Die Bauwirtschaft schöpft nach schwierigen Jahren wieder vorsichtig Hoffnung. Doch hinter den positiven Zahlen stehen weiterhin zahlreiche Herausforderungen für heimische Betriebe, wie die Tiroler Bauvorschau 2026 nun zeigt.
„Nach zwei Jahren Rezession ist erstmals wieder eine spürbare Erholung in der Branche zu erkennen“, erklärt der Landesinnungsmeister des Tiroler Baugewerbes Patrick Weber. Tatsächlich deutet die aktuelle Befragung unter heimischen Bauunternehmen auf eine vorsichtige Aufhellung der Stimmung hin. Lag der Baubranchen-Index im vergangenen Jahr noch bei einer durchschnittlichen Note von 3,1, verbesserte er sich im Frühjahr 2026 auf 2,8 – wie aus der „Tiroler Bauvorschau 2026“ hervorgeht.
Auch der Blick auf die aktuelle Geschäftslage fällt deutlich optimistischer aus: Inzwischen beurteilt jedes zweite Unternehmen seine Situation positiv – ein klarer Fortschritt gegenüber dem Vorjahr, als es nur rund ein Drittel war. Parallel dazu wächst auch das Bauvolumen leicht. Nach rund 2,466 Milliarden Euro im Jahr 2025 wird für 2026 ein Budget von 2,523 Milliarden Euro erwartet, was einem Plus von 2,3 Prozent entspricht.
Tiefbau wächst – Hochbau bleibt unter Druck
Innerhalb des Sektors zeigt sich ein differenziertes Bild: Während der Tiefbau deutlich an Dynamik gewinnt und ein Plus von 7,9 Prozent verzeichnet, bleibt der Hochbau weiter unter Druck. Besonders angespannt ist die Lage im Wohnbau. „Es werden aktuell zu wenige Wohnungen gebaut. Wir können den Bedarf nicht decken“, heißt es aus der Branche. Für 2026 wird sogar ein weiterer Rückgang von 2,3 Prozent erwartet.
Positiver entwickelt sich hingegen die Sanierung. Mit einem prognostizierten Wachstum von 7,3 Prozent zählt sie zu den wenigen stabilen Segmenten im Hochbau. Dennoch relativiert Innungsmeister Patrick Weber die Entwicklung: „Das ist zwar sehr erfreulich, aber bei Weitem nicht ausreichend.“ Um die angestrebten Klimaziele zu erreichen, müsste die Sanierungsquote deutlich stärker steigen – mindestens auf das Dreifache der aktuellen Quote.

Landesbaudirektor Christian Molzer, Bau-Innungsmeister Patrick Weber und Wirtschaftslandesrat Mario Gerber (v.l.) präsentierten die Ergebnisse der „Tiroler Bauvorschau 2026“.
Fachkräftemangel, hohe Löhne und Bürokratie
Trotz der vorsichtigen Aufwärtsbewegung bleibt der Druck auf die Unternehmen hoch. Mehrere strukturelle Herausforderungen prägen weiterhin den Alltag der Bauwirtschaft. So zeigt sich auch im Ausbildungsbereich ein rückläufiger Trend: Die Zahl der Lehrlinge sinkt, während es gleichzeitig vielen Betrieben an qualifizierten Fachkräften mangelt.
Hinzu kommen deutlich gestiegene Personalkosten. In den vergangenen Jahren sind die Löhne um 27 bis 28 Prozent gestiegen. „Das bedeutet, wenn wir heute wieder auf dem Niveau von 2021 liegen, ist das tatsächlich umgesetzte Bauvolumen in dem Zeitraum aufgrund der Inflation doch massiv eingebrochen“, konkretisiert Weber. Zusätzlich bremsen komplexe Vorgaben und langwierige Verfahren die Entwicklung der Branche.