Innsbruck: „Fast jedes Restaurant hat eigentlich schon mindestens ein besonders billiges Gericht auf der Karte.“ Bei ihm sei es ebenfalls das tägliche Mittagsmenü für 13,90 Euro. Was ihm als Wirt zu schaffen mache, seien die Lohnnebenkosten, die Energiepreise, die steigenden Kosten für Lebensmittel sowie diverse versteckte Preistreiber, wie die steigende Tourismusabgabe.

 

„Fast jedes Restaurant hat eigentlich schon mindestens ein besonders billiges Gericht auf der Karte.“

Hovhannes Schahinjan, Chef im Traditions-Gasthaus Anich

 

Bei den Gästen merke er bislang nur wenig Veränderungen, wegen der gestiegenen Preise. Das Publikum werde insgesamt etwas jünger, aber die Bereitschaft, Geld für ein Essen auswärts im Restaurant auszugeben, sei weiterhin da. „Die Leute gehen gerne Essen und lassen sich das auch etwas kosten“, sagt Schahinjan. Um seine Leistungen als Wirt günstiger anbieten zu können, würde er sich von der Politik Maßnahmen hinsichtlich der Lohnkosten wünschen: „Es ist heute sehr schwierig, gutes Personal zu finden und zu halten. Man muss als Arbeitgeber gute Gehälter bieten und das ist angesichts der Lohnnebenkosten nicht einfach.“

14. Januar 2026 | AutorIn: Steffen Kanduth | Foto: Shutterstock

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