Wetten, dass ... hinter dem Business mit dem vermeintlich schnellen Geld mehr steckt, als man auf den ersten Blick vermuten würde? Wie heimische Unternehmen mit internationalen Online-Anbietern konkurrieren und welchen Einfluss Sportligen und -vereine auf die Branche haben.
Sportwetten sind ein lukrativer Markt. Im Jahr 2024 setzten Wettunternehmen in Tirol über 40 Millionen Euro um. Österreichweit ist der Markt jedoch noch deutlich größer: Laut einer Erhebung von Branchenradar für das Jahr 2024 erhöht sich der Brutto-Wettertrag (BWE) stationär abgegebener Sportwetten nur geringfügig um vier Millionen Euro auf insgesamt 134 Millionen Euro (+3,1 % zum Vorjahr). Deutlich kräftiger wächst hingegen der Online-Sektor: Der BWE von Online-Wetten legt um 45 Millionen Euro zu und erreicht damit 371 Millionen Euro (+13,8 % zum Vorjahr).
Der BWE beschreibt dabei den Betrag, den Wettanbieter aus den Einsätzen ihrer Kunden erzielen, nachdem die ausgezahlten Gewinne abgezogen wurden. Zusammengefasst ist das also der tatsächliche wirtschaftliche Ertrag aus dem Wettgeschäft.
Angetrieben wurde das Wachstum vor allem durch sportliche Großereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland und die Olympischen Sommerspiele in Paris. Solche Events sorgen regelmäßig für ein erhöhtes Wettinteresse und steigende Umsätze, insbesondere im Online-Bereich.
Trotz hoher Nachfrage senkten die Anbieter ihre Auszahlungsquote leicht auf 80,6 Prozent. Das bedeutet: Von 100 Euro Einsatz zahlen sie im Durchschnitt 80,60 Euro an die Wettenden zurück. Die restlichen 19,40 Euro behalten sie als Gewinn. Im Vorjahr lag die Auszahlungsquote etwas höher. Die Anbieter schütteten also ein paar Euro mehr aus und behielten entsprechend etwas weniger. Durch die leichte Senkung erhöhten sie nun ihre Gewinnmarge. Für sie ist das ein gutes Geschäft: Die Bruttowetterträge legten erneut deutlich zu – doch Wettunternehmen müssen auch Steuern und Abgaben zahlen. Neben der Umsatzsteuer fällt für Wettbüros eine Wettgebühr von fünf Prozent an. Zusätzlich können Gemeinden eine Vergnügungssteuer einheben – also eine Abgabe auf Unterhaltungs- und Freizeitaktivitäten.
Der Blick aus der Branche
Wer aber sorgt für diesen großen Umsatz der Wetten in Österreich? Dean Hatzl ist Branchensprecher der Tiroler Sportwettenbetriebe und Geschäftsführer des Vierklee-Wettbüros mit Sitz in Tirol. „Es sind vorwiegend jüngere Männer", erklärt der Experte, „die sich für Sport und dementsprechend auch Sportwetten interessieren“. Seiner Meinung nach fährt Österreich einen „sehr restriktiven Kurs“, was die Regulierung im Bereich Sportwetten betrifft – allerdings treffen sie die lokalen Anbieter und nicht die Online-Riesen. Oft sei man bei Spielern nur die zweite Wahl, wie Hatzl ausführt: „Wir konkurrieren täglich mit Online-Anbietern, die einfach viel weniger Regeln haben. Der Wettbewerbsdruck ist enorm."
Die Online-Konkurrenz legt ihren Sitz oftmals in Länder wie Malta oder Zypern und unterliegt somit den dortigen Gesetzen. Damit genießt sie lockerere Rahmenbedingungen. Das österreichische Wettrecht hingegen ist Ländersache. Jedes Bundesland hat seinen eigenen gesetzlichen Rahmen für Sportwetten. Das Tiroler Wettunternehmergesetz verpflichtet Anbieter dazu, jeden Kunden eindeutig zu identifizieren und alle Vorgaben zum Spielerschutz, Jugendschutz und zur Überwachung einzuhalten. Besteht der Verdacht, dass ein Kunde ein problematisches Wettverhalten zeigt, sind die Betreiber verpflichtet, entsprechende Schritte zu setzen. Diese reichen bis hin zur vorübergehenden oder dauerhaften Sperre.
Zu den zentralen Schutzmaßnahmen zählen insbesondere, dass ausschließlich volljährige Personen Wetten abschließen dürfen und der Zugang zu Wettbüros entsprechend kontrolliert wird. Darüber hinaus müssen Einsatzlimits eingehalten und das Personal regelmäßig geschult werden, um auffälliges Spielverhalten zu erkennen und Betroffene zu schützen. Bei Online-Anbietern bestehen vergleichbare gesetzliche Vorgaben, ihre tatsächliche Umsetzung ist für Außenstehende jedoch schwerer überprüfbar, weil interne Kontrollmechanismen und die Einhaltung der Regeln nicht ohne Weiteres einsehbar sind.
Glück oder kein Glück?
Sportwetten genießen in Österreich außerdem eine Art Sonderstatus. Seit einem Urteil im Jahr 2024 gelten Sportwetten als Geschicklichkeits- und nicht als Glücksspiel. Aus Sicht eines Spielers seien die Wetten, bei denen er Geld verloren hatte, zufallsabhängig gewesen. Dieser Einwand wurde vom Obersten Gerichtshof jedoch zurückgewiesen. Laut der Entscheidung würden sie auf „berechenbare Faktoren wie Teamkenntnissen, Wetterbedingungen und mehr basieren“.
Dieses Urteil war eine gute Nachricht für Sportwettenanbieter. Sie unterlagen ab sofort nicht den strengen Regulatorien des klassischen Glückspiels und müssen sich auch keinerlei Werbebeschränkung beugen. Und dies tun sie auch nicht.
Sponsoring im Sport
Admiral sicherte sich vor vier Jahren die Namensrechte für die zwei obersten Spielklassen in Österreich. Diese hören seitdem auf die Namen Admiral Bundesliga und Admiral 2. Liga. Als die Kooperation verkündet wurde, trat der Geschäftsführer von Admiral damals mit folgenden Worten vor die Presse: „Unser Ziel ist es, für Sportwetten-Interessierte der erste Ansprechpartner zu sein. Anders gesagt: Wir wollen für Wettkunden und Wetten-Interessierte der 'Place to be' sein." Solche Partnerschaften dienen Sportwettenanbietern vor allem dazu, ihre Marke eng mit dem Sport zu verknüpfen. Je normaler ihre Präsenz wirkt, desto eher denken Wettende zuerst an sie und desto weniger wird die grundsätzliche Frage gestellt, ob Wettanbieter überhaupt Spitzenligen finanzieren sollten.
Das Sponsoring betrifft etwa den Bewerbsnamen sowie das Logo und natürlich geht es auch um Präsenz auf digitalen Kanälen. Neben dem Sponsoring für die Liga als Ganzes kommt es auch vor, dass einzelne Vereine gezielt eine Zusammenarbeit mit Wettunternehmen eingehen.
So zum Beispiel der FC Wacker Innsbruck. Laut Präsident Hannes Rauch ist das Sponsoring mit dem Unternehmen Admiral eine „klassische Werbeleistung im Sinne einer Werbebande im Stadion.“ Nicht mehr und nicht weniger.
Anbieter wie Admiral locken Kunden oft mit Angeboten und Boni.
Wo wird gewettet?
Der Sportwettenmarkt verlagert sich zunehmend ins Internet. Zwar wuchsen im Jahr 2024 sowohl stationäre als auch online platzierte Wetten, doch das Online-Segment legte deutlich stärker zu. Während die Bruttowetterträge vor Ort abgegebener Wetten nur leicht um rund 3 Prozent auf 134 Millionen Euro stiegen, verzeichnen Online-Wetten ein kräftiges Plus von 13,8 Prozent auf insgesamt 371 Millionen Euro. Damit werden mittlerweile fast drei Viertel des gesamten Bruttowettertrags online erzielt. Vor zehn Jahren wurde noch mehr als die Hälfte aller Wetten in Wettlokalen abgeschlossen.
Der anhaltende Aufschwung im Online-Bereich hat mehrere Gründe: Zum einen sind digitale Wettplattformen komfortabler, mobiler und rund um die Uhr verfügbar. Zum anderen führt die zunehmend restriktive Regulierung des stationären Wettangebots dazu, dass immer mehr Spieler ins Internet abwandern. Hinzu kommt, dass Online-Anbieter meist höhere Gewinnausschüttungsquoten bieten als ihre stationären Konkurrenten.
Hat das Wettbüro also ausgedient? „Ganz im Gegenteil. Sportwetten sind ein gesellschaftliches Ereignis. Man geht in ein Wettbüro, schaut sein Lieblingsteam an, konsumiert Getränke und gibt nebenbei einen Wettschein ab“, meint Branchensprecher Hatzl.
„Oft gehen Leute nur in ein Büro, um Sport zu schauen“, ergänzt er. Im Hintergrund wächst der Druck auf die Unternehmen von Jahr zu Jahr. Gesetzliche Auflagen, Schulungen und Maßnahmen gegen Geldwäsche werden immer präsenter. Um erst einmal ein Gewerbe zu bekommen, sei laut Hatzl „viel Einsatz notwendig“.
Trotz der zahlreichen Herausforderungen zeigt sich Hatzl zuversichtlich: „Sportwetten wird es immer geben. Es braucht einfach eine ausgewogene Mischung zwischen Spielerschutz, der Branche und dem Gesetzgeber.“