Die Debatte um eine generelle Sonntagsöffnung im Handel flammt regelmäßig auf – zuletzt in der Wiener Wirtschaftskammer. Aus Tirol kommt dazu Ablehnung.
Roman Eberharter, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Tirol, spricht sich in einer Stellungnahme gegenüber top.tirol gegen eine generelle Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten aus. Das derzeit gültige Öffnungszeitengesetz erlaube den Handel von Montag bis Freitag zwischen 6 und 21 Uhr sowie samstags bis 18 Uhr zu öffnen. Eine maximale Wochenöffnungszeit von 72 Stunden dürfe dabei nicht überschritten werden. Darüber hinaus gebe es Ausnahmen für touristisch stark frequentierte Orte sowie für Bahnhöfe, Flughäfen oder Tankstellen – allerdings nur in definierten Zeiträumen und Gemeinden. „Eine weitere Liberalisierung wird von vielen kleinstrukturierten, familiengeführten Betrieben nicht gewünscht, da sie dringend benötigten Erholungszeiten – insbesondere am Sonntag – verunmöglichen würde“, so Eberharter.
Wirtschaftlich kaum möglich
Der WK-Tirol-Spartenobmann betont, dass vor allem kleinere, inhabergeführte Betriebe unter einer Ausweitung der Öffnungszeiten leiden würden. „Gerade Arbeitsleistungen am Samstagnachmittag sowie an Sonn- und Feiertagen führen zu hohen Zuschlägen beziehungsweise verpflichtendem Zeitausgleich, was die Personalkosten deutlich erhöht und die Wirtschaftlichkeit einer Öffnung an diesen Tagen stark einschränkt.“ Diese Zusatzkosten seien für viele nicht tragbar: „Die hohen Zuschläge an Sonn- und Feiertagen führen in inhabergeführten Geschäften häufig zu negativen Deckungsbeiträgen – ein wirtschaftlicher Betrieb ist dadurch kaum möglich.“
Kein zusätzlicher Umsatz
Hinzu kommt, dass die Öffnung am Sonntag keine neue Kaufkraft generieren, sondern lediglich bestehende Umsätze verlagern würde. Laut Eberharter würde dies die Fixkosten erhöhen und den wirtschaftlichen Druck auf kleine und mittlere Betriebe erhöhen. Gleichzeitig würde sich der Konkurrenzdruck durch internationale Handelsketten weiter verschärfen. Besonders betroffen seien laut Sparte Handel die vielen familiengeführten Geschäfte in Tirol. Diese Betriebe, in denen die EigentümerInnen mitarbeiten, Lehrlinge ausgebildet werden und die zur Belebung der Innenstädte beitragen, „geraten durch eine Ausweitung der Öffnungszeiten massiv unter Druck“.


Roman Eberharter ist Geschäftsführer der Betten Eberharter GmbH und Spartenobmann der Sparte Handel in der WK Tirol.