Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: Terra Atmos.
Die Terra Atmos GmbH ist seit August 2025 als Ausgründung aus der Universität Innsbruck aktiv. Geschäftsführer ist Yannick Back, als Co-Gründer ist Prof. Manfred Kleidorfer beteiligt. Außerdem ist die Universität Innsbruck Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbH als Gesellschafterin an Bord. Zum Team zählt auch Prashant Kumar als Software Engineer für Daten und Modellentwicklung.

Datenfluss im Überblick: Aus mehreren Datenquellen entsteht eine gemeinsame Auswertung, die als Dashboard oder Export für Planungsprozesse nutzbar sein soll.
Warum fehlen Städten oft verlässliche Daten zu Hitze, Boden und Begrünung?
Städten fehlen oft verlässliche Daten zu Hitze, Boden und Begrünung, weil viele vorhandene Datensätze entweder nur Momentaufnahmen liefern oder schwer vergleichbar sind. Gemeinden arbeiten oft mit einzelnen Karten, Messreihen oder einmaligen Analysen – etwa nach einem Thermalflug – und müssen daraus Entscheidungen für Jahre ableiten. Gleichzeitig steigt der Druck, Maßnahmen gegen Hitze und Trockenheit begründen und priorisieren zu können. Dass das Thema in europäischen Städten an Bedeutung gewinnt, zeigen auch Programme rund um hochaufgelöste Hitzekarten und Anpassungsinstrumente.
Genau hier setzt Terra Atmos in seiner Begründung an: Es fehle an „konsistenten, flächendeckenden und zeitlich kontinuierlichen Daten“, um Investitionen zu vergleichen und Maßnahmen nachvollziehbar zu priorisieren. Gründer Back formuliert die Motivation so: „Der Klimawandel duldet keinen Aufschub. Unsere Motivation ist es, politischen Entscheidungsträgern und Planern genau das Werkzeug in die Hand zu geben, das sie brauchen, um unsere Lebensräume faktenbasiert und effizient für die Zukunft zu rüsten.“
Wie macht Terra Atmos Satelliten- und Wetterdaten für Planung nutzbar?
Terra Atmos macht Satelliten- und Wetterdaten für Planung nutzbar, indem das Start-up einen digitalen Zwilling der Landoberfläche aufbaut, der Satelliten-, Wetter- und Geländedaten in einem gemeinsamen Modell zusammenführt. Ziel ist, nicht nur zu zeigen, wo es heiß ist, sondern auch Hinweise darauf zu geben, warum sich Flächen so verhalten – etwa durch Boden, Versiegelung oder Vegetation. Terra Atmos beschreibt seinen Ansatz mit einem Satz, der auch die technische Hürde erklärt: „We observe surfaces as images but we understand them as physical systems.“
Das Unternehmen spricht dabei von einer hochaufgelösten Abbildung bis zu 0,5 Meter Rasterweite, je nach Datenlage und Anwendung. Für Gemeinden soll das als Grundlage dienen, um Hotspots zu erkennen, Maßnahmen zu vergleichen und Entwicklungen über die Zeit zu beobachten – beispielsweise, ob zusätzliche Begrünung oder Entsiegelung messbar wirkt.
Als erster Schritt Richtung Anwendung nennt Terra Atmos einen abgeschlossenen Machbarkeitsnachweis und zwei Pilotprojekte mit Gemeinden in Luxemburg. Weitere Gespräche laufen laut Unternehmen in Luxemburg und Österreich.

Von grün bis dunkelrot: Die Visualisierung soll PlanerInnen helfen, Hotspots zu erkennen und Maßnahmen gezielt zu priorisieren.
Was sind die nächsten Schritte bis 2027?
Die nächsten Schritte sind vor allem der Weg vom Prototyp zur Plattform. Terra Atmos plant für 2026 und 2027 den Aufbau einer webbasierten „Software as a Service“-Plattform, über die Monitoring-Daten und Analysen per Dashboard, Programmierschnittstelle oder Export bereitgestellt werden sollen. Damit will das Team die Nutzung in bestehenden Systemen erleichtern, etwa in Werkzeugen der Stadtplanung oder in Berichtssystemen für Nachhaltigkeitskennzahlen.
Technisch will Terra Atmos außerdem neue Datenquellen ergänzen, darunter Hyperspektraldaten. Damit lässt sich die Materialzusammensetzung von Oberflächen genauer ableiten, was wiederum Berechnungen zu Strahlung und Wärmefluss präzisieren kann. Langfristig erwähnt das Start-up auch Anwendungen jenseits der Erde, etwa für Missions- und Ressourcenplanung auf Mond oder Mars. Ob und wann solche Felder relevant werden, wird wesentlich davon abhängen, wie schnell die Plattform im kommunalen Alltag skaliert und stabil betrieben werden kann.